Kolumbien

5
4

England

Im Liveticker: Kolumbien-England

Jetzt Kane alles passieren

Nach einem absoluten Horror-Kick mit acht Karten und zero Spielfreude bricht England seinen Elfmeter-Fluch und krampft sich ins Viertelfinale. Verbrennt entgültig seine »Three Lions«-Voodoopuppe: der Ticker.

19:44 Uhr

Liebe Freunde, welcome zum letzten Rest von Schützenfest also known as Achtelfinale Nr. 8. England und Kolumbien machen gleich unter sich aus, wer im Viertelfinale gegen das mächtige Schweden untergehen wird. Streicheln gemeinsam den Carlos-Valderrama-Wackeldackel: wir, Alex »Schneenase« Raack und Niclas »Toothless« Seydack.

19:47 Uhr

Zuletzt trafen Kolumbien und England übrigens bei der WM 1998 aufeinander. Damals war Kohl noch Kanzler, es gab noch kein Internet, ich hatte meine aktive Karriere schon in der D-Jugend beendet – und Trent Alexander-Arnold war noch nicht einmal geboren. Da fällt uns nur eins ein: Alter!

19:51 Uhr

Bei den Sportschau-Vorberichten wurde Rooney-Nachfolger Harry Kane eben noch gelobt, keinen Alkohol zu trinken. Na wow. Und bei den Kollegen von Bild.de klären sie auf: »So tickt der Anti-Rooney«. Klicke ich aber nicht drauf, weil ich es gar nicht wissen will.

19:55 Uhr

Kolumbiens Hymne hat so einen »Der Zirkus ist in der Stadt«-Vibe, dass man sich nicht wundern würde, wenn Radamel Falcao gleich als Messerwerfer auftreten würde.

19:57 Uhr

Hymne England, Schnitt auf Gareth Southgate. Der wieder in seiner grandiosen Duke of Irgendwas-Weste. In dem Style könnte er auch aus einem Porsche Panamera steigen, ein unterkühltes High-Performer-Lächeln lächeln und über den »Eure Armut kotzt mich an«-Heckaufkleber streicheln. Das passiert wohl, wenn man sich größtenteils in der reichsten Liga der Welt bedient.

19:58 Uhr

Kolumbien heute mit drei Sechsern. Die gesamte Verlosung: Ospina, Arias, Yerry Mina, Sanchez I, Mojica, Jefferson Lerma, Barrios, Sanchez II, Cuadrado, Quintero und die Superzahl Falcao.

1.

Kolumbien gegen England, und bitteschön! Deutschland ist noch immer ausgeschieden.

2.

Harry Kane, Englands neuer Gott. Sieht aus wie ein Stehparty-Gastgeber, der im extravaganten Sakko (knallig) immer wieder ruft: "Ihr MÜSST den Krabbensalat probieren!" Hat aber sechsmal aufs Tor geschossen und fünfmal getroffen. Wilhelm Tell hätte gerne noch ein Glas Sekt.

4.

"Kolumbianische Fans deutlich in der Überzahl." Für mich immer noch das Erstaunlichste dieser WM: wo sind all die Kanten hin? Gab fast 3000 Einreiseverbote, ok, aber die fuhren früher alle in einem Reisebus nach Italien, Frankreich oder Südkorea. Enttäuscht steche ich mir selbst ein paar Tränen unter die Augen.

6.

Was ich gerne im nächsten Leben machen würde: So schnell wie Raheem Sterling sein und immer wieder steil geschickt werden. Ich schwöre, ich würde selbst den Gang zum Briefkasten im Vollsprint hinlegen. Vielleicht ist der liebe Fußball-Gott gnädig und schenkt mir dazu die Optik von Tony Adams. Der schnellste Totschläger der Welt.

8.

Trippier klärt den Ball. Und der tickert muss sich ganz plötzlich heftig im Schritt kratzen.

9.

Bekomme gerade die Meldung, dass unser früherer Mitarbeiter und inzwischen geschätzter Kollege eines anderen Mediums im Stadion ist. Lieber Herr Scheler: Schöne Grüße von hier und bring was mit! Vielleicht das Kreuz von Falcao.

11.

Englische Nationalspieler, die fast wie frühere TV-Widerparts von Günter Netzer heißen: Dele Alli. Bekommt er jetzt den Grimme-Preis?

14.

Beste Szene eben: Yerry Mina im Zweikampf mit dem etwa ein Lineal kleineren Sterling, legt sich einfach auf dessen Rücken und wird vom Engländer einmal im Kreis getragen. Hübsch. Sogar Steffen Simon muss kurz lachen und klingt dabei wie eine eingerostete Kalashnikov. Trotzdem schön zu wissen, dass der Mann Freude empfinden kann.

16.

Erste beste Chance des Spiels. Schön vom Stapel gelassen von Trippier, aber die »Harry Kane« gerät in Schieflage und kann die Fracht nicht ordnungsgemäß abliefern.

19.

Irgendwann möchte ich mal eine Kneipenschlägerei mit John Stones anfangen. Und mich dann hinter den per Blutgrätsche einfliegenden Falcao und Terry Mina verstecken. Ätschbätsch.

22.

Ashley Young, so sagt es Steffen Simon, sei mit 32 Jahren der älteste Engländer. Da haben sich die Queen, die gesamte Crew von Monty Python und Paul Gascoigne aber ganzganzganz schlecht gehalten.

23.

Uff, mit dem Gag eben könnten wir uns auch als Witzschreiber für Fips Asmussen bewerben. Und dann so richtig Sportschau-Vatti-mäßig kalauern, dass die Engländer (pruuust) einfach... wirklich keine… (hahahah) Elfmeter schießen können!! Fast schon wieder eine schöne Vorstellung.

26.

Seit ich den Stream des Spiels auf 120%-Abspielgeschwindigkeit laufen lassen, wirkt es fast wie ein richtiges Fußballspiel.

27.

Ashley Young hebt vor dem Freistoß beide Hände Richtung Himmel, als wolle er sich prophylaktisch für das Kommende entschuldigen. Zurecht, wenn man sie die Flanke danach anschaut.

30.

Mein Vater, der total auf Autometaphern abfährt, fordert in solchen Spielen immer, dass die faulen Millionäre einen Gang hochschalten sollen! Ich traue mich nie einzuwerfen, dass man besser beschleunigen könnte, wenn man einen Gang runterschaltet und dann aufs Gas tritt. Wie dem auch sei: Das Spiel staut sich weiterhin.

35.

Steffen Simon analysiert, die Angriffe von Kolumbien seien viel zu rechtslastig. In München haben Horst Seehofer und Markus Söder nur mit einem Ohr zugehört und wollen jetzt wutentbrannt die Grenzen des guten Geschmacks neu verhandeln.

37.

Harry Maguire prescht nach vorne, was eine Maschine. Gleich flüstert ihm Robert Redford beruhigend zu und lässt gutes Heu aus Cornwall einfliegen.

39.

Dieser Maguire hat eine Geschichte, die mich an mich selbst erinnert: war vor zwei Jahren noch als Fan in den Kurven bei der EM, ist jetzt Nationalspieler. Bis auf die ja eigentlich recht öde Pointe mit der Nationalmannschaft ist der Typ wie ich.

41.

Freistoß England, Kane hat ihn rausgeholt. Auch wenn mich die Frage brennend interessiert, woraus man denn eigentlich Freistöße holt, kann ich nicht anders, und muss mir die Mauer anschauen. Da stößt Barrios seinen Schädel gegen die Brust von Henderson, vielleicht die dümmste Szene dieses Turniers. Und Schiri Geiger? Gibt nur Gelb. Nun gut. War nicht eigentlich was mit Freistoß? Jetzt labern die Kolumbianer den Schiri voll von wegen Abstand, aber der weiß Bescheid: Geiger-Zähler. Da, endlich der Schuss: natürlich daneben. Wie beim Techno-Open-Air - viel Lärm um nichts.

44.

Jordan Pickford am Ball. Den Typen setzten frühere Trainer gerne mal im Trainingsspiel als Mittelfeldmann ein und der hatte damit keine Probleme. Was macht er jetzt? Löst er da eine verzwickte Gleichung und komponiert mit seinen Schnürsenkeln eine Melodie? Diese verdammten Wunderkinder.

45.

Wie räudig. Yerry Mina wirft sich auf den Boden, schreit nach seinen Eltern, seinem geliebten Großonkel und den besten Ärzten Russlands. Wurde doch tatsächlich von Raheem Sterlings Trikot am Kinn gestreift. Ich wünsche mir bei der nächsten WM Mike Tyson als Videobeweis: für jede Schwalbe voll eine gezimmert. Vielleicht ist Axel Schulz ja dann schon Nationaltrainer.

Halbzeit

Nun ja. Ging gut los, wie ein verheißungsvoller Film, dessen Trailer uns hoffnungsfroh ins Kino laufen ließ. Jetzt eher wie der Pate III. Wenn ich könnte, würde ich Southgate und Pekerman mit Popcorn bewerfen.

46.

Ich würde gern ein unbezahltes Praktikum bei #COLENG machen. Und mich dabei so mies behandeln lassen, wie der Ball bei diesem, nunja, WM-Achtelfinale. Schreib ich mir danach trotzdem als »inspirierende Erfahrung« in den Lebenslauf. Es folgt die nächste Station der Demütigung: die zweite Halbzeit.

48.

Ein Spiel, das auf dem Papier Empanadas und ein schönes Pint Portwein versprach und jetzt ungut nach Buckfast und gestrecktem Schrott-Koks schmeckt. Was bleibt einem übrig? Nase hochziehen und weiter.

55.

Elfmeter für England, weil Sanchez so Harry Kane besteigt, als wäre er ein Amateurjockey, der beim Aufsitzen auf ein Wildpferd scheitert.

56.

VERWANDELT von Harry FUCKIN Kane! Ein Mann mit dem 24/7-Mindset »Tore schießen«. Ach was, 24/7, so ein Quatsch: 25/8! Harry Kane nimmt das Tore schießen so verdammt ernst, dass man eine zusätzliche Stunde und einen Wochentag erfinden müsste, Torstag vielleicht oder Treffwoch, ich weiß doch auch nicht! Sein 6. Tor bei dieser WM – Wahnsinn!

58.

Auch nicht gerade die feine englische Art: John Stones benutzt Radamel Falcao als Fußabtreter.

60.

Songvorschläge, falls England wirklich Weltmeister wird:
- »Forever Young«
- »Like a Rolling John Stones«
- »Pickford me up before you go go«
- »Where the Wild Danny Roses Grow«
- »Rock me like a Harry Kane«

62.

Kolumbien heute mit der guten alten Arschloch-Taktik. Wenn sonst nix geht, einmal mal scheiße sein. Würde mich nicht wundern, wenn die gleich alle kollektiv den Platz verlassen und sich schmollend in die Katakomben stellen.

64.

Mark Geiger wie der Aushilfslehrer, der unsere Klasse einst dazu aufforderte, unsere Namen auf Schilder zu schreiben und mich konsequent Gordon Shumway nannte. Wird sich nach dem Spiel vermutlich seinen reflektierenden Helm aufsetzen, diese kleinen Clipper an seinen Knöcheln befestigen und auf dem Fahrrad mit dem ergonomischen Lenker nach Hause fahren. Natürlich nicht schneller als 15 kmh.

66.

Mit Abstand das hässlichste Spiel bei dieser WM. Wo ist eigentlich Hartmut Strampe, wenn man ihn mal braucht?

68.

Young am Boden, schön Maß genommen eben im Zweikampf. Und Mark Geiger wäre gerade ganz sicher gerne woanders. Vielleicht bei seinem leidenschaftlichen Hobby: dem ehrenamtlichen Eichen von Blitzern auf US-amerikanischen Landstraßen.

70.

Kein Zweikampf jetzt ohne schreiende Fußballer, die zu Boden sinken und Gerechtigkeit fordern. Ich schalte die Glotze gleich aus und schau illegale Hundekämpfe bei Youtube, da geht es wenigstens noch fair zur Sache.

72.

Maguire im Zweikampf gegen Bacca. Als würde man versuchen mit einem Klapprad einen Bulldozer über den Haufen zu fahren. Bacca ab sofort mit einer Acht im rechten Knöchel.

74.

Mal wieder Ecke für England. Und die Briten wieder mit der Polonaise-Variante, stehen dicht an dicht hintereinander und schwärmen dann aus. An der Seitenlinie steht Gottlieb Wendehals und bewirft kolumbianische Betreuer mit einem Hähnchen. Unsportlich!

76.

Der 54. Freistoß heute (geschätzt). Kane wirft seinen Wandschrank-Körper in den Ball, verpasst knapp. Blitzartig ist Luca Toni auf dem Rasen und schraubt den Kollegen fachgerecht an die Wand.

77.

England nimmt Speed auf wie eine Gruppe spanischer Easy-Jet-Techno-Touristen. Scheitert dann aber am missmutigen Türsteher namens Davison Sanchez.


80.

Die Farbenlehre des Mark Geiger.

82.

Waaaaah. Konter für Kolumbien. An dessen Ende Juan Cuadrado holt das Zeichenset raus, zieht einen Strich über sattes Grün – und malt drüber. Weiter 1:0 für England.

85.

»Torannäherung«, sagt Steffen Simon über einen erneuten Angriff von Kolumbien. Ich höre »Torernährung« und meine, endlich zu verstehen, was gemeint ist, wenn Stürmer mit Flanken gefüttert werden sollen.

86.

Steffen Simon ist on fire. Sein »Halbfeldflanken sind eigentlich ihr Mittel« ist aber auch nur das »Er war stets bemüht« des Fußballs. Sechs setzen Minuten noch.

88.

Radamel Falcao mittlerweile genauso angefressen wie sein Trikot, das er sich immer in den Mund stopft, wenn er einen rückpass-mäßigen Torschuss rauskrampft.

90.+2

Da windet schon wieder ein Spieler und stirbt zehntausend Tode. Heute mehr sinnlose Fälle zu sehen als bei einer ganzen Staffel »Richterin Barbara Salesch«.

90.+3

Woaaah!! Uribe holt nochmal den Hammer raus. Aber Jordan Pickford nutzt seine Erfahrung aus einem früheren Leben als Amboss und lässt abtropfen. Ecke. Und die zimmert Kolumbien nochmal in den Strafraum und da schraubt Yerry Mina den Ball im Tor fest. Man möchte sagen: 1:1 für Kolumbien, die Heimwerker-Könige der Herzen.

90.+6

Die Selbstzufriedenheit von Yerry Mina ist ihm nach seinem späten Ausgleich wohl in den Schritt getropft. Jedenfalls kratzt er sich seit einer Minute die Leiste – und hört erst auf, als Mark Geiger das Spiel abpfeift. Es geht in die Verlängerung.

91.

Geht dieser Gruselkick tatsächlich weiter. Seydack jetzt nur noch mit Scream-Maske.

94.

Erleben Sie heute: Carlos Bacca in seiner Rolle als sterbender Schwan.

94.

Ok, nach der Zeitlupe muss ich mich korrigieren. Das war eher: Eric Dier in seiner Rolle als Schlächter von Moskau.

98.

Irgendwie sehr schräge Aktion gerade. Erst waren zwei Bälle im Spiel, dann nur noch einer und Mark Geiger pfiff trotzdem das 2:1 für Kolumbien trotzdem ab. Unser Vorschlag: Kein Ball mehr ins Spiel geben, beide Mannschaften scheiden freiwillig aus.

101.

Das Spiel fühlt sich jetzt an, als sehe man zwei Rentnern zu, die im Park Riesenschach spielen, vor jedem Zug wahnsinnig lange nachdenken, noch nen Espresso bestellen, lustigen Hunden hinterschauen, den Nahostkonflikt lösen und dann den Turm ein Feld verschieben, um sich selbstzufrieden und tief stöhnend in die Bank fallen zu lassen.

104.

Apropos fallen lassen. Gerade liegt wieder ein Spieler am Boden. Jetzt steht er wieder. John Stones mit einem weiteren Arbeitsverweigerungsnachweis: bolzt den Ball ins Aus.

Halbzeit

Seit dem Tor von Yerry Mina ist die Freude aus diesem Spiel entwichen wie die Stärke aus Fertig-Bratkartoffeln, die man eineinhalb Stunden auf dem Herd düstet, bis sie lustlos in der Pfanne herumglibbern und eigentlich gar wollen, dass jemand daran noch Spaß oder Genuss empfindet.

106.

Auf geht's, die Teams servieren jetzt nochmal 15 Minuten Magerkost auf Rasen. Guten Appetit.

109.

Fast wünscht man sich, dass sich die gestrenge Margaret Thatcher als astrale Post-Mortem-Projektion auf den Platz beamt und mit einer Handtasche prügelt hinter den Engländern hinherwabert, um das Tempo anzukurbeln.

113.

Dinge, die ich gerade lieber wäre als Zuschauer dieses Spiels:
- Yerry Minas Leistenschmerzen
- Kyle Walkers Wadenkrampf
- Jordan Pickford schlechtes Gewissen wegen des Fehlers beim 1:1
- Mark Geigers Bewertungsbogen für dieses Spiel
- oder, hach aufregend, der Fehlschuss von Danny Rose in dieser Minute!

115.

Eric Dyer verschädelt sich nach guter Flanke. Klarer Elfmeter für Steffen Simon.

117.

Bisheriger Top-Aufreger dieser Verlängerung: ein nicht gegebener Eckball für Kolumbien.

118.

Beide Teams müssen nachsitzen. Und Cuadrado gerade wie der stinkfauler Erdkundelehrer in der Stunde vor den Sommerferien: lässt sich die Karte zeigen.

120.

Aus dem Hintergrund müsste irgendjemand schießen, irgendjemand schießt aber nicht. Schiedsrichter Mark Geiger erlöst die Teams. Es folgt: das Elfmeterschießen!

1. Elfmeter

Was geht einem eigentlich durch den Kopf, wenn einem ausgerechnet Gareth Southgate erzählen will, wie man ein Elfmeterschießen gewinnen will? Vielleicht ist das, als würde man sich von einem Farbenblinden eine Schwarz-Weiß-Fotografie erklären lassen. Auch egal. Ganz besonders Radamel Falcao, der hier gerade ein Kunstwerk von Elfmeter vorgelegt hat. Genauso minimalistisch: die Ausführung von Harry Kane zum 1:1.

2. Elfmeter

Wie er da die Schultern hängen lässt, wirkt es als würde Juan Cuadrado gleich in sich zusammensacken. Trifft aber trotzdem sehr stabil. Rushford tut es ihm gleich. 2:2.

3. Elfmeter

Muriel streichelt den Ball in die Maschen. Jordan Henderson kann mit so viel Zärtlichkeit nicht umgehen und verkrampft den Ball in die Hände von Ospina. Trotzdem süß.

4. Elfmeter

Uribe gibt den katholischen Priester: Er vergibt. Trippier rotzt sich vor seinem Schuss nochmal die Selbstzweifel aus der Nase und schnäuzt die Kugel in den Winkel. Wieder 3:3.

5. Elfmeter

Bei Baccas Schuss reißt Pickford die Hand hoch wie der ungeliebte Streber und hält! Und dann: Eric Dier. Schreitet. Läuft an. Ausatmen. Ausholen. Schießen. Tor und endloses Glück!

22:53 Uhr

In einer von Verlängerungen bisher wirklich nicht armen Woche braucht England erst 120 Minuten und dann den goldenen Fuß von Eric Dier, um sich ins Viertelfinale der Weltmeisterschaft zu träumen. Die schönste Szene des Abends kommt ganz am Ende: Harry Kane boxxt vor Freude dermaßen in den Rasen, dass er danach mit schmerzverzehrtem Gesicht zusammenbricht. Ein Symbol für ein Spiel, das mehr Krampf war als schön anzusehen, ein Symbol, das diesen Abend kaum besser zusammenfassen könnte. In diesem Sinne, meine Freunde, entlassen wir euch in die Nacht. Und uns in den Feierabend. Ciaociao.