Kroatien

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Dänemark

Im Liveticker: Kroatien gegen Dänemark

Schmeichelhafter Sieg

Drei gehaltene Elfmeter waren nicht genug: der dänische Keeper Kaspar Schmeichel sprang aus dem langen Schatten seines Vaters, aber ein Eis-fischender Subasic fing trotzdem das Viertelfinale für die Kroaten. Auf der Suche nach seinen Fingernägeln: der Ticker.

11FREUNDE/Imago

19:48 Uhr

Freunde, kurz Kippchen geraucht und neues Dosenbier besorgt? Zweites Achtelfinale heute: Kroatien gegen Dänemark. Ein richtig schönes Uefa-Cup-Duell. Könnte gut werden. Prosit!

19:51 Uhr

Wie es wohl in Oliver Kahns Mundraum aussieht, wenn sein Rachen dieses "Jjjaaa..." rauspresst? Ob er auch so spricht, wenn er im normalen Alltag unterwegs ist? "Jjjaaa, ich hätte gerne die große Voltaren, bitte." "Jjjaaa, du musst dich in Mathe mehr anstrengen, mein Sohn." "Jjjaaa, ich hätte gerne einen Druck er."

19:53 Uhr

Kroatien wird hier schon als "nicht mehr ganz so geheimer Geheimfavorit" gelobt. Ein Lob, wie verschimmelte Milch. Noch nie ein hat nicht mehr ganz so geheimer Geheimfavorit irgendwo irgendwas gerissen, das ist ungeschriebenes Gesetz. Doch dann blicke ich in das kleine entschlossene Gesicht von Luka Modric. Wie Feivel der Mausewanderer auf dem Weg an die Front. Den Typen würde ich aktuell in jede Weltelf stecken.

19:55 Uhr

Ivan Perisic. Ist mir in Erinnerung als eine Art moderner Olaf Marschall geblieben, optisch und fußballerisch. Ist das da ein Nasenpflaster?

19:57 Uhr

Derweil ich mich neulich in Dänemark verliebt habe, als ich Best of-Videos von Michael Laudrup sah. Und dem Danish Dynamite bei der WM 86. Unglaubliche Truppe. Und später dann Schmeichel, Big Macs, 92, alle deutschen Fans über 30 werden das leider nicht vergessen und auf ewig John Jensen hassen. Mit seinem scheiß Minipli. Trotzdem auch eine unglaubliche Truppe. Dagegen wirken die Dänen der Gegenwart etwas gesichtslos. Vielleicht ändert sich das ja heute. Michael Laudrup würde ich es wünschen.

20 Uhr

Nun also, nächstes Achtelfinale. Deutschland noch immer draußen, es ist nicht zu fassen.

1.

Anstøß. Skål.

2.

Waaaaaaaaaas?! Weiter Einwurf von Dänemark, der Ball fliegt weit in den kroatischen Strafraum. Delaney wühlt in der Gegend rum und bringt den Ball irgendwie zu Jørgensen, der den Ball irgendwie reinstochert. Ein Tor, so hässlich, dass Kroaten schon jetzt nie mehr von Freddie Krüger albträumen müssen. TOOOOOOOOOR! 1:0 für Dänemark.

4.

Kroatien schüttelt sich kurz. Wie der Schulhofschläger, den eine schnelle Backpfeife vollkommen aus dem Konzept gebracht hat. Dann stellt Mandzukic den dänischen Frechdachs im Strafraum und poliert mit ihm die Wände. Die Dänen, die sich zwei Minuten lang nach dem Abpfiff gesehnt haben, bekommen postwendend heftige Dresche. 1:1. WAS zum Teufel ist hier eigentlich los?

7.

Beide Tore übrigens nach schönen Strafraumknäueln. Hach, was für eine Aufregung. Das wir das noch erleben dürfen. Zuviel für mein schwaches Herz. Von mir aus könnten wir uns jetzt gerne auf ein Unentschieden einigen. Die Dänen hätten sicher nichts dagegen, direkt zum Elfmeterschießen zu skippen. Dänemark nicht mehr.

9.

Knudsen mit dem nächsten weiten dänischen Einwurf. Rubbelt den Ball trocken als wäre es der Schopf eines Mitschülers in der großen Pause. Und schmeißt ihn dann zum Klassenfenster raus. Immerhin passiert seinem Mitschüler nichts. Der Ball landet am Elfmeterpunkt wird aber problemlos rausgeköpft. Wehe, jemand petzt.

11.

Jørgensen føult Rebic an der Strafraumkante. Nächstes Tør?

12.

Perisic schießt die Stirn von Thomas Delaney an. Das tut sicher weh. Dem Ball.

14.

Alter. Die Kombinationen der Kroaten sehen gut aus. Rakitiv spielt lockere 40-Meter-Pässe an die Seite. Modric ergänzt mit tödlichen Pässen in die Tiefe. Doch die Flanke von der Grundlinie kommt nicht an. Dennoch, das ist schon ein ganz nettes Mittelfeldchen, das Kroatien da auftischt. Schon hat Modric das nächste starke Dribbling. Aber zieht nochmal zurück. Dänemark hat trotzdem gezuckt.

16.

Nächste Großaufnahme Modric. Heute kein Body-Shaming gegen Luca Modric bitte. Das instrumentalisiert sonst nur wieder die AfD. Und die sind ja bekanntlich schon vor der EM 2016 aus Fußball rausgeflogen.

18.

Himmelherrschaftszeiten, was war das für ein Beginn? Als würde man zur Stehparty kommen, mit dem Plan, erstmal an die Theke zu gehen, nur um schon fünf Minuten später Sirtaki mit den Gastgebern zu Tanzen und anschließend den DJ in den Pool zu werfen, während im Hintergrund einer zu früh das Feuerwerk entzündet hat. Jetzt gerade etwas Ruhe. Erstmal an die Theke.

20.

Und da sitzt Josip Simunic und erzählt von früher. Von seinen schönsten Pressschlägen und wie man eine Flasche Wein mit der Fluggrätsche öffnen kann. Herr Ober, noch einen für meinen neuen Freund und mich!

21.

Herrlich, Mario Mandzukic im intensiven Dialog mit Gegenspielern und Schiedsrichtern zu sehen. Den Typen könntest Du morgen früh problemlos auf die Theaterbühne stellen, er würde die Kritiker begeistern.

22.

Schöne Wörter von Kommentatoren, lange nicht gehört (1): Tempoverschärfung.

24.

Vielleicht ja mal mit einer Ecke, denkt sich Dänemark, spielt den Ball kurz und schießt dann beim zweiten Versuch einen Kroaten ab. Warum gut, wenn man es auch scheiße machen kann.

26.

Hektisch suchen Luka Modric und Ivan Rakitic nach dem roten Faden. Aktuell ein Mittelfeldgehacke wie in der Kreisklasse. Draußen zündet sich Zlatko Dadic eine Kippe an, hustet in seine Ballonseide und schickt einen A-Jugendlchen zum warm laufen. Hinter der Bande betrinken sich drei Rentner und schimpfen auf die gegnerische Nummer 10.

27.

Na also. Vernünftiger Angriff der Dänen, Martin Braithwaite wird im Strafraum steil geschickt, doch sein Versuch, den Ball ins Tor nicht etwa zu schießen, sondern zu grätschen, misslingt. Im fernen Bremen lacht Dieter Eilts höhnisch auf und grätscht den Rasen.

29.

Die Party drohte schon in einem stumpfen Besäufnis zu enden, da findet irgendwer die zweite Luft und prompt befinden wir uns wieder in einer Polonaise. Kroatien gleich dreimal mit dem Torversuch, doch es bleibt beim 1:1. Bis hinter Wuppertal!

31.

Angriff Dänemark, gestoppt vom one and only Domagoj Vida, dem Geisterbahngesicht dieser WM.

33.

Hoher Ball, Rebic steigt hoch. Ante up.

35,

Kaspar Schmeichel etwas wackelig gerade im Strafraum. Plötzlich stürmt Peter auf den Platz. Ruft: »Jetzt lass Papa mal machen.« Dann das hier:

37.

Die gesamte Kurve hält übrigens gerade ihr Smartphone in die Luft und hat die Taschenlampen-App an. Nenn mich altmodisch, aber mir ist ja das gute, alte Blitzlichtgewitter der Einweg-Kameras und ein WM-Sieg 1990 lieber.

39.

Nach einem Foul an Rebic streicht Luca Modric sich die Haare zurecht. Nizhni Novgorod, 20:38 Uhr, die Frisur sitzt nicht. Die Flanke allerdings schon. Lovren segelt knapp vorbei und streicht nur Zentimeter am dänischen Tor vorbei. Das geht durch Dänemark und Bein.

42.

Delaney bolzt einen 20-Millionen-Pass sinnlos nach vorne. Hat vor lauter Geldscheinen wohl die Übersicht verloren. Plötzlich klingelt das goldene Iphone. Abdou Diallo ist dran: »Bist du zufrieden mit deiner Haifischlederbezügen auf deiner Yacht? Kannst du mir die Nummer von deinem Händler geben?« Binnenschiffen dann zusammen nach Dortmund ein.

45.

Tempo ist ein bisschen raus, wollte ich gerade schreiben. Rakitic gibt eher wenig auf meine Meinung und schießt wütend auf Schmeichels Tor. Der mit einer schmeichelhaften Parade. Natürlich.

46.

Halbzeit. Wir vertreiben sie uns damit, über Wortspiele mit dem Social-Media-Hashtag #CRODEN nachzudenken. Entdecken dann enttäuscht, dass das beste Wortspiel dazu bereits gemacht wurde. Autsch.

Halbzeit, 20:49 Uhr

Breaking News: Die CSU ist immer noch scheiße. Seit wann sind alte Gewissheiten eigentlich Breaking News? Ohne bayerische Minderwertigkeitskomplexe machen wir erstmal Pause. So viel Horstigkeit ist schwer zu ertragen. Machen lieber was besseres die nächsten 15 Minuten und schlagen unseren Kopf gegen eine Wand.

46.

Weiter geht´s. Kamen uns in der 1. Halbzeit vor wie in einem Blockbuster, wo gleich am Anfang alles in die Luft fliegt und der Held auf einem Motorrad im Pariser Feierabendverkehr vor Bösewichten in aufgetunten LKWs flieht, während der Fahrt die Liebe seines Lebens kennenlernt und einen Geheimdienst-Komplott aufdeckt. Danach nur noch stinklangweile Dialoge und die übliche Liebesgeschichte. Gähn. Und jetzt alles: WIR HAM BEZAHLT, WIR WOLLN WAS SEHN!

48.

Ante Rebic wird über die Außenlinie gecheckt. Ob er ihm Flug darüber nachdenkt, ob er bei der Eintracht bleibt? Einfach so, egal, welche Angebote ihm sie woanders machen? Einfach, weil er eh genug Kohle hat und mit Frankfurt im Europapokal Vollgas geben möchte, um sich danach unter die 25.000 Auswärtsfans in Mailand zu mischen und eine Runde nach der nächsten zu schmeißen? Gibt er uns den Fußball zurück, den wir irgendwann in den Nuller Jahren verloren haben? Danke, Ante.

51.

Mit viel Vorstellungskraft spielen die Kroaten auch im Trikot der Eintracht. Jetzt am Ball: der ewige Charly Körbelic. Uwe Bindewald macht hinten dicht, Uwe Bein ermordert jemanden mit einem Pass.

54.

Für solche Phasen eines Spiels, sollte die Fifa gemütliche Schlafkabinen zur Verfügung stellen. Drinnen die Stimme von Sepp Blatter aus den Lautsprechern, ein Best-of seiner feistesten Lügen. Ich träume von Davor Suker und wie er mich 1996 nach seinem Tor gegen Köpke durch die Kameras siegessicher angrinst. Schlimm war das.

57.

Für solche Situationen hat der Fußball-Gott einst das Tor aus dem Nichts erfunden. Einen Tag später kam Gerd Müller zur Welt.

59.

Kasper Schmeichel im Tor der Dänen. Wer geglaubt hatte, dass es nie wieder einen rotgesichtigeren Keeper als seinen Papa Peter geben würde, wurde eines Besseren belehrt. Der ganze Typ eine Mischung aus Timo Horn und Paul Phoenix.

61.

Von wegen Danish Dynamite. Bislang in dieser Hälfte mehr Danish Wunderkerze (nass).

64.

Dann plötzlich setzt Delaney zu der dänischen Version des Jahrhundertsolos an. Läuft immerhin 50 Meter bis zur Grundlinie und bolzt den Ball dann im Fallen gegen ein kroatisches Schienbein. Brüllt den Boden an. Und Maradona spürt ein komisches Jucken im Fuß. Verdammtes Kokain.

67.

Kaspar Schmeichel will es jetzt allen zeigen. Schlägt eine hohe Flanke mit nur einer Faust vierzig Meter weiter ins Aus. Schreit dann: »Siehst du das, Vater! Siehst du das?! Hä!« Ist ja gut, mein Junge.

69.

Ante Rebic eher so laiendarsteller. Schmeißt sich auf den Ball und hält ihn fest, nachdem ihn ein Däne angehaucht hat. Aber wer weiß, vielleicht hatte der auch vorher die gute dänische Zwiebelremoulade gegessen. Foul. So oder so.

71.

Ivica Olic steht an der Seitenlinie. Sieht kurz so aus, als wenn er sich selbst einwechseln will. Und plötzlich haben HSV-Fans das erste Mal seit Wochen wieder gute Laune. Willkommen zur WM!

73.

Plötzlich eine Chance. Poulsen auf einen unfähigen Kollegen, der leider offenbar nur Kullerschüsse kann. Immerhin eine echte Torchance. Nein! Doch! Ooh!

75.

Nächster Kullerball der Dänen in Richtung kroatisches Tor. Die beiden Torschüsse waren in etwa so hart, wie das alljährliche Tannenbaumkegeln der Ü90-Senioren. Eriksen pudelt den Ball ins Toraus. Verzieht mehr als der frühe Erfolg von Macaulay Culkin.

77.

Stig Töfting hatte übrigens unter der Woche Dänemark vorgeworfen unter einem »Messi-Syndrom« zu leiden. Man vertraue wie Argentinien nur auf eine Person. Der dänische Messi sei Christian Eriksen. Abgesehen davon, dass ich mich auch gerne mit dieser Krankheit infizierte und anschließend mein Comeback mit einem Dreierpack in der Bunte Liga feiern würde, sieht das hier bei Dänemark hier eher nach Stig-Töfting-Syndrom aus. Eingeschlossen in Beton.

77.

Luca modritscht den Ball aus der Distanz daneben, nachdem sich Stig-Töfting-große Lücken in der dänischen Defensive auftun.

78.

Trinkt seinen Kaffee mit ein bisschen Šuker: Ante Rebic. Sein Schuss dann aber nur direkt auf das Milchgesicht von Schmeichel.

80.

Gestern Frankreich, Argentinien, Uruguay und Portugal. Heute erst 120 Minuten Ödnis zwischen Russland und Spanien, jetzt dieser Kick hier. Man reiche mir eine Spritze voller Adrenalin oder verabreiche mir eine Ohrfeige, schwer, hier wach zu bleiben. Die letzten 76 Minuten zeigen ab sofort kroatische und dänische Eltern ihren Kindern zum Einschlafen.

83.

Wir nähern uns der Verlängerung. Das kann niemand gewollt haben. Einen starken Kaffee, bitteschön Mit Milch und Suker.

84.

Perisic mit etwas, von dem ich mir nicht traue zu schreiben, es sei eine Chance gewesen. Nennen wir es Versuch und hoffen weiter.

86.

Vollspannversuch Kroatien, Poulsen wirft sich mit der vielleicht wichtigsten Grätsche seiner bisherigen Länderspielkarriere in den Ball, Ecke. Die nichts einbringt. Aber von dieser Grätsche lass ich mir ein Wandtattoo erstellen.

89.

Wie auf dem feuchtfröhlichen Jahrestreffen der Henkervereinigung: ein Hängen und Würgen. Die Verlängerung naht und die wirkt bedrohlich. 30 Minuten noch mehr Langeweile. Und Gianni Infantinoi denkt vielleicht daran wie geil das war, als er einfach nur Bälle aus Lostöpfen holen musste.

90.+2.

Drei Minuten Nachspielzeit. Komm, Schiri, pfeif ab. Ein Trauerspiel. Bald verfilmt mit Heiner Lauterbach als gefühligen Ivan Rakitic und Iris Berben als Yussuf Poulsen.

Ende der regulären Spielzeit

Und am Horizont winkt schon das Elfmeterschießen. Lothar Matthäus bricht spontan die Sohle.

90., Anpfiff Verlängerung

Es geht weiter. Gähn. »Viel wird über den Kopf entschieden«, sagt Martin Schneider und spielt damit zweifelsohne auf den Unionsstreit an, während Horst Seehofer in Wilbad Kreuth mit dem Kopf an einer Wand zerschellt. Am Tegernsee müsste man jetzt sein, bei einer warmen Milch mit Philipp Lahm. Dann könnte man in der verlorenen Zeit wenigsten ein paar Wollpullover für seine TV-Auftritte stricken.

92.

Knudsen mal wieder mit einem weiten Einwurf. Sollte bei so vielen nutzlosen Kollegen vielleicht mal selbst und direkt auf's Tor werfen. Und irgendwo schweigt Jean-Marie Pfaff den Fernseher an, während leise eine Träne über seine Wange läuft.

95.

Knudsen jetzt wie der Hansdampf in allen Gassen. Dribbelt, ja mit dem Fuß wieso, in den Strafraum und wird fast von Rebic gefoult, der mit einer seltendämlichen Aktion dazwischen grätscht. Aber Knudsen, ganz ehrliche Außenverteidiger-Kante, lässt sich nicht fallen. Dafür könnte ihn jeder Kroate gerade knudsen.

98.

Knudsen ist überhaupt ein schöner Verteidigername. Klingt ein bisschen nach Knuffen, tausend Stecknadeln oder Fingerkloppe. Klein-Luca weint in der Kita. Rennt zur Erzieherin. Sagt: »Hey, der Jonas hat mir schon wieder einen Knudsen verpasst.« Na warte, kleiner Frechdachs, das wird alles angesprochen beim nächsten Entwicklungsgespräch. Und dann gibt's von Jonas Papa zuhause einen dicken Knudsen.

102.

So langweilig das für uns auch ist: Für die Dänen dürfte dieses Spiel in etwa so geil sein, als wenn die EM 1992 im Legoland nachgebaut werden würde und jeder mal beim Durchgehen John Jensen einen zärtlichen Knudser verpassen dürfte.

104.

Ecke Kroatien. Bringt nic.

105., Halbzeit Verlängerung

Abpfiff. Es sieht hier tatsächlich nach 120 Minuten Würgen aus. Oder wie Bulimiker sagen: Fünf-Gänge-Menü. Warten Sie, liebe Fans, ich wecke kurz den Kollegen für die zweite Hälfte Verlängerung auf.

106.

Ein Spiel wie Mathe-Unterreicht in der 7. Stunde. Irgendwie versuchen wach zu bleiben, in Gedanken versunken über die Unnötigkeit des Seins. Wenn dieses Match ein Schüler wäre, würden wir ihn mit Schimpf und Schande nach Hause schicken und morgen die Luft auf seinem Fahrrad lassen.

108.

Mandzukic wird ausgewechselt. Schleppt sich so zäh vom Platz, wie dieses ganze Spiel ist. Der Mann hat im Champions League-Finale ein Fallrückziehertor erzielt, muss er sich so was wie das hier geben?

110.

Nur noch fünf Minuten bis zum Elfmeterschießen. Durchhalten, das packen wir auch noch.

112.

Jetzt Gehacke im Mittelfeld. Und irgendwo auf der Tribüne fängt ein Ewig-Gestriger mit "Oh, mir tun die Augen weh" an. Kommentar vom Ticker: das war super, das war elegant.

114.

REBIC!!! Rennt alleine auf Kasper Schmeichel zu, Übersteiger, vorbei!, Konsolengrätsche von Jörgensen, ELFMETER! Und endlich, endlich ist hier doch was los, Danke, lieber Fußball-Gott. Luka Modric greift sich den Ball, macht Beatrix von Storch jetzt den Sack zu? GEHALTEN!!! Schmeichel wirft sich auf den Flachschuss, begräbt ihn unter sich und gibt ihn nie wieder her. Papa Peter denkt auf der Tribüne an 99 und die Bayern und greift sich ans Herz. Weiter 1:1!

118.

Das 1:1 von nun an doch sehr schmeichelhaft.

119.

Dänemark jetzt im Proktologenmodus: alle hinten drin. Wann gibt es Entwarnung?

Abpfiff

Elfmeterschießen. Hört das denn niemals auf? Kroaten und Dänen bitten zur großen Lottoziehung des Fußballs. Franziska Reichenbacher mit der Beckerfaust.

22:35 Uhr

Und erlöse uns von dem Bösen. Elfmeterschießen also. Kleine Entschädigung für fast 120 Minuten Räudigkeit. Wehe, wenn jetzt kein Panenka dabei ist.

22:38 Uhr

Erster Schütze ist ein Däne, Christian Eriksen. GEHALTEN! Subasic fingert den Ball an den Pfosten. Jetzt Milan Badelj. GEHALTEN! Schmeichel wird hier zum Helden.

22:40 Uhr

Dänemark: Tor. Kroatien: Tor. Dänemark: drin. Kroatien: Bude. Luka Modric mit ganz dicken Hoden. Oliver Kahn nickt grimmig.

22:43 Uhr

Schöne: VERSCHIESST!! Viertel Elfer für Kroatien, Pivaric heißt der Mann. Was macht Schmeichel? HÄLT DEN BALL! Seinen Dritten! Was ein Typ. Was verabschiedet sich denn da gerade? Ach so, es ist nur der lange Schatten seines Vaters.

22:45 Uhr

Dänemark verschießt schon wieder. Was ist nur los mit euch, Freunde? Subasic auch so ein Killer. Jetzt kann Rakitic eine Schleife ums Paket schnüren. Rakitic...TOOOOR!!!! KROATIEN STEHT IM ACHTELFINALE!!

22:50 Uhr

Puh, Freunde, das war hartes Brot. Aber wir haben es gekaut und mit Dosenbier nachgespült. Kasper Schmeichel hält drei Elfmeter und Dänemark scheitert doch. Am Ende mal wieder ein Drama, das die 120 Minuten zuvor ein wenig vergessen lässt. Schönen Abend euch allen!