Serbien

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Brasilien

Im Liveticker: Serbien gegen Brasilien

Brazielwasser getrunken

Brasilien schlägt Serbien. Vor dem Anpfiff mussten sie noch viele Kicker ersetzen, weil sie nach dem Deutschland-Spiel mit einer Zwerchfellverletzung ausfielen. Findet das alles gar nicht lustig: der Ticker.

19:59 Uhr

Hallo Freunde. Nun also bin ich es, der euch die nächste traurige Nachricht überbringen muss: die Welt dreht sich weiter und Brasilien kann noch das Achtelfinale erreichen. Und weil dem so ist, planschen die Brasilianer, spätestens seit 2014 der selbsterklärte beste Feind der DFB-Elf, freudig im deutschen Tränenmeer, üben Arschbomben und füllen vielleicht ein bisschen davon in ihre Wasserpistolen, um die Serben gleich lachend nass zu machen. Aber Obacht, auch Neymar und seine weniger obszön frisierten Kollegen können noch ausscheiden. Wir berichten live vom Ground Zero.

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Anstoß: Neymar noch auf den Beinen. Bezeichnend.

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Kurze Entzerrung der Lage: Brasilien könnte ausscheiden, wenn: Serbien gewinnt und die Schweiz mehr Punkte hat, oder eine bessere Tordifferenz bei Punktgleichheit, oder bei gleicher Differenz mehr Tore erzielt oder bei identischer Tormenge eine bessere Fair-Play-Bilanz. Und Tite, der beste Mythenerzähler seit Ovid, steht in der Kabine und rechnet die Wahrscheinlichkeit aus. Von allem. Und dem Sein an sich. Bewegend. 

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Erste Beschwerde Neymar. Keine Ahnung worüber, ist ja aber auch egal. Schneller machen sie sonst nur bei Freibier auf der deutschen Fanmeile den Mund auf.

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Und dann: Chance Brasilien! Coutinho fummelt sich eleganter durchs serbische Abwehr-Korsett als Escort-Freier im Balkanurlaub. Aber Jesus im Abseits. Auch ein schöner Satz. Zum Beispiel für eine Vorabendsendung auf »Bibel.tv«.

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Kommentator Oliver Schmidt lässt wissen: »Hier ist von Anfang an viel Tempo drin«. Klingt wie ein Live-Report vom Berghain-Klo.

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Frage für zwischendurch: Laufen Wetten bei Fußballern eigentlich genau andersherum? Also sagt Neymar zum Beispiel zu seinen Kollegen nach acht Dosen Discounter-Bier: »Bruder, wenn wir rausfliegen, dann schneid ich mir die Haare ganz normal!«

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Auf der Tribüne: Gianni Infantino neben dem russischen Ministerpräsident Medwedew. Wen die Kameras nicht ins Bild bekommen: Satan, Gargamel und Kalle Rummenigge.

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Und Marcelo muss schon raus. Hat sich eine Locke gekrümmt. An der Seitenlinie wartet schon Udo Walz zum Haarwurzel-Tauchen. Für ihn kommt Filipe Luis. Der hat keine Locken. Tite also auf Nummer sicher.

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Kostic will losstürmen, kommt aber mit jedem Schritt nur dem Boden näher. Und fällt hart. Nicht schlimm, kennt er ja schon vom HSV.

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Mein Tipp: Wenn Brasilien hier gewinnt, dann erklärt Michel Temer das heutige Datum zum Nationalfeiertag, dem Tag der Minderung der Schmach, in Gedenken an Young-Gwon Kim. Dann bauen sie eine neue Statue neben dem Cristo Redentor, eine in Form des VARs. Und alle werden wieder glücklich sein. Ich, da bin ich ehrlich, würde es ihnen gönnen.

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»Er spielt auch deutlich den Oberschenkel«, sagt der Kommentator. Als würde er Engtanz beim Abiball kommentieren.

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Kollege Ahrens aus dem Häuschen, weil Meppen gegen die Ostfriesen-Auswahl führt. Seitdem kriegen wir uns nicht mehr ein. Wer ist Trainer? Otto Waalkes. Zwei Spieler sind gebannt draußen, weil ihnen jemand die Vorzüge einer Zahnbürste vorführt. Spielen in Gummistiefeln und der Torwart hält in Melkhandschuhen.

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Was anderes, Freunde: Zeit für Nostalgie. Meine sehr gute Freundin Kathrin hat heute Geburtstag und ist großer Bernd-Schneider-Fan. Jetzt ist die Zeit, in der wir uns alle an die schönsten Bernd-Schneider-Momente erinnern sollten. Meiner: Im "Sommermärchen" sammelt Klinsi alle Spieler zur Teambuilding-Maßnahme Bogenschießen zusammen. Aus dem Hintergrund einer: "Ich geh Fußball-Tennis spielen." Klinsi: »Nein, Bernd.« Schickt uns eure Schneider-Momente an die (tatsächlich existierende) Anschrift amateure@11freunde.de.

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Noch in der Redaktion nach der Schmach: Stephan Reich (acht Bier), Max Dinkelaker (sieben) und Tobi Ahrens (kommt aus Meppen und deswegen mit sieben Bier erst zur Arbeit). Ich bin noch im Hintertreffen, weswegen ich tatsächlich eine Chance für Brasilien vage erkenne. Neymar scheitert am serbischen Keeper Stojkovic. Hat nicht genügend Brazielwasser getrunken.

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Live aus Brasilien.

https://twitter.com/rodpocket/status/1012006234952814593

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Übles Foul an Neymar. Krstajic mahnt zur Ruhe. Mag nur verbale Fehltritte.

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Alter: Unfassbarer Pass von Coutinho, Paulinho sprintet los, so schnell wie er es eben noch kann, aber denkt dabei an seine Enkel und seinen Bausparvertrag, rennt und rennt und führt die Fußspitze gekonnter ans Leder als Schustermeister. Der Ball im Tor, Brasilien in Karnevalsstimmung. Und auf der Tribüne ext Ronaldo drei Caipi. Tolle Bilder!

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Mit Brasilien ist es eben so wie mit Ron Weasley: Man weiß, der Zauber ist da, meistens geht er aber lächerlich schief. In den entscheidenden Momenten aber, da rettet er über jede Dummheit hinweg. Ich wette, Emma Watson schaut heute im Neymar-Trikot. 

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Die Schweiz nun nach wenigen Momenten schon nicht mehr Tabellenerster. War aber auch eine ungewohnte Rolle, in einer internationalen Gruppe den Ton anzugeben.

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Neymar stolpert über seine eigenen Füße, geht zu Boden, hält sich sein Gesicht. Hätte eine praktische Idee: Vielleicht einfach Fingerabdrücke auf die Wangen tätowieren lassen, das spart wertvolle Energie.

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Nun gut, die Serben im Moment so weit weg von guten Szenen, man könnte Uwe Boll einen neuen Film draus machen lassen. Mit Kostic als verhungernder Pass und Luka Jovic als Bratwurst.

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Ende Halbzeit eins. »Und jetzt zum wirklich Wichtigen: das Heute-Journal mit Marietta Slomka«, sagt Oliver Schmidt. Die will Andi Brehme aber nicht wörtlich zitieren. Dann kann es ja auch nicht so wichtig sein, denke ich. Und meine Oberschenkelmuskeln werden plötzlich ganz warm. 

20:50 Uhr

Katrin Müller-Hohenstein leaks: »Manuel Neuer saß nach dem Spiel zusammen mit Oli Bierhoff im Kofferraum des Mannschaftsbusses.« War ja auch genug Platz, hat schließlich heute niemand auch nur irgendetwas gepackt in der deutschen Elf.

20:54 Uhr

»Verrückt, dass nun gleichzeitig über die Zukunft von Jogi Löw und Angela Merkel spekuliert wird«, sagt Slomka. Verrückt, zwischen welchen Dingen Leute willkürlich Bezüge für schlechte Überleitungen herstellen, denke ich.

20:57 Uhr

Wann und wo kommt denn heute die Sondersendung »Eine Stunde lang heulende Schland-Fans«? Frage für meine gelangweilte Stimmung.

20:59 Uhr

Zurück zum Sportlichen: Ze Roberto sieht angeschlagen aus. Hat wohl eine Innenohrverletzung von Jochen Breyers wirren Wortgrätschen. Wann kommt endlich Roberto Carlos und befördert diesen »Moderator« mit einem Druckfreistoß zurück in eine ZDF-Nachmittagssendung?

21:01 Uhr

Christoph Kramer hingegen hat gute Laune. »Jochen, ist das das Finale?«, fragt er. Dann bekommt er spontan Nasenbluten. Nostalgisch. Und irgendwo schreibt sich Mario Götze selbst einen Zettel.

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Anpfiffinho.

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Derweil in Südkorea.

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1:0 reicht zum Weiterkommen – irgendwie kommt uns dieser Satz in Deutschland merkwürdig bekannt vor.

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Eckball Brasilien, Konter, Coutinho blockt. In der Abwehr hätte man ihn nicht erwartet. Experten nennen ihn schon den Günter Coutowski.

61.

Abpraller am Fünfmeterraum. Und Mitovic köpft direkt vor dem Tor Thiago Silva an. Das wäre es gewesen. Im großen Tor den einen zu treffen, der im Weg steht, war so wie ich früher in der Disco, als ich den ausgerechnet einen angerempelt hab, der so viele Schwarze Gürtel wie Boateng Turnschuhe im Kleiderschrank hatte. Weswegen ich bis heute mit einem Strohhalm tickere.

64.

Brasilien jetzt etwas lethargisch. Kommen in den Zweikämpfen häufiger zu spät als Ailton im Wintertrainingslager.

65.

Und dann: Wieder Mitrovic. Mit mehr Platz vor dem Tor als Städte im Mittelalter. Schraubt sich in die Luft, aber legt das Ding direkt in die Arme von Alisson. Betet danach gen Himmel, auf dass seine Freundin nie einen Trecktest macht.

68.

Auf der anderen Seite zeigt Thiago Silva, wie das richtig geht. Die fleischgewordene Sprungfeder, die inkarnierte Vorschlaghammerbirne. Presst den Ball mit purer Willenskraft nach einer Ecke ins Netz, zeichnet dann kurz ein Selbstportrait der Szene und drückt es Mitrovic in die Hand. »Wenn du noch fragen hast, dann komm später einfach in die Kabine, da habe ich noch ein Flipboard«, sagt er. Eine faire Geste, ein toller Lehrer. Infantino persönlich überreicht ihm an der Seitenlinie die C-Lizenz. 2:0.

75.

2004 - Deutschland verliert als Vizeweltmeister den letzten Test gegen Ungarn. Olli Kahn beruhigt die Gemüter, solche Tests nicht ernst zu nehmen:

78.

Derweil schreibt Tite an der Seitenlinie seine Memoiren. Auf die WM-Beilagen deutscher Tageszeitungen.

79.

Renato Augusto kommt ins Spiel. Jetzt nehmen die Brasilianer hier gar nichts mehr ernst. Als Trostpflaster darf Mario Barth den nächsten Freistoß kicken. Per Skype-Schalte von der Berliner Fanmeile.

81.

Neymar darf auch mal aufs Tor schießen, kriegt so ein feines Zuspiel von rechtsaußen, dass Horst Seehofer Willian direkt eine Stelle als persönlicher Berater anbietet. Aber Neymar, dieser Wunderknabe, holzt das Ding gnadenlos drüber. Einen so lustlosen Abschluss sah ich zuletzt, als Kollege Ulrich mir seine Bachelor-Arbeit zeigte.

83.

Die Serben bisher acht Kilometer mehr gelaufen als Brasilien. Wenn sie so weitermachen, sparen sie sich das Geld für den Mannschaftsbus zum Flughafen.

86.

Kurzer Rückblick noch mal:

86.

Und wieder Neymar, aber Serbiens Torhüter Stojkovic mit dem besten Reflex seit Duran Duran. Und alle serbischen Fans stimmen ein: »Isn't that bizarre!«

90.

Hier nun eine kurze Zusammenfassung der letzten fünf Minuten, brasilianische Sicht: Pass, Pass, Pass, Pass, Pass, Pass, Pass, Pass, Pass, Pass, Pass, Pass, Pass, Pass, Pass, Pass, Pass, Pass, Pass, Pass, Pass, Pass, Pass, Pass, Neymar, Unterbrechung.

90.+3

Die Serben probieren es nochmal mit einem langen Ding. Und das, glaubt mir, wollte ich wirklich nie sehen.

21:51 Uhr

Ende. Brasilien weiter. Schweiz auch. Deutschland immer noch nicht. Und Neymar macht auf dem Feld eine Favoritenrolle vorwärts.

21:54 Uhr

Boah, gähn ey. Irgendwie, ich weiß nicht, ist das noch nicht, was ich mir erträume, wenn ich an Brasilien denke. Wenn ich an Carlos und Socrates und Rivaldo denke. Das war Brasilien light, schmeckt irgendwie fad, ist aber doch süß genug, damit man mehr will. Aber nun gut, da kommen ja noch ein paar Spiele, noch ein paar Möglichkeiten, noch ein paar neue Frisuren von Neymar. Wir sind gespannt, was hier allerdings ein Synonym ist für »uns ist es eigentlich auch egal, weil am Ende kann man ja auch mit beschissener Leistung ein Turnier gewinnen«. Deswegen gehen wir jetzt eine Runde Fußball Manager 2002 spielen. Bis denne!