Polen

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Senegal

Im Liveticker: Polen gegen Senegal

No Limit Top Dogg

Was wie ein Abba-Konzert begann, endete in einer wilden Snoop-Dogg-Party. Schwenkt die senegalesische Flagge und trägt sein Papa-Bouba-Diop-Trikot auf: der Ticker.

16:58 Uhr

Weiter geht's: Mit Polen gegen Senegal. Was uns, Kinder der Neunziger, natürlich an diese übergroße Mannschaft von der WM 2002 erinnert. Nein, nicht Rehmer, Wörns und Linke. Sondern Papa Bouba Diop und El Hadji Diouf. Die personifizierten Überraschungen. Öffnet nur jedes siebte Ei: der Ticker.

1.

Und los geht's hier in Moskau: Polen gegen Senegal, Lewandowski gegen Mané und auf der Trainerbank das Duell von Adam Nawalka, dessen Patronus vermutlich ein Versicherungsangesteller ist, gegen Aliou Cissé, der genug Coolness mitbringt, um einen gesamten Informatik-Studiengang ins Berghain reinzukriegen.

8.

Eckball für Senegal, mehr Körperkontakt im Sechzehner als morgens um 7.30 Uhr in der Straßenbahn. Ob es ähnlich riecht, können wir von hier aus nicht beurteilen.

12.

Mané mit einem ersten schönen Zuspiel hinter die polnische Viererkette, so schön gezogen wie der blonde Streifen auf seinem Kopf. Leider kommt am Ende nichts Sehenswertes dabei rum. Wie bei dem blonden Streifen auf seinem Kopf.

19.

Bisher überwiegend hohe Bälle von beiden Mannschaften, die dann allerdings postwendend von den Abwährschränken auf beiden Seiten zurückgeschickt werden. So viel geköpft wird sonst nur bei den Tudors.

26.

Der Legende nach wird Salif Sanés Körper nur durch die magische Kraft seiner Schweißbänder am Leben gehalten.

33.

Statt Mo Salah und Roberto Firmino neben sich zu haben, muss Sadio Mané hier mit Menschen namens Niang und Sarr vorliebnehmen. So fühlen sich derzeit Politiker weltweit, die nach acht Jahren Obama plötzlich mit einer schlecht frisierten Orange verhandeln müssen.

37.

Den polnischen Innenverteidiger Michal Pazdan kenne ich ja persönlich. Er hat mir nach einem Jugendturnier in Polen an der Grenze einen Schlagring und ein Springmesser verkauft, dessen Klinge sich beim dritten Öffnen in den Rücksitz des Mannschaftsbusses gebohrt hat. Schön, dass er seine kriminelle Vergangenheit hinter sich lassen konnte.

39.

»Der Gueye doch nicht!«, liegt einem beim eigentlich schwachen Schuss des Senegalesen schon auf den Lippen, doch dann flippert sich die Kugel über zwei polnische Spieler ihren Weg ins Netz - 1:0. Ein Tor wie mein Abitur: Nix zum Angeben, aber irgendwie durchgekommen.

40.

Die Wiederholung zeigt: Wenn Cionek nicht an den Ball gekommen wäre, dann hätte Szczesny den Ball locker gehabt. Ob ihn das erleichtern wird, wenn er es heute Abend in der Analyse erkennt? Oder ist es ihm auch beim zweiten Sen egal?

44.

Robert Lewandowski möchte sich einfach nicht mehr vorwerfen lassen, dass er nur gegen kleine Gegner liefern kann. Deswegen liefert er jetzt nicht einmal mehr gegen die.

45.+2

Aliou Cissé, der Mann mit der Mähne, macht Krallenbewegungen an der Seitenlinie und faucht wütend vor sich hin. Und das obwohl der Senegal hier 1:0 führt. Hat er denn die Lektion von seinen alten Kollegen vergessen? »Hakuna Matata, Aliou Cissé. Hakuna Matata.«

17:56 Uhr

Eins ist aber auch klar: Die Senegalesen sind derart robust, dass sich Arnold Schwarzenegger und Farid Bang schon für die Senegalé-Transformation eingeschrieben haben. 10% mit dem Hashtag #11lauchs.

18:01 Uhr

Holger Stanislwaski empfiehlt den Polen »wenig Kontakte« und fasst damit gleichzeitig das Motto meiner Jugend zusammen.

46.

Und weiter geht es in Moskau mit den zweiten 45 Minuten. Wir hoffen auf Besserung. Wäre die erste Halbzeit ein Kind, wäre der Pausenpfiff der richtige Zeitpunkt gewesen, um Katharina Saalfrank anzurufen. So unerträglich war das hier bisher.

50.

Salif Sané im Zweikampf gegen Robert Lewandowski, der einfach viel zu schnell für den senegalesischen Abwehrchef ist. Lewandowski fällt, Sané will nicht nur diskutieren, sondern die Szene im Detail zusammen mit Schiri Shukralla nachstellen. Wenn der jetzt nicht aufpasst, wird hier gleich noch ne ganze Staffel GZSZ abgedreht.

54.

So gut wie Sadio Mane das Spiel der Senegalesen organisiert, müsste wir ihm eigentlich den Prof. Dr. Dr. für Logistik überreichen.

56.

Kalidou Koulibaly und Salif Sané kümmern sich hier bisher so heldenhaft um Robert Lewandowski, dass wir gleich mit einem Cameoauftritt von Stan Lee rechnen. Nach Schlusspfiff dann dreinbleiben für den neuen Avengers-Trailer.

63.

2:0! Krychowiak mit einem Querschläger in Richtung eigenem Tor, Niang sprintet von der Seitenlinie aufs Feld und spitztelt den Ball am rauslaufenden Szczesny vorbei in die Maschen. Die Senegalesen düpieren hier zum zweiten Mal die polnische Hintermannschaft, die sich sicher war: »Der kommt Niang, der Ball«, kam er dann aber doch.

68.

Auf der Tribüne läuft schon der Hörer von Lewandowskis Berater Pini Zahavi heiß, der auslotet, wie schnell sich für seinen Klienten ein senegalesischer Pass besorgen lässt. Schließlich funktioniert Lewandowskis Karriere nach dem Motto: »If you can't beat them, join them«. Hala Madrid!

74.

Krychowiak mit einem Pass ins Seitenaus. Unbedrängt. Den Mann mit der Nummer 10 spielen zu lassen ist ungefähr so unpassend wie eine Regenbogenkrawatte am Hals von Wladimir Putin.

79.

Die Polen schieben sich den Ball im Mittelfeld hin und her und schauen sich dabei fragend an. Mehr Planlosigkeit strahlt aktuell nur die deutsche Bundesregierung aus.

79.

Ernsthaft: Lewandowski wird von Sane und Koulibaly derart abgemeldet, er wird für das nächste Gruppenspiel wahrscheinlich ein Überführungskennzeichen benötigen.

85.

Das zweite (grottige) Fußballspiel dieses Tages neigt sich langsam dem Ende entgegen und diese Vorrunde fühlt sich immer mehr an wie ein asiatisches All-You-Can-Eat-Buffet. Klingt eigentlich geil, aber verursacht irgendwann nur noch Übelkeit und Selbstekel. Wir schaufeln trotzdem munter weiter. Auf der Jagd nach dem nächsten Portugal - Spanien.

85.

Knifflige Szene im Strafraum, als Ismaila Sarr fällt. Doch der Pfiff bleibt aus, was danach folgt ist Rudelbildung. Und ein Schiedsrichter, der derart hoffnungslos verzweifelt wirkt, dass ihm irgendein Videoschiedsrichter endlich sagt, was er tun soll, dass er auch gleich als Testimonial beim Jamba-Sparabo durchginge: »Ruf mich an! Ruf mich auf mein Headset an!«

88.

Natürlich ein Standard, natürlich der eben noch gescholtene Krychowiak, der sich mit Wucht in den Kopfball schmeißt und zum Anschlusstreffer für die Polen einnickt! Geht hier noch was? Kommt ganz darauf an, wie viele Ecken und Freistöße die Senegalesen noch herschenken. Motto der Schlussphase: Foulen verboten!

90.+4

Die letzten langen Bälle prallen an der eisenharten Stirn von Salif Sané ab, der hier ein Riesenspiel auf den Rasen zaubert und Christian Heidel ein wohlig warmes Gefühl in die Magengrube zaubert.

90.+5

Und jetzt: Abpfiff. Damit gewinnt mit Abschluss der ersten Gruppenphase auch endlich eine afrikanische Mannschaft. Was toll ist und sicher im Teamhotel für eine große Party sorgen wird, schließlich, wenn ich das gerade richtig erkannt habe, tritt heute noch Snoop »Doggystyle« Dogg auf.