Nigeria

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Island

Im Liveticker: Nigeria gegen Island

Musa so? Ja, das muss so.

Island hört ein Höh?!. Gegen Nigerianer, die sich nach der Pause steigern, spielen die Isländer wie ein ratloser Apotheker: finden kein Mittel. Ist schon seit Tagen krank: der Ticker. 

16:54 Uhr

Freunde, kurz vor Anpfiff dieses Klassikers zwischen Nigeria und Island ist Diskussionskultur in die Redaktion gekommen. Sind Nigerias Trikots wirklich cool? Und wen nervt Island eigentlich nicht? Es flogen Türen, es flossen Tränen, aber mittlerweile habe ich mich wieder beruhigt. Sendet live vom Puls der Zeit: der Ticker

16:58 Uhr

These: Island ist unter Fußballfans wie das Levi‘s-Shirt unter den Pubertierenden. War mal cool, jetzt hat es jeder. Auf der anderen Seite: habe gestern eine Abwandlung dieses »Designs« gesehen, auf dem „Peni‘s« stand. Könnte also alles schlimmer. 

1.

Die Unterhose unter den Spielzügen: der Anstoß. Immerhin überraschend sauber.

3.

Rurik Gislasson, der isländische Beau für südamerikanische Frauen, am Ball. Gewinnt pro Ballkontakt 1.000 Instagramfollower hinzu. Aber warum auch nicht, wenn man bedenkt, was man da angeblich verdienen kann. Guter Stundenlohn.

5.

Starker Pass von dem personifizierten Nihilismus Hallervordens: Ndidi.

9.

Erst »Hu!«, jetzt LaOla-Welle: Sind sich diese Fans denn für nichts zu schade?

13.

Moses am Ball, teilt die isländische Verteidigungslinie. Biblisch.

15.

Aber im Ernst. Sollte Island hier gewinnen, hätten sie vier Punkte und könnten gegen den Kroatien den besten Nicht-Angriffspakt seit Trumps Besuch in Singapur bilden.

17.

Oder, für die politisch Deinteressierten unter euch, sie würden gemeinsam:

20.

Wenn Nigerias Torwart Uzoho noch eine Flanke derart wegwischt, wird er nach der WM wochenlang nicht nach Hause kommen können, weil er bei Oma erst einmal die Regale in drei Meter Höhe sauber machen muss.

25.

25 Minuten gespielt und bisher könnte man beiden Mannschaften das Zeugnis weiterreichen, das mir meine Ex-Freundin ausstellte, als sie sich von mir trennte: »Er hat sich stets bemüht.« Dann noch ein Klaps auf die Schulter, Sekt und Kaviar stehen eben woanders.

27.

Zugegeben, ich bin in der Redaktion nicht gerade für Pünktlichkeit bekannt, dass mich aber seit WM-Beginn die Werbebande fragt: »Wanda?«, halte ich doch für etwas frech.

30.

Oghenekaro Etebo mit einem Freistoß aus 30 Metern, eigentlich eine schicke Position. Doch der Schuss-Halbfeldflanken-Mischversuch findet niemanden, segelt ohne weitere Berührung ins Toraus auf ein Schild zu, auf dem steht: »McDelivery«. Dabei tritt Nigeria bei der WM bisher auf wie ein Lieferdienst an Silvester: kommt erst nach Party.

34.

Hördur Magnússon steht mit dem Ball in den Händen an der gegnerischen Eckfahne, wirft das Gerät mit Tempo lang in den Sechzehner. Ein Geschoss, eine Rakete, mindestens. Man mag sich kaum vorstellen, was passiert wäre, wenn er vorher noch einen Salto vorwärts eingelegt hätte. Wirklich nicht.

37.

Das Spiel der Nigerianer wie ein Pax-Schrank beim Einladen in einen Fiat Punto: Es passt vorne und hinten nicht.

39.

Was die Kameras gerade nicht zeigten: Im Sechzehner versuchte Neymar gerade einen Elfmeter zu schinden.

41.

Angeblich sollen ja die Trikots der nigerianischen Mannschaft ausverkauft sein. Wer noch eins sehen möchte: Kevin Kuranyi trägt es täglich.

43.

Ganz ehrlich: Bei so viel Platz, den Rechtsverteidiger Birkir Már Saevarsson hat, sollte er nach der Halbzeit einen Rasenmäher mitbringen und die russischen Greenkeeper entlasten.

45.

Und der nächste isländische Standard, den die Vordermannschaft nicht in Tore ummünzt. Ganz ehrlich, noch zwei verpasste Chancen und Donald Trump erhebt Strafzölle drauf.

17:48 Uhr

Schiedsrichter Conger pfeift zur Pause. Nigeria bildet einen Mannschaftskreis, haben wahrscheinlich gar nicht mitbekommen, dass die 1. Halbzeit schon gespielt wurde.

17:55 Uhr

Das Spiel so arm an Highlights, dass das ZDF spontan eine Folge »Bergdoktor« zeigt. Aus Sotschi. Es soll um ausgerenkte Wirbel gehen. Spannend.

17:59 Uhr

Christoph Kramer gerade sinngemäß, dass er ja sowieso nicht im ZDF-Studio stehen würde, wenn die Verletzung im Finale nicht gewesen wäre. Mein Gott, der Mann ist so entwaffnend ehrlich, ein Lügendetektor würde ihm wahrscheinlich unter Tränen seine Kindheitsgeschichte erzählen.

46.

Wer »H« sagt, muss auch »u« sagen. Der Wiederanpfiff.

48.

Wow, die Nigerianer kommen hier gerade mit mehr Sachen aus der Kabine als eine Kaufsüchtige mit unbegrenztem Kredit.

49.

Und dann ist das Tor auch schon gefallen. Weil Ahmed Musa eine Flanke perfekt annimmt und per Dropkick in die Maschen haut. Ein Tor, so wunderschön verarbeitet, dass ihn schon eine Delegation von Kuckucksuhrmachern aus dem Erzgebirge für ein Fortbildungsseminar gebucht hat.

51.

Ragnar Sigurdsson liegt blutend auf dem Boden. Wenn er weiterspielen kann, bräuchte er auf jeden Fall ein neues Trikots. »Kein Problem«, meint Schneider. Andersrum wäre das wohl nicht so leicht gewesen.

54.

Stilles Zeichen des Protests: Sigurdsson mit pinkem Turban in Wolgograd.

55.

Auf der anderen Seite: Wie geil wäre ein Regenbogenturban?

55.

Auf der anderen Seite: Wie geil wäre ein Regenbogenturban?

60.

Ragnar Sigurdsson muss den Platz verlassen, ist wohl doch benommen vom Zusammenstoß. Viel schlimmer für ihn: Bei der nächsten WM muss er, wenn die Naturgesetze noch gelten, in einem stickigen TV-Studio in Reykjavík sitzen.

65.

Das Spiel ist insgesamt aber deutlich besser geworden. Musas Tor damit der beste Türöffner seit Alohomora.

69.

Einige befürchten ja, dass Rurik Gislason durch die breite Öffentlichkeit eingeschüchtert werden könnte. Aber ganz ehrlich, der Mann spielt in Sandhausen, was soll ihm da eine Weltbühne anhaben?

72.

Was.für.eine.Bude! Ahmed Musa läuft einfach mal los, läuft allen weg und läuft dann auch noch zur Seite. Steht am Ende alleine am Elfmeterpunkt, Torwart Halldorson ist schon geschlagen und Musa trifft. Und wir glauben derweil an die Wiedergeburt, glauben an Jay-Jay-Okocha, der gar nicht tot ist. Aber egal. Lang lebe der König!

74.

Womit auch klar ist: Der Ausrüster wollte mit dem Trikot den Geist von 1994 beleben. Und das hat er geschafft.

79.

Und jetzt wird Finnbogason im Sechzehner gefällt. War es Elfmeter? War es keiner? Kapitän Gunnarsson läuft zum Schiedsrichter, macht die elendige »Hör-auf-deine-Ohrstöpsel«-Geste. Nur eine Frage der Zeit, bis Beats daraus einen Werbespot macht.

81.

Aber tatsächlich: Es gibt Elfmeter. Die Szene der WM bis dato: Wie Schiedsrichter an der Mittellinie zum Punkt zeigen.

82.

Und Sigurdsson, der ohne Turban... verschießt! Semmelt ihn einfach über die Latte. Hätte mal der andere Sigurdsson geschossen, er hätte ja wenigstens eine Ausrede gehabt. Aber der muss den Elfmeter wahrscheinlich nach Spielschluss schon als TV-Experte analysieren. Football, bloody hell.

83.

Aufregung auf der nigerianischen Bank.
»Gernot, willst du was verändern?«
»Och, ist mir eigentlich ighalo.«
»Schiri?! Wir wechseln.«

88.

Noch fünf Minuten bis aus dem »Hu!« ein »Hö?!« wird.

90.

Womit man als Bundesligazuschauer ja auch nicht ganz zurecht kommt: Diese seltsamen Zahlen auf der Nachspielzeituhr des 4. Offiziellen.

90.+2

Oh, hören Sie das? Das ist der Jubel aus dem argentinischen Mannschaftshotel.

90+5

Philosophische Frage am frühen Abend: To be or I wo bi?

90.+6

Schiedsrichter Conger pfeift ab. Island benötigt gegen Kroatien jetzt einen Sieg, wahrscheinlich sogar einen hohen Sieg. Bitter jetzt für Mannschaft: Sie muss sich Sekunden nach dem Abpfiff vor der Gesamtbevölkerung verantworten.