Südkorea

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Deutschland

Im Liveticker: Südkorea gegen Deutschland

Der Schwächste fliegt

Es ist wirklich passiert – Deutschland scheidet zum ersten Mal schon in einer WM-Vorrunde aus. Als Gruppenletzter. Und zerbröselt so ganz nebenbei den Mythos der Turniermannschaft. Saß neben Sonja Zietlow und konnte nicht wegsehen: der Liveticker.  

14:05 Uhr

Freunde, es ist fünf nach Zwei, aber eigentlich - die internationalen Uhren gehen eben anders - fünf vor Zwölf. Für Joachim Löw. Für Angela Merkel, sagt die Süddeutsche Zeitung. »Deutschlands goldene Ära geht vorbei!«, warnt Gary Lineker in der Bild, ohne zu spefizieren, ob er nun Löw oder Merkel oder uns alle anspricht. Denn, ja, auch wir gehören ja irgendwie dazu. Zur Mannschaft. Spätestens nachdem uns Toni Kroos ins Gewissen gesprochen hat. Also: Bis heute Abend sind wir Deutschland, versprochen. Danach sehen wir weiter. Oder rufen Mario Basler an. Bleiben Sie dran. 

14:45 Uhr

Es ist der dritte Gruppenspieltag dieser WM und die Schlandisierung kennt bereits keine Grenzen mehr. Heute morgen schon die komplette S-Bahn voller DFB-Trikots, unironisch getragen. Aber, nun gut, irgendwie muss die 11FREUNDE-Redaktion ja zur Arbeit kommen. Und während die Kollegen vor einer halben Stunde zur Fanmeile pilgerten (»Wir wollen in der ersten Reihe stehen«), tickern für euch heute Max »Bundesadler« Dinkelaker und Tobi »Heimatstolz« Ahrens. 

14:49 Uhr

Während wir die Aufstellung der deutschen Mannschaft mit dem Fußballer Manager 2007 simuliert haben und uns fragen, ob Christian Wörns als Linker Außenverteidiger die richtige Lösung ist (Antwort: ja.), sind die Kollegen vom »Kicker« etwas besser informiert: Süle und Hummels kehren zurück. Khedira und Özil spielen statt Rudy und Draxler. Und Leon Goretzka läuft für Thomas Müller auf. Wir hätten Wörns eine Chance gegeben.

15:02 Uhr

Damit ist Matthias Ginter der einzige DFB-Feldspieler, der noch nicht auf dem Platz stand. Sehe schon seine Eltern wutentbrannt auf der Tribüne sitzen, sein Vater nur darauf wartend wann er sich diesen Jungtrainer Löw zur Brust nehmen kann. »Ne, komm Matthias, dann spielste halt bei der Spielvereinigung, kannste auch mit'm Rad hinfahren.«  

15:30 Uhr

Deutschland also mit insgesamt gleich fünf Wechseln in der Startelf. Derart große Personalrochaden kennt man hierzulande nur nach Wahlabenden bei der SPD. 

15:34 Uhr

Noch 25 Minuten und wir sind sitzen endlich mit voller Manpower vorm Fernseher. Bis eben musste ich Kollege Ahrens noch im Innenhof helfen, den LKW ausladen. Ohne seine Leuchtraketen macht ihm das Ganze hier einfach keinen Spaß...

15:38 Uhr

Egal wie das hier ausgeht, es ist ein trauriger Tag. Christoph Kramer ist heute zum letzten Mal im ZDF-Studio als Experte. Dieter Hecking kann einem auch wirklich alles versauen. 

15:40 Uhr

Falls wir später ab und zu etwas abgelenkt wirken, mögt ihr uns das bitte verzeihen. Einer von uns muss alle zehn Minuten runter in den Innenhof, das Thomas-Müller-Denkmal kleben. Seit heute bröckelt es gewaltig. 

15:42 Uhr

»Wir brauchen kein Los, wir haben Toni Kroos«, freestylt Löw mit einem smarten Lächeln in die ZDF-MAZ. Und zu Hause sitzen Smudo, Hausmarke und Thomas D. empört vor der Glotze und ziehen sich die Mützen schräg. »Hallo: Wir sind Deutschlands unangenehme Rap-Opis!«

15:45 Uhr

Zugegeben: Ein bisschen aufgeregt sind wir. Schafft Marcus Berg heute endlich sein erstes WM-Tor???

15:47 Uhr

Nach und nach verlässt Kollege nach Kollege das Büro. Was es draußen wohl gibt? Gratis-Speck? Im Speckmantel?

15:48 Uhr

Jetzt Werbung für »Hotel Transilvanien 3«. Wusste gar nicht, dass die deutsche Mannschaft schon zweimal in Watutinki war. 

15:51 Uhr

Bevor es für die Teams raus geht auf den Platz, kurz ein paar Worte zur Konstellation: Sollte Deutschland heute mit 1:0 gewinnen, während Mexiko mit 1:0 gegen Schweden verliert, hätten alle drei Teams sechs Punkte bei einem Torverhältnis von 3:2. Gewinnt Deutschland mit einem Tor Unterschied, während Schweden mit zwei Toren Vorsprung gewinnt, hat Joachim Löw die Chance, mit verschlossenen Augen an verschiedenen Bauchnabelfusseln seiner Staff-Member zu riechen. Liegt er bei mindestens drei von fünf Versuchen richtig, erhält Deutschland einen Extra-Punkt und steht automatisch im Viertelfinale. Scheitert es, ist Deutschland von den nächsten drei Turnieren ausgeschlossen. Isst er danach eine Dose Nivea auf, darf er mit sofortiger Wirkung die schwedische Mannschaft übernehmen. 

15:52 Uhr

Deutschland in grün. Neuer in irks, was ist das denn?

15:54 Uhr

Genialer Schachzug vom DFB: Zum Einlaufen kommt hier die Tormusik des FC Bayern. Ex-Hamburger Son kurz vorm Nervenzusammenbruch. 

15:55 Uhr

Jetzt die koreanische Hymne. Für mich der zweitbeste koreanische Track derzeit.

15:56 Uhr

Danach die deutsche Hymne. Kann leider nicht genau erkennen, welcher Deutsche mitsingt und welcher nicht. Für mich sehen die alle gleich aus...

15:58 Uhr

Der DFB-Fanclub by Coca-Cola präsentiert zum Einlauf der Mannschaften ein übergroßes Trikot. Schon jetzt ist klar: Um da hineinzupassen, wird die Mannschaft über sich hinaus wachsen müssen. Andernfalls: Bitterböse Pfiffe zur Halbzeit. Aber klar, haben ja auch für ihr Ticket bezahlt.

15:59 Uhr

Korea probiert es heute im altbewährten 9-1-langer-Ball-auf-Son. Klingt vernünftig. 

1.

Anstoß Deutschland. Bis hierhin kein Fehler, es kann nur noch schlechter werden.

1.

Özil und Werner liefen noch mit Ablauf des Countdowns, aber noch vor dem Anpfiff in die gegnerische Hälfte. Aber kein Einspruch, noch nicht, wird es aber wohl noch geben, wenn Deutschland heute gewinnt. Und in mir wächst die Erkenntnis: Dieses Spiel ist aussichtsloser als eine Wahl zum türkischen Präsidenten.

3.

Südkorea gleich mal über die rechte Seite,  doch im Strafraum klärt? Özil. Basler kocht. 

5.

Er musste in seiner Karriere viel Kritik einstecken, sicher oft auch gerechtfertigt, aber: Wer eine so prägnante und sonore Stimme hat wie Bela Rethy, die man nur für Sekundenbruchteile hören muss um zu wissen, dass es jetzt wichtig wird, bedeutsam, mindestens WM, eher WM-Finale, der muss und soll und darf kommentieren. Deswegen, liebe öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten: Gebt dem Mann das WM-Finale zurück. 

6.

Toni Kroos nach fünf Minuten mit dreimal so vielen Pässen wie ganz Korea. Wäre er Schleuser, wäre er jetzt reich. 

7.

Im hinteren Drittel dreht Niklas Süle gerade aus lauter Langeweile die Fortsetzung von Gullivers Reisen. Schaut erstaunt Mats Hummels an, ob der wuseligen Zwerge um ihn herum, die von dort oben so gleich aussehen: »Nie sind die Menschen so ernsthaft, gedankenvoll und nur mit sich selbst beschäftigt, als wenn sie auf den Stuhl gehen.« »Niklas, alter, jetzt nicht! Sonst dampft die Kacke gleich wieder!«

8.

Ist es bei euch zu Hause auch grade nass geworden? Keine Sorge, das waren nur die Tränen, die alle deutschen Kreisliga-Liberos grade gleichzeitig vor Freude vergossen haben, als Reus den langen Ball von Süle einfach volley quer durch den Strafraum gekloppt hat. 

9.

Jung Woojung sieht nach sieben Minuten die Gelbe Karte. Ein weiterer Minuspunkt in der Fairnesstabelle, das Gegentor des kleinen Mannes.

10.

Sorry, bin ab jetzt für Korea. Da spielt ein Mannschaftskamerad von Poldi mit...

11.

Özil spielt zwanzig Meter vor dem Tor den Ball mit einem Außenristpass weiter. Überheblich, sagen die einen. Nachvollziehbar, die anderen, denn wer will nach diesen Wochen noch erwarten, dass Özil noch mit rechts spielt?

12.

Kroos tritt an, lässt mit einem Wackler die halbe koreanische Mannschaft stehen. Der Mann ist derart elegant, er sollte mit Zylinder und weißen Handschuhen spielen.

13.

Kurzer Blick auf die Bank, wo sich Löws Assistent das Headset ins Ohr pröpfelt. »Sie sind verbunden mit der Deutschen Bank, wie kann ich Ihnen helfen?« »Äh hallo?« »Ihr Anliegen bitte« »Thomas? Erkennst du mich denn nicht?« »Marcus, bitte keine Anrufe. Ich arbeite. (wird leise) Aber.. Soll ich Milch mitbringen?« »Ja, das wäre toll. Bis später« »Tschau tschau«

14.

Deutschlands Ballbesitzzahlen gleichen sich immer mehr den Wahlergebnissen in Korea an. Also in Nordkorea.

15.

These: Wenn Timo Werner noch etwas spritziger wird, sieht die linke Seite gleich schlimmer aus als Frankfurt '74.

16.

Zum ersten Mal wird es gefährlich: Deutschland hat Platz über rechts, aber der Ball ins Zentrum, wo sowohl Reus als auch Werner lauern, kommt nicht an. Deutschland und Rechtsaußen: Nie eine gute Idee. 

16.

Immer wenn man glaubt, Löw könne einen nicht mehr überraschen, überrascht er einen doch. Lässt dann beispielsweise Müller draußen und bringt Goretzka. Oder lässt Gomez draußen, Werner dafür drin und zieht Reus ins Zentrum. Oder er reibt sich an Körperteilen, die wir bis dahin gar nicht kannten. 

17.

Süle geht beim Eckball mit nach vorne, steigt hoch zum Kopfball, aber vergebens. »Es wird viel rochiert bei der deutschen Mannschaft«, analysiert knallhart Rethy, den es wohl auch nicht weiter verwundern würde, wenn Kimmich gleich für zehn Minuten ins Tor ginge.

18.

Freistoß für Korea. Unser Tipp: Son machts. 

18.

Neuer dirigiert seine Vordermänner und ist stinksauer. Ich sag mal so: Wenn der Mann seine Ingenieursausbildung in der DDR gemacht hätte, stünde die olle Mauer immer noch.

20.

Denkste: Der Fünfzehner schießt und Neuer, dieser Fels in der Brandung, wackelt plötzlich wie ein Spielzeugdackel im Kofferraum und lässt den Ball nach vorne prallen. Das 11FREUNDE-Fähnchen im Wind sagt uns: Der Mann ist doch nicht richtig fit.

22.

Doof natürlich für alle Schland-Fans, die dachten, Deutschland würde hier einfach ins Achtelfinale spazieren. Wo doch eigentlich jeder wissen müsste, dass eine Mannschaft um Marco Reus nicht spazieren geht. Wo sie doch einfach ohne Führerschein fahren könnte...

24.

Der Artikel, der auf 11freunde.de gerade die zweitmeisten Besucher hat, ist übrigens: »Was macht eigentlich Michael Ballack?« Traurig, dass bei diesem historischen Aufeinandertreffen niemand an Christian Ziege, Thomas Linke oder Frank Baumann denkt. Meine Meinung.

25.

Deutschland in der Defensive teilweise luftiger als ein Sauerstoffzelt. Flanke in den Strafraum, von da prallt der Ball Son vor die Füße. Der haut ihn aber vollkommen freistehend in die Wolken. Sage noch einer, beim HSV würde man nichts lernen...

26.

... und irgendwo in Osnabrück schielt Mario Basler auf sein Telefon. Müsste doch längst klingeln, das Scheißteil.

28.

Das letzte Mal, dass für die deutschen Spieler ein Los entschied, war übrigens 2017. Damals waren Julian Brandt und der kleine Joshua sehr glücklich mit ihrem riesigen Plüschbären und dem aufblasbaren Gummihammer. 

29.

Eckball Kroos. Reus bietet sich kurz an. Die werden doch nicht....

30.

Große Chance für Deutschland! Weil Toni Kroos den besten Pass dieser WM spielt, vielleicht. Über 30-40 Meter durch Freund und Feind hindurch zu Mesut Özil - was lustig ist, weil ja alle streiten, ob nun Freund oder Feind -, aber die anschließende Hereingabe findet so viele Stürmer wie sachliche Argumente in der Özil-Debatte Zuhörer: keinen einzigen.

33.

Goretzka auf rechts wie ein 11FREUNDE-Redakteur vorm Berghain: kommt nicht rein.

36.

Deutschland auf Lückensuche, sagt Rethy. Wo ist Niclas Füllkrug, wenn Deutschland ihn braucht?

38.

Ich mache Kollege Dinkelaker mal ein Bier auf. Denn Fußball darf nicht nur Arbeit sein, und es soll ja nicht nur euch auf den Fanmeilen der Republik gut gehen. Und sowieso: Unser Whirlpool wird langsam kalt.

40.

Und die nächste Chance für Deutschland! Erst vergibt Werner, bei der Ecke kommen dann Goretzka und eben wieder Werner an den Ball, bevor Hummels am Fünfmeterraum die Pille bekommt. Steht dort, wie ich mir einen Rumbatänzer vorstelle, also so eine Art hüftsteifer Christian Jancker, doch statt zu pöhlen geht Hummels ins Klein-klein. Dribbelt ein-zwei Südkoreaner aus bevor er am Keeper scheitert. Eine Leistung, die sogar Joachim Llambi anerkennen müsste.

41.

Wenn es einen Vorteil hat, nicht bei einer WM zu spielen, dann vielleicht diesen: Man läuft nicht Gefahr, von Niklas Süle umgegrätscht zu werden. Was sich in etwa anfühlen muss, wie von einem Flugzeug umgegrätscht zu werden. 

42.

Statt abzuschließen, verstolpert Hector im koreanischen Strafraum den Ball. Oder wie ich ihn nenne: Hectorschusspanik...

43.

Dinge, die noch nutzloser sind, als mit Schiedsrichtern über Entscheidungen zu diskutieren, wenn der Ball eh nur an den Pfosten klatschte:

- Autoreifen wechseln, wenn der Motor streikt
- alle Staffeln von »In aller Freundschaft« gucken
- auf Horst Seehofers Masterplan warten

44.

Kollege Ulrich stellt resignierend fest, er könne sich nicht daran erinnern, dass Deutschland je bei einem Turnier so wild durchgemischt hätte. Für ihn das deutsche Team also eine Art Anti-Avocado: Ihm fehlt der Kern. 

45.+1

Die DFB-Elf beißt sich an der koreanischen Defensive die Zähne aus. Und nein: Wir fordern jetzt nicht schon wieder einen Einsatz von Niclas Füllkrug. 

45.+3

#HLBZTPFFF

16:51 Uhr

Toll, dass der DFB nach der WM seinen Hauptsponsor wechselt. Denn die deutsche Mannschaft tritt auf wie ein VW-Geländewagen: Wenn's drauf ankommt, bringt er seine Leistung nicht.  

16:52 Uhr

Wir halten fest: Bei Deutschland geht nicht viel. Chancen gab es quasi keine, Korea verteidigt das 0:0 im Schongang, die deutsche Mannschaft kommt quasi nie ins Tempo, und wenn doch hat man das Gefühl, im letzten Pass steckt mehr Angst als Überzeugung. Aber vielleicht spielt Deutschland auch richtig gut und wir sind einfach nur die Miesepeter von der Presse. 

16:54 Uhr

Die Schnellzusammenfassung mit der Stimme von Oliver Welke aus dem Off ist noch deprimierender als das Spiel der deutschen Mannschaft in der ersten Hälfte.

16:56 Uhr

Da, wo normalerweise ein Halb-Hologramm der Stars der beiden spielenden Mannschaften im ZDF-Studio zu sehen ist, werden heute nur zwei kopflose Trikots eingeblendet. Viel subtiler kann man den kopflosen Auftritt der deutschen Mannschaft nicht kritisieren. 

16:57 Uhr

Eine stille Minute bitte für alle PR-Texter, die in zwei Wochen zur Arbeit kommen werden und nicht mehr mit der Fußball-WM werben können. Und so, liebe Leser, entstehen Schokoweihnachtsmänner im August.

16:59 Uhr

Oh Man. Was, wenn die ganzen Schlandis auf den Fanmeilen des Landes merken, dass diese Art Leistung eigentlich die wahren Leistungen deutscher Fußballnationalmannschaften viel besser repräsentieren als die 12 Jahre zuvor? Wird sich ein Mob bilden, der plündernd durch die Straßen zieht? Wird nicht mehr bei Nivea gekauft werden? Geht die Commerzbank pleite? Ist sie das nicht längst?

17:03 Uhr

Niederlage für alle 80 Millionen Bundestrainer: Deutschland ohne Wechsel.

46.

#WDRNPFFF

47.

Wie unangenehm befriedigend es auf mich wirkt, wenn Manuel Neuer Aufsetzer-Schüsse so magnetisch in seinen Bauch aufsaugt, wie nur er das macht. Habe ich ein Problem?

47.

»Die letzten 45 Minuten«, sagt Rethy, als wolle er mit dem Wiederanpfiff zum Abgesang auf die deutsche Nationalmannschaft beginnen, »in der Gruppenphase laufen.« Die Hoffnung stirbt eben zuletzt.

48.

Goretzka! Den wir nur noch Goalretzka nennen würden, wenn er diesen verdammten Kopfball einfach verwandelt hätte. Völlig freistehend, zehn Meter vor dem Tor der Südkoreaner, doch sein Kopfball nicht platziert genug. Aber gut, der Mann kann halt nur, wenn es wirklich beschissen steht.

50.

Jetzt ist Action! Direkt nach der Chance von Goretzka spielt Hector einen schlampigen Pass zu Neuer, der deswegen ins Eins-gegen-Eins mit Son muss. Bisher das beste deutsche Dribbling.

51.

Schockschwerenot! Schweden führt. Und damit ist Deutschland – Stand jetzt – ausgeschieden. Aber keine Sorge. Uli Hoeneß hat grade seinen kroatischen Fahrer losgeschickt. Der regelt das schon. 

52.

Jetzt wird`s knackig, sagt Rethy. Matthäus legt sich sofort seine besten Anmachsprüche zurecht. 

53.

»Deutschland versucht hier konstruktive Angriffe vorzutragen«, sagt Rethy. Doch die Mannschaft sinnbildlich für Deutschland und seine politische Führung. Ist sich nicht einig, läuft in entscheidenden Momenten in gegensätzliche Richtungen. Und trifft auf einen Gegner, der sich nur auf Destruktion besinnt, ablenkt und zur Not peinliche Schweigeminuten abhalten wird.

54.

Werner mit der nächsten Chance. Zieht volley ab. Drüber. Kollege Ahrens fassungsloser als eine defekte Glühbirne: Warum lässt er sich nicht einfach fallen?

55.

Nächster kluger Pass von Özil auf Reus, doch der scheitert an einem südkoreanischen Bein. Die Abwehrkette lässt hier weniger durch als mein Duschsieb. Würg. 

56.

Großaufnahme Boateng auf der Tribüne. Und, endlich auch mal gute Nachrichten: Jerome Boateng hat soeben seinen persönlichen Candy-Crush-Rekord geknackt!

57.

Mats Hummels vor drei Tagen, als er auf Seite 457 im ARD-Teletext unterwegs war: »Ah, schau an, da ist ja der Pass der Südkoreaner.«

59.

Jetzt Gomez für Khedira. Löw stärkt die Defensive. 

60.

Wenn Löw clever ist, hat er sich für die Schlussphase ein paar Popel vorgerollt, in Bonbon-Papier eingewickelt und in die Hosentasche gesteckt. Also in die Seitentasche. 

63.

Müller kommt. Löw hat sich aufgegeben. 

65.

Son versucht einen Elfmeter zu schinden. Nicht im Bild: Wie Timo Werner an der Mittellinie anerkennend mit dem Kopf nickt. 

66.

Südkorea wie wir, als Mama uns noch die Hosen anzog: mit Oberwasser.

67.

Deutschland wie Axel Schulz gegen Botah: Gefährlich am taumeln. 

68.

Fassen wir zusammen: Die DFB-Elf hatte zur Vorbereitung alles, was eine moderne Mannschaft braucht. Pulsmessgeräte, Laktatmessstationen, Blackrolls, Fotoshootings mit Geländewagen. Aber nach den Szenen von Goretzka und jetzt durch Gomez ist klar: Beim nächsten Mal stellt ein Betreuer das Kopfballpendel wieder auf.

70.

Gelige Fußballerfrisuren, Vollbärte, Vinotheken, Vorrundenaus als amtierender Weltmeister: Dass wir den Spaniern und Italienern aber auch wirklich alles nachmachen müssen...

71.

Auh Mann, kurz nach Saisonende ist Mario Gomez durch ein schwarzes Loch gezogen und mit der Form von 2008 ausgestattet worden. Aber was soll's: Wenigstens nicht gestolpert. 

72.

Dinkelaker macht hektisch Bier auf. Ich küsse meine Zehen von links nach rechts, dann noch einmal den mittleren links und zuletzt den Fußknöchel rechts. Kollege Ulrich füllt schweißüberströmt Lottotippscheine aus. Soll uns später keiner vorwerfen, wir hätten das Glück nicht herausgefordert. 

75.

Leute: Wir brauchen jetzt einen indirekten Freistoß aus extrem ungünstigem Winkel...

75.

Das beste Messgerät seit Einführung des Wettersteins: Wenn Manuel Neuer Libero spielt, weißt du, dass die Kacke dampft.

77.

Deutschland behäbig, ohne Tempo, zögerlich und unpräzise. Man könnte meinen, sie solidarisieren sich mit meinem Liebesleben. 

78.

Julian Brandt macht sich bereit. Ich organisiere schonmal den Pfosten-Beitrag für die 88. Minute.

79.

Eine Viertelstunde vor Schluss wechselt Löw Hector aus und wirft Julian Brandt auf die linke Seite. Der das jetzt ohne Absicherung spielen muss. Beziehungsweise: Ohne Brandtschutzbeauftragten.

81.

Ich gestehe, dass ich mir manchmal zu Monatsbeginn meinen Gehaltscheck auszahlen lasse, in eine Spielbank fahre und alles blind auf die »10« setze. Aber das, was die deutsche Mannschaft defensiv betreibt, ist selbst mir zu viel Risiko.

83.

In einer perfekten Welt würde Mesut Özil den Ball in der 91. Minute in den Winkel kloppen, danach ein hochemotionales Interview geben, in dem er total eloquent erklärt, wie schwer das ist mit den zwei Herzen in seiner Brust sei und dass dieses Foto natürlich ein Fehler war, die Kritik danach aber auch teilweise rassistischer Müll und dass dieses Land vor allem eines braucht, mehr Zusammenhalt. In einer perfekten Welt würde ich aber auch nicht seit drei Jahren nur noch in die Breite wachsen. Grmpf. 

84.

Ich glaube, die Mannschaft sollte jetzt kurz vom Platz gehen und sich die Tagesschau in 100 Sekunden anschauen. CDU gegen CSU, Söder mit Orban, Trump gegen Harley und Flüchtlingsboote, die wegen fehlender Herzwärme im Mittelmeer schwimmen. Und vielleicht verstehen die Spieler dann: Niemand will ein Vorrundenaus. Das ist auch für Angela Merkel eine Baustelle zu viel.

85.

Als hätte er es gelesen, rückt Özil in Schussposition. Legt aber lieber ab, als es selber zu probieren. Keine Pointe.

86.

Deutschlands Abwehr jetzt löchriger als die Durchschnittshose eines deutschen Fußballprofis. 

87.

Hummels mutterseelenallein vor dem südkoreanischen Tor, köpft einfach über den Querbalken. Und irgendwo köpft Horst Hrubesch wütend einen Fliesentisch in seinen Fernseher. 

88.

Aber Glückwunsch an alle Bayern-Fans. Die Spieler werden ausgeruht zur Mannschaft stoßen. 

89.

Mal angenommen, die koreanische Mannschaft hätte in der Offensive etwas mehr zu bieten als nur Son und könnte die Konter etwas besser ausspielen, Löw wäre längst gekündigt worden...

90.+1

Fußball, was machst du mit unseren Nerven? Ecke Korea, der Stürmer steht komplett frei, legt ihn ins Eck, aber: Abseits. Beziehungsweise: Jetzt braucht Deutschland wirklich ein Wunder. Denn es ist nur angeblich Abseits, aber, wir wissen es längst, der Ball kommt nicht von einem Koreaner gepasst, sondern von Toni Kroos. Was in unserer Definition kein Abseits ist. Und bedeuten würde, dass das Tor zählen muss. Weswegen das Tor nach VAR-Eingriff auch zählt. Der Schiedsrichter schaltet die Geräte ab. 0:1. Deutschland stirbt einen langsamen Tod.

90.+4

Noch zwei Minuten. Löw sucht Solksjaer.

90.+3

Unser Ticker streikt. Das ganze Land ist von der Rolle. Wie ist so etwas möglich? Ein Fehler in der Matrix? Ein gnadenloses Paralleluniversum? Was soll der Müll? Uns wurde doch ein Schland-Sommer versprochen!!!

90.+4

Ich will mein Geld zurück.

90.+5

Manuel Neuer probiert sich als Außenstürmer, als hätte er von Philipp Lahm nichts gelernt um es dann mit dem Nach-vorne-Gehen nicht zu übertreiben. Stattdessen verliert er den Ball, ein langer Pass der Südkoreaner findet Son, der den Ball langsam ins Tor trudeln lässt. Nur darauf verzichtet, ihn auf die Linie zu legen, um mit dem Kopf zu treffen. 0:2. Deutschland so schlecht wie unter Ribbeck nicht mehr.

90.+5

Manuel Neuer probiert sich als Außenstürmer, als hätte er von Philipp Lahm nichts gelernt um es dann mit dem Nach-vorne-Gehen nicht zu übertreiben. Stattdessen verliert er den Ball, ein langer Pass der Südkoreaner findet Son, der den Ball langsam ins Tor trudeln lässt. Nur darauf verzichtet, ihn auf die Linie zu legen, um mit dem Kopf zu treffen. 0:2. Deutschland so schlecht wie unter Ribbeck nicht mehr.

90.+6

Die FIFA will die Geräte nicht abschalten. gibt nochmal drei Minuten Nachspielzeit...

90.+9

Aber nach drei Minuten, in denen nichts passiert, außer dass Hummels die Latte per Kopf trifft und dass den deutschen Spielern langsam klar wird, dass sie zu den ersten gehören werden, die jemals bei einer WM-Vorrunde gescheitert sind, pfeift Geiger die Partie ab. Beziehungsweise die Party. Denn, das sollte es doch werden, eine gigantische schwarz-rot-goldene Fete, mit grillen, mit Bier, mit endlich mal stolz sein, zumindest für vier Wochen. Stattdessen: Versager! Eine Schande! Peinlich, mögen jene denken, die den Fußball als Event kennenlernten, und wir könnten es ihnen nicht mal verübeln. Aber, lasst euch gesagt sein: Fußball ist kein Event, sondern Sport. Und zum Sport gehört verlieren nunmal dazu!

18:04 Uhr

Als erster spricht Mats Hummels. Und: Selbst in einem Moment, in denen andere stammeln und herumdruchsen würden, spricht der Kerl erstaunlich klar. Redet sich fast in eine Art Rausch. Andererseits: Bei der Partnerin muss man wahrscheinlich jede Chance nutzen, mal zu Wort zu kommen...

18:06 Uhr

Hat mal wieder alles richtig gemacht: Philipp Lahm.

18:09 Uhr

Kommt, Leute, lasst uns wenigstens die dritte Halbzeit gewinnen. 

18:08 Uhr

Was wirklich groß wäre: Wenn sich Leroy Sané sein Leroy-Sané-jubelt-im-Trikot-Tattoo mit einem Leroy-Sané-futtert-Chips-auf-der-Couch-Tattoo überstechen lassen würde. 

18:12 Uhr

Habt ihr das komische Knarzen gehört? Diesen unangenehmen, unwirklichen Krach? So klingt das dann wohl, wenn ein Mythos kaputt geht. Deutschland ist keine Turniermannschaft mehr. 

18:14 Uhr

Ein Kollege stürmt ins Büro: »Ist er schon zurückgetreten?« So übel hat Kollege Ahrens doch gar nicht getickert...

18:17 Uhr

Falls wer einen Sündenbock sucht: Sportminister ist übrigens Horst Seehofer. Just saying....

18:19 Uhr

Jetzt Bierhoff im Interview. Kam als erstes aus der deutschen Kabine. Hat also nicht geduscht. Welch Ferkel. 

18:20 Uhr

»Nein, in der Kabine spricht niemand«, sagt Bierhoff. Warum auch, wenn jeder auf sein Handy schaut.

18:21 Uhr

Der HSV steigt ab, England spielt eine erfolgreiche WM, Deutschland fliegt in der Vorrunde aus. Wir leben in unsicheren Zeiten...

18:24 Uhr

Wer jetzt schon über einen Rücktritt von Löw redet, hat sie doch nicht mehr alle. Der Mann hat jahrelang öffentlich Popel gegessen. Als ob ihn ein schlechtes Turnier umhauen könnte...

18:25 Uhr

Ich schaue hinaus, in die Hauptstadt des Weltfußballs, die sie für vier Jahre irgendwie war: Berlin. Vier Jahre, angeblich, haben die Deutschen den anderen gezeigt wie dieser Sport funktioniert. Ohne zu merken, dass Nationen wie Mexiko und Südkorea an uns vorbeigezogen sind. Hätten es doch zumindest merken müssen, als uns Saudi-Arabien am Trikotärmel zupfte. Aber nein, Schland-Brille auf und los auf die Fanmeile. Jetzt laufen sie unter mir vorher. Wie Junkies, die in der Gosse aus einem vierjährigen Trip erwachen, weil ihnen der Straßenreiniger in die Fressen geschlagen hat. Vom Bordstein zur Skyline und zurück. 

18:31 Uhr

Löw argumentiert das Turnier-Aus mit dem Fehlen von Sebastian Rudy. Für mich der bitterste Moment.

18:32 Uhr

Löw im Interview bei KMH. Spricht über Totenstille in der Kabine, über die Schwere der Aufgabe, über eine eigentlich gute Vorbereitung, entschuldigt sich, unter anderem dafür, dass der gesamte deutsche Fußball heute verloren hätte. Der gesamte deutsche Fußball? Im Hintergrund summt Kollege Reich: »Eintracht vom Main....«

18:34 Uhr

Wenn es den einen Moment gäbe, in dem Kahn Löw heimzahlen könnte, dass der ihn einst mit Klinsmann zusammen absägte, dann wäre er jetzt gekommen. Aber: Kahn bleibt cool. Stilvoll. Dreht nicht durch. Nagt Welke nicht am Ohr. 2018 ist ein komisches Jahr. 

18:36 Uhr

Mannschaften, vor denen sich in Deutschland vor dem Turnier niemand Sorgen gemacht hat:

- Mexiko

- Schweden
- Südkorea

18:40 Uhr

Bin gespannt, welcher Spieler sich eine richtig miese Social-Media-Agentur angelacht hat, die aus Faulheit  Posts vordatiert: »War ein harter Kampf, sind glücklich übers Weiterkommen, Respekt an Korea für diesen großen Fight. Jetzt auf ins Achtelfinale #ZSMMN«

18:42 Uhr

Auch irgendwie schlechter Stil, den Brasilianer auf diesem Weg die Revanche zu verwehren. 

18:43 Uhr

Andererseits heißt das ja auch: Südkorea hätte Brasilien 9:1 weggehauen. 

18:45 Uhr

Freue mich aber für Löw, hat jetzt noch zweieinhalb Wochen Zeit, um am Strand von Sotschi zu flanieren. 

18:47 Uhr

Aber auch wir müssen uns entschuldigen, sind in der Pflicht, standen doch vielleicht nur zu 99 Prozent hinter der Mannschaft powered by.

18:54 Uhr

Das ZDF heute Abend mit der Sondersendung »Was nun, Herr Schulz?«. Fände ich eigentlich ganz gut, dem Mann noch eine zweite Chance zu geben, einen Karren aus dem Dreck zu ziehen. 

18:58 Uhr

Wir schalten live auf die Fanmeile deutscher Herzen:

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19:00 Uhr

Und während Kahn, Kramer und Welke verzweifelt nach Gründen suchen, warum und wie zur Hölle das alles bloß passieren konnte – dieser fußballerische Super-Gau, diese maximale Steigerung von allem Negativen, was der deutsche Fußball je zu überstehen hatte, Cordoba, Wembley, Conceicao, Zieges Schland-Iro bei der WM 2002 – wenden wir uns einfach dem Leben zu. Denn: Die WM geht ja weiter! Zumindest für jene, die WM wegen Fußball gucken. Und für die gibt es jetzt einen echten Leckerbissen. Schweiz gegen Costa Rica! Geil. In diesem Sinne verabschieden wir uns, bedanken uns für die Aufmerksamkeit und geben euch einen letzten wertvollen Rat an die Seite. Was auch immer in eurem Leben schief laufen sollte – Katze entlaufen, aus Versehen besoffen das Auto geschrottet, Job verloren – in den kommenden Wochen könnt ihr euch alles erlauben. Denn: Schuld sind sowieso die DFB-Versager. Ganz sicher!