Hertha BSC

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Werder Bremen

Hertha gegen Bremen im Liveticker

Ü40-Party in Berlin

Lange plätschert die Party so vor sich hin, dann brachte Florian Kohfeldt Pizza für alle und die Post ging ab. Bestellte einmal mit Ananas: der Ticker.

18:15 Uhr

Freunde, herzlich willkommen zum Topspiel-Ticker, der eigentlich nur ein Tabellenmittelfeldgeplänkel-Ticker ist. Aber naja, wenn ich an Weihnachten meine Verwandetn sehe, sage ich denen ja auch, dass ich Journalist bin, wenn ich in Wirklichkeit hier sitze und 90 Minuten Pennälerwitze mache. Fake it til you, äh, wie geht das nochmal weiter? Spreche kein Englisch.

18:18 Uhr

Das eint mich übrigens mit dem heutigen Dobbschbieleggsberden Loddar Matthäus. Oder um es mit seinen Worten auszudrücken: Jagudäh...

18:20 Uhr

Hertha gegen Bremen also, ein Topspiel für Leute, die Silbermond und Juli auch als Rocklegenden empfinden oder einen Carazza als Haute Cuisine. Oder, äh, verdammt, jetzt hab ich an einen Carazza gedacht und kann mich nicht mehr konzentrieren.

18:24 Uhr

Erstmal Licht aus in Berlin. Ist das eine Lightshow? Oder hat sich Michael Preetz aus Versehen an den Schalter gelehnt?

18:28 Uhr

Schöne Choreo der Hertha-Fans für das Hertha-Echo, das Radioprogramm, das nach gefühlt hundert Jahren aufhört. Wenn ich irgendwann mit meinem Magic-Karten-Fanradio aufhöre, möchte ich auch nett verabschiedet werden.

18:29 Uhr

Wobei ich damit natürlich nicht aufhören werde. Mit was soll ich denn sonst Frauen beeindrucken?

18:30 Uhr

Nur nach Hause, läuft vor dem Spiel. Da geht allen echten herthanern das Herz auf, nachdem irgendwelche Marketing-Hajos das Lied durch irgendwas von Seeed ersetzen wollten. Stelle mir das Gefühl der Herthaner, wieder den Originalsong zu hören, ungefähr so an:

1.

Anstoß. Besser als Aufstoß, glaubt mir, Leute.

3.

Nicht einmal eine Minute dauert es, bis Lothar Matthäus zugeschaltet wird. Da frag ich mich: Warum? Hat jemand eine Expertenmeinung zum Buchstaben D gefordert? Ist eine Abiturientin durchs Bild gelaufen? Was soll das?

6.

»Auch deswegen vermissen die Bremer Finn Bartels«, sagt der Kommentator. Warum genau, hab ich leider verpasst. Vielleicht weil die anderen Spieler dann größer wirken? Ist er vielleicht ein guter Witze-Erzähler? Bringt er immer Süßkram mit zur Arbeit? Wir werden es wohl nie erfahren.

8.

Erste Halb-Chance Bremen, aber Rashica kann sich nicht durchringen, zu schießen oder die schöne Antäuschen-Haken-Torschuss-Kombo zu zünden, mit der er letzte Woche zweimal erfolgreich war. Vielleicht denkt er, dass die Abwehrspieler das jetzt gecheckt haben. Da möchte ich ihm sagen: Milot, mach ruhig. Der Robben macht das seit 1782.

10.

Zehn Minuten drin, nichts passiert. Da ist es doppelt schade, dass unser Co-Tickerer Claas Relotius abgesagt hat. Sonst stünde es schon 4:4 nach acht direkt verwandelten Ecken und die Spieler würden jetzt im Mittelkreis stehen, gemeinsam Wind of Change pfeifen und ein Geschwisterpaar aus Syrien adoptieren. Naja, man kann halt nicht alles haben.

11.

Geil, die Selbstverständlichkeit von Davie Selke möchte ich mal haben. Leitet den Ball ins Nirgendwo weiter und mault dann gestenreich seinen Mitspieler an. Mit der selben Fuck-You-Attitüde steht der im vollbesetzten Aufzug und furzt.

16.

Jetzt mal ein zarter Dribbling-Versuch von Joahnnes Eggestein, nach Pass von Maximilian Eggestein. Die Eggesteins. Klingt wie eine dieser öffentlich-rechtlichen Familiensendungen früher. Diese Drombuschs usw. Gleich kommen Witta Pohl und Günter Strack in die Partie, spielen einen schönen Doppelpass, bevor sie das 1:0 schießen und verbinden das ganze auch noch mit einer Moral von der Geschicht für die Kinder. Unterlegt von Klaviermusik von Eugen Thomass.

19.

Wenig los bisher. Ein unbeholfeneres Abtasten als beim jährlichen Redaktionsausflug in Utes Swingerclub. Ich trink erstmal n Piccolo zum locker werden.

21.

Uuuuuuuh, Davie Selke mit der Riesen-Chance, prügelt das Ding aber mit knapp 300 Sachen an den Pfosten. Damit hätte er zuhause einen Nagel in die Wand schießen können.

22.

Hertha wird jetzt besser. In dem Sinne als dass es im Raum ein wenig wärmer wird, wenn man herzhaft gähnt. Apropos...

27.

Tja, ich unk hier noch rum und dann kriegt Davie Selke plötzlich einen Querpass und schiebt den einfach ein: Tooooooooor für die Hertha.

29.

Gedanken am Abend: In einer perfekten Welt würde Davie Selke seine erste Tochter Elke nennen.

32.

Ecke Berlin. Aber fies auf den ersten Verteidiger geprügelt. War das eine dieser problematischen Ecken Berlins, über die Heinz Buschkowsy und Konsorten immer reden?

34.

Ich sag's mal mit den Worten eines glücklichen Domina-Kunden: Hertha ist besser.

37.

Wen man auch noch gar nicht gesehen hat, ist Max Kruse. Aber vielleicht holt der sich auch gerade noch einen Meter Bratwurst.

38.

Ach, blöde Dickenwitze, sorry. Zumal der Kruse ja auch überhaupt nicht dick ist. Nur irgendwie hat sich das als Gag verselbstständigt. Aber mal im Ernst: Wenn der Kruse fett ist, dann bin ich eine eigene Modellserie von MAN.

40.

Du lieber Himmel: Ondrej Duda mit dem Fast-Tor des Jahres, einem Freistoß aus gut 25 Metern, den er mit ordentlich Schmackes gen Winkel schlenzt, wo er leider nur die Latte trifft. Wenn der gesessen hätte, hätte ich dem Tor einen Parship-Account angelegt, in der Hoffnung, auf diese Weise mal Juninho kennenzulernen.

42.

Nächste Chance Berlin, der Pass auf Selke ist allerdings zu steil. Dennoch: Die sind gerade so gefährlich, ich bin versucht, mir zum Tickern meinen Fahrradhelm aufzusetzen.

44.

Gute Nachrichten an alle Herthaner: Bleibt es bei diesem Spielstand, ist die Hertha auf dem Ist-doch-egal-wir-werden-am-Ende-eh-Zehnter-oder-so-Platz.

45+2

Pause. Ich geh mal eben an meinen Salzleckstein in der Küche, bisschen Energie tanken. Bis gleich.

19:35 Uhr

Bisschen Mathematik für nebenbei: Es heißt ja, dass es so viele Sonnen im Universum wie Sandkörner auf der gesamten Erde gibt. Wenn man diese Zahl nochmal mit sich selbst multipliziert, kommt man ungefähr auf die Anzahl von Wettanbietern, die auf Sky Werbung schalten.

46.

So, weiter geht's. Will ja niemandem zu nahe treten aber ich verstehe nicht so recht, warum ausgerechnet dieses Spiel das Topspiel des Tages ist. Wolfsburg gegen Mainz, Hoffenheim gegen Hannover, Sandhausen gegen Sonenhof Großaspach, die Grauen Herren aus Momo gegen eine Top-Elf von Staubsaugervertretern - die DFL hat doch so viele Leckerbissen zu bieten...

48.

Aha, direkt mal ein Bremer Abschluss. Die scheinen sich etwas vorgenommen zu haben. Wobei das allein ja nichts heißt. Ich hab mir vor zwei Jahren vorgenommen, wegen der Beule an meinem Hals mal zum Arzt zu gehen. Mittlerweile hat sie ein eigenes Klingelschild und zahlt Miete.

53,

Kohfeldt an der Seitenlinie. Freue mich immer, wenn ich ihn sehe, weil seine kecke Gel-Frisur mich an mich selbst anno 1998 und damit an eine einfachere, schönere Zeit erinnert, in der meine einzigen Probleme die möglichst kostengünstige Beschaffung von Freeman-T-Porter-Kleidung und die Fragen waren, ob die schöne Nina aus der Parallelklasse Sum 41 vielleicht auch so cool findet und ob sie zur Kirmes im Dorfgemeinschaftshaus kommt. Ach, süßer Vogel Jugend....

54.

Also wenn das Spiel weiter so vor sich hin plätschert, muss ich gleich mal wohin.

Karim Rekik übrigens mit einem guten Spiel. Find den ja eh toll, seit ich weiß, dass der auch echt toll singen kann:

63.

Die Bremer Fans fordern Claudio Pizarro mit Sprechchören, dann wird er eingewechselt. Der Typ, ey. Frage mich, wie dessen Tagesablauf mittlerweile wohl aussieht. Wahrscheinlich so: Wird vom Zivi (Johannes Eggestein) geweckt, entkalkt sich erstmal mit Coregatabs die Hüften, dann vernascht er zum Frühstück ein wenig Haferschleim und einen gestandenen Bundesligaverteidiger, guckt kurz im Seniorenzentrum vorbei, ob die Vorbereitungen für seinen Sambaabend auch laufen, auf dem Weg zum Trainingsgelände trifft er schon alles, Verwandte, Bekannte, Freunde, dann guckt er vor dem Stadion noch eben, wo der absolut sonnigste Platz ist, an dem dann seine Statue irgendwann stehen wird, wenn das Spiel losgeht, setzt er sich auf die Bank, mit Rheumadecke, einem Blasen- und Nierentee und der aktuellen TV Spielfilm, legt die Beine hoch, macht ein Kreuzworträtsel oder ein Nickerchen, zeigt den anderen Fotos von seinen Enkeln oder erzält Geschichten vom Reiner Krieg und dann, wenn es so weit ist, wird er eingewechselt, schleicht sich mit Rollator in den Sechhzehner - und dann knallt's.

66.

Würde ja gern irgendwas zum Spiel tickern, aber es passiert leider nichts. Es ist sogar so: Wenn noch weniger passieren würde, würde die Zeit bald rückwärts laufen.

68.

Wobei: Habe vorhin in der Vorberichtserstattung erfahren, dass wohl Hertha als auch Bremen ihr Heil im Nicht-Ballbesitzt suchen, Hertha beispielsweise hat Gladbach sowie die Bayern geschlagen mit lausigen 28 Prozent Ballbesitz. Bin also schon ganz froh, dass nicht irgendjemand den Ball einfach übers Stadiondach geprügelt hat und sich alle Spieler mit verschränkten Armen hingesetzt haben, um die Sache einfach auszusitzen.

71.

Jesses, Flanke von Max Kruse, aber die ist so ungefährlich und unplatziert, dass sich irgendwo Mehdi Madavikai gerade an den Schreibtisch setzt, um einen Dankesbrief an Kruse für die schöne Hommage zu schreiben.

72.

Also wenn er mit dem Kuli das Briefpapier trifft, höhö.

73.

Wobei Kruse in seiner heutigen Verfassung sowieso nicht mal einen Brief annehmen könnte, höhöhö...

77.

Duda jetzt mal mit einer schönen Aktion. Von Duda behauptet mein völlig ahnungsloser Kollege Dinkelaker übrigens, er sei einer der besten Spielmacher der Liga. Was mich irgendwie irritieren würde, aber Dinkelaker behauptet auch, dass Howie D. der coolste Backstreet Boy, Paper Mario das besteSuper-Mario-Spiel und Hertha die sympathischste Bundesliga-Mannschaft ist. Was weiß der schon?

80.

Da ist mittlerweile ein so elendiges Spiel, wenn der Schiri in knapp zehn Minuten abfeift, dann ist das kein Abpfiff, sondern Sterbehilfe.

81.

Sehen wir es positiv: Niemand hat uns Reiner Calmund in Afro-Perücke vorgesetzt.

83.

Bremen mit einem letzten Aufbäumen, Kohfeldt hat mit Möhwald nochmal einen Offensiven gebracht. Aber er hat ja auch Recht: Lieber versuchen, noch auszugleichen. Wenn man jetzt noch eins kassiert, macht das den Koh ja auch nicht mehr feldt. Hust.

87.

Immerhin: Es wurde nochmal Pal Dardai an der Seitenlinie eingeblendet. Ich liebe ihn. Wie er da steht, mit seinem Trainingsanzug Modell »Egal, hauptsache bequem und kein Schweiß an den Eiern«. Als würde er eine Kreisligatruppe zu einem mühsamen 1:1 coachen, was ihn aber auch nicht weiter stört, weil einzig wichtig ist, dass nachher auf dem Sportplatz ein Spanferkel gegrillt und ein 100-Liter-Fass angeschlagen wird.

88.

Übrigens, kleiner Service von mir: Wenn ihr jemandem was schenken wollt, den ihr hasst, der FC Bayern hat eine Idee für euch:

90.

90. Minuten gespielt, nochmal Freistoß. Im Sechzehner wirft sich Claudio Pizarro eine Granufink ein und knackt mit dem Nacken.

93.

Geil, nochmal eine schöne Rudelbildung an der Seitenlinie. Warum, weiß ich nicht. Vielleicht, weil ich jeden Sonntag in der Kirche eine Kerze für möglichst viele Rudelibildungen anzünde?

95.

Unfassbar. Claudio Pizarro haut einen Freistoß in der 95. Minute zum Ausgleich in die Maschen. Ich pinkel mir jetzt aus Solidarität in die Hose, exe eine Flasche Doppelherz und geh mit meinem Gerontologen einen trinken, auf Claudio, den Schutzpatron aller alten Menschen.

95.

Unfassbar. Claudio Pizarro haut einen Freistoß in der 95. Minute zum Ausgleich in die Maschen. Ich pinkel mir jetzt aus Solidarität in die Hose, exe eine Flasche Doppelherz und geh mit meinem Gerontologen einen trinken, auf Claudio, den Schutzpatron aller alten Menschen.

20:35 Uhr

Wahnsinn. Ich werde nie wieder genervt mit den Augen rollen, wenn ein Opa vor mir in der Supermarktschlange anderthalb Stunden im Münzfach kramt. Wenn ich ernsthaft grippig zum Arzt gehe und das Wartezimmer voll ist mit alten Menschen, die nur eine Runde mit dem Arzt quatschen wollen. Wenn mir ein Spießerrentner den Spazierstock in die Speichen steckt, weil ich mit dem Rad auf dem Gehweg fahre. Weil: Es könnte Claudio Pizarro sein, dieser große, großartige alte Mann des deutschen Fußballs. Ich gehe jetzt in den Werder-Onlineshop und kaufe mir Pizarro-Stützstrümpfe und einen Pizarro-Katheder zum Selbstlegen. In diesem Sinne, Freunde, gute Nacht.