Frankfurt

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Hamburger SV

Frankfurt-HSV im Liveticker

Gott ist groß

Nämlich 1,96 Meter. Der HSV verliert 0:3, auch weil Eintracht Frankfurt Alex Meier hat. Hamburg trotzdem noch nicht abgestiegen. Die Nachlese.

15:20 Uhr

AAAAAAHHHHHHHHHHH!!!! Mein Gott, sind wir heiß auf diesen Spieltag, dieses Spiel, diesen Tag. Bei all den langweiligen bayrischen Siegeszügen ist heute richtig Emotion drin. Der HSV kann erstmalig absteigen, die Eintracht will nach Europa. Und der Liveticker gönnt sich jetzt erstmal einen dreifachen Hundertachter, gegen das nervöse Zucken in den Fingern.

15:23 Uhr

Nicolai Müller wieder im HSV-Kader, der war 259 Tage verletzt, arme Sau. Apropos Zahlen: 1864, 745, 495, 624, 2935:2658, 2267. Spiele, Siege, Unentschieden, Niederlagen, Tore, Punkte des HSV in der Ewigen Tabelle der Bundesliga. Gott hab sie selig. Die Tabelle.

15:26 Uhr

Die Frankfurter schickten derweil ein paar Abgeordnete mit Sturmhaube und Mundschutz Richtung Gleisdreieck, um dort den Sonderzug der Hamburger zu begrüßen. Unschön. Immer noch schön: Niko Kovac. Spekuliert eben im Interview mit einem verletzten Aaron Hunt, doch der steht auf dem Rasen. Hat sich die Gelenke mit Panzertape zugeklebt. Hoffentlich.

15:28 Uhr

Spiele, bei denen Du die Stimmung durch den Bildschirm spürst. Hatte ich lange nicht mehr. Es zündelt ein wenig im Hamburger Block, es brennt in meinem Hirn. Und auf geht´s, bitteschön!

1.

Anstoß. Sonne scheint, Fans sind voll, Hosen auch, bestes.

2.

Mein Herz! Erste gefährliche Frankfurter Flanke, HSV-Abwehr grätscht den Ball ins Aus. Auf der Tribüne nickt Jürgen Grabowski Bum Kun Cha zu.

3.

Vor 66 Millionen Jahren soll ein zehn Kilometer großer Meteorit auf die Erde aufgeprallt sein und die Dinosaurier ausgerottet haben. Das nur Rande.

5.

Hunt auf Holtby. Und beide wissen: hier gehören wir eigentlich nicht hin. Der HSV seit Jahren wie eine vermeintliche Vorzeige-Uni, die aus großen Talenten zugedrogte Langzeitstudenten macht. Also nix gegen Langzeitstudenten, liebe 11FREUNDE-Leser.

7.

Christian Titz. Wird er heute zum größten Feuerwehrmann in der Hamburger Stadtgeschichte? Baut dem Mann ein Denkmal aus 1000 Meter goldenem Schlauch, wenn er diesen Abstieg noch verhindert. Auf einer Gewitterwolke im Fußball-Himmel sitzt Jörg Berger und lacht hoffentlich über diesen Tick, während er den Rest Grillkohle löscht. Mit bloßer Willenskraft.

9.

Mainz und Hannover führen gegen den BVB bzw. Hertha. Wissta Bescheid.

10.

Gestern übrigens schweißnass aufgewacht, zum Laptop gehechtet und panisch das Liveticker-Tool auf 11freunde.de eingestellt. Bis mir Marcelo Diaz vertrauensvoll seinen Arm um die Schulter legte und beruhigend flüsterte: "Tommorow, my friend." Ich träumte anschließend von Uli Stein und Horst Hrubesch.

12.

Aktuell noch wie in der Knutschecke während der großen Pause: Zittriges Abtasten.

15.

HSV-Trainer Christian Titz ist übrigens Autor von sieben Sachbüchern. Titel:
Das 4-4-2-System
Dribbeln und Finten
Passen und Ballkontrolle
Perfekte Schusstechniken
Standartsituationen erfolgreich umsetzen
Torwarttraining
Zweikampfschulung

Frage: Was kann der Mann nicht? Und wann folgt: "Voll-Katastrophen im letzten Moment verhindern"?

16.

2:1 Mainz in Dortmund. Und die Eintracht wechselt. Chandler raus, Russ rein. Russ, Feingeist und Kreativling. Also beim Tischtennis. Heute ist Russ hier, um Schmerzen zu verteilen.

18.

Unglaublich laut im Stadion. Traumwetter. Und es geht um was. Können wir die nächste Saison nicht einfach am 32. Spieltag beginnen lassen?

19.

Schon jetzt mehr lange Eisen als in beiden Halbfinal-Spielen zwischen Bayern und Real. Im Hintergrund wird der Doppelpass gerade von so genannten Problemspielzügen zusammen geschlagen.

20.

"Für die Titz-Ära unglaublich viele Fehlpässe." Der Mann ist seit dem 26. Spieltag Trainer beim HSV. Damit ist die Ära jetzt genauso uncool wie der Kult.

21.

Die ganze HSV-Saison in einem Spielzug zusammengefasst: Holtby bekommt den Ball, zieht an, kollidiert fast mit einem Gegenspieler, der ihm den Ball ab- und das Tempo damit rausnimmt, Pass auf Ito, der wird umgehauen. Uwe Seeler muss sich übergeben.

25.

Oh, wie hässlich ist Abstiegskampf. Die Hamburgern mit mehr Fehlpässen als an der US-Mexikanischen Grenze, Frankfurt bislang wie das Bahnhofsviertel nach 1 Uhr: niveaulos.

26.

Boah. Ito bekommt den Ball, läuft aufs Tor zu, schießt...TOOOOR!!! Hamburg jubelt, Hamburg im Glück, Hamburg aktuell mit Chancen auf den Klassenerhalt...Ito stand im Abseits. So muss man sich fühlen, wenn die Erkenntnis reift, dass man den Tippschein mit den fünf Richtigen im Lotto vorhin die Toilette runtergespült hat. 0:0.

28.

Deniz Aytekin an der Pfeife. Spielt in seiner Freizeit den Graf Zahl bei der Sesamstraße. Bislang: Null, NULL!, Rote Karten!

29.

Niko Kovac regt sich auf und macht den guten alten "Komm, hör auf!"-Handwischer. Noch beliebter sind nur die Becker-Faust und das "Weiter, Weiter!"-Rudern.

30.

Leipzig führt gegen Wolfsburg. Hamburg hofft.

31.

Leipzig führt immer noch gegen Wolfsburg. Jetzt sogar 2:0. Und während ich Hoffnung verbreiten will, wird Marius Wolf wunderschön freigespielt und schiebt ein. TOOOORR!! 1:0 für die Eintracht. Uwe Seeler braucht ein feuchtes Tuch.

33.

Hamburgs Defensive ist inwischen so verwaist, es gibt hier wieder Wölfe. Nochmal Marius Wolf, Flanke von links nach rechts, wenn der reingeht, wird Hamburg auf Links gezogen - vorbei. Mascarell eilt, während ich das schreibe, schon wieder in den Hamburger Strafraum, Pollersbeck rettet. Wann schreibt Reinald Grebe einen Song über den HSV?

36.

Freistoß HSV. Von rechts. Von Hunt, mit links. Zirkelt das Ding auf die erstbeste Frankfurter Stirn. Huntsmiserabel.

38.

Wenn ich so ideenlos tickern würde, wie der HSV Fußball spielt, ich könnte auch einfach meinen Hund über die Tastatur laufen lassen.

40.

Hamburgs Mäzen Klaus-Michael Kühne hat in einem Interview mit der Süddeutschen vor diesem Spieltag den HSV als die schlechteste Investion seines Lebens bezeichnet. Sympathisch, der Mann. Wenn er nicht gerade Geld in den HSV pumpt, lacht er vermutlich dicke Schulkinder aus, die gerade von ihren Mitschülern gehänselt worden sind.

43.

Was macht Christian Titz mit dieser Mannschaft, die so offensichtlich die Hosen voll hat, dass es bis hierher nach Abstieg müffelt? Lässt er sie von Manni Kaltz mit Bananen füttern? Kommt Air Bäron eingeflogen? Ist Uns Uwe noch ganz bei sich? Jetzt würden wir gerne Mäuschen in der Kabine spielen. Könnten uns sicherlich an der Angst sattfressen.

Halbzeit

Wichtigste Info für alle Hoffenden: noch ist der HSV nicht abgestiegen. Durchatmen, paar Yoga-Übungen, kaltes Pils, was auch immer. Bis gleich.

46.

Ball rollt wieder. "Frankfurt ist stark nach vorne, wir nicht so gut nach hinten", hat eben Sky-Experte Lotto King Karl seine Halbzeit-Analyse zusammengefasst. Hat in der ganzen Saison nur sechs richtige Spieler beim HSV gesehen, der King.

47.

Ito jetzt draußen. Eto hat seine Karriere bereits beendet. Schade.

48.

Vielleicht hat Titz ja eben seinen Jungs ein paar Bilder gezeigt. Flanke Dörfel, Kopfball Seeler. Oder ein Grätschen-Best-Of von Peter Nogly. Wutreden von Uli Stein. Lumpi Spörl. Irgendwas.

50.

Leipzig - Wolfsburg 2:1...

51.

Frankfurt Stand jetzt einen Punkt und ein Tor von Europa entfernt. Die AfD jubelt.

52.

Puh. Kostic mit einer Flanke, die sich irgendwo im Fußball-Orbit mit dem verschossenen Elfmeter von Uli Hoeneß paart und die hässlichsten Kinder der Fußball-Geschichte zur Welt bringt.

53.

Letzter Spieltag wäre übrigens dann Hamburg gegen Gladbach, Wolfsburg gegen Köln, Frankfurt auf Schalke und Leipzig gegen Hertha. Manni Breuckmann hält es nicht mehr aus.

54.

Auf der Bank der stets gebeugte Alex Meier, denkt versonnen an Bordeaux und den Europapokal und nickelt dann kurz ein. Wird von Bernd geweckt.

56.

Leipzig dreieins. Wolfsburg ist auch so räudig.

57.

Und so spielt ein Absteiger. Kriege den Ohrwurm nicht mehr aus dem Kopf.

59.

Kevin-Prince Boateng bei Eintracht Frankfurt. Wie Effe bei den Bayern, Jörg Böhme auf Schalke, Schaaf bei Werder oder Arsch auf Eimer.

60.

Halbe Stunde noch, und vom HSV wollte ich sehen, wie sie sich zerreißen, zu viele Fouls begehen, den Schiri anblöken, die mitgereisten Zuschauer mobilisieren, tiefe Spuren im schönen Frankfurter Rasen hinterlassen, gegen den verdammten Abstieg kämpfen. Stattdessen: aufbäumen wie ein Zirkuspferd mit Rückenbeschwerden.

63.

Schuss von Douglas Santos, immerhin. Aber so harmlos wie Henry Maske im Clinch.

64.

Leipzig führt 4:1. Abstiegsgaskandal in Wolfsburg.

65.

Wood verpasst das 1:1. Rettet die Bäume.

67.

Was jetzt sicherlich mehr Spaß macht, als HSV-Fan zu sein:
- stumm vor sich hinvegetieren
- um 4 Uhr Morgens vor der Glotze zu sitzen, obwohl man in fünf Stunden zur Arbeit muss
- einen Kater haben
- eine behandelbare Geschlechtskrankheit mit sich rumtragen

68.

ALTER! Unglaubliche Fackel von Douglas Santos aus 30 Metern, Hradecky mit den Fingerspitzen dran, Pfosten!, Nachkopfball von Hunt, Tor!! - Abseits. Alles korrekt. Herr Doktor, wir haben ein Lebenszeichen. Herzdruckmassage für den Dino.

73.

Noch 17 Minuten. Und Wolff Fuss sagt was Kluges, das ich ihm gerne klauen möchte: "Es ist kein gutes Spiel, aber ein Besonderes." Word.

74.

Besorgte Gesichter im HSV-Block. Mein Beileid, muss scheiße sein.

75.

Wirklich bitter ist nicht unbedingt, dass der HSV heute vermutlich nicht gewinnen wird. Sondern das nach 75 Minuten rein gar nix danach aussieht, als würde der HSV dazu auch nur ansatzweise eine Chance zu haben. Traurig zerreißt Klaus-Michael Kühne eine weitere Aktie.

76.

Und TOOOORR!! 2:0 für die Eintracht, Europa ist noch nicht ausgeträumt. Und der HSV? Ach, lassen wir das...

78.

Sage noch einer, wir Deutschen wären ein missgünstiges Volk. Das ganze Stadion singt: "Hamburg, Hamburg, zweite Liga, oh ist das schön, euch nie mehr zu sehn..."

80.

Nicolai Müller inzwischen auf dem Platz. Feiert sein Comeback im Chaos, Glückwunsch auch.

81.

Sky fängt die ersten weinenden Hamburger ein. Nur zur Erinnerung: ein Spieltag ist noch, gell. Eine Stadt in Trübsinn.

82.

Szene des Tages: Alex Meier wird eingeblendet, klopft sich auf die Brust und sprintet zurück zur Bank. Stadion fordert ihn seit Minuten. Jetzt bringt ihn Kovac. Ein Bembel Gänsehaut.

84.

Frankfurt hat einen Fußball-Gott, beim HSV scheint sich der liebe Gott schon vor langer Zeit vom Acker gemacht zu haben.

85.

Meier soll kommen, aber der HSV schafft es heute nicht mal, den Ball ins Aus zu busgieren. Ohhhhhhhhhhhhhhhhhhhhh........

86.

..........ohhhhhhhhh! Ball im Aus. Alex Meier nimmt Abschied von der Eintracht. Ihr dürft jetzt ruhig heulen, liebe Frankfurter, ich tue es auch. Der ewige Alex.

87.

Danke Merkel. Danke, Nico Kovac. Mit diesem Spiel hatten wir emotional schon abgeschlossen. Diese rührselige Abschiedstournee von Alex Meier holt uns zurück in den Mischwarenladen der großen Gefühle. Alex Meier. Da geht er. Ein Mann wie Steffi Jones.

89.

Gleich Ende hier. Der HSV kann es nicht. Oder will es nicht. Oder möchte es noch einmal spannend machen. Nur ein Sieg gegen Mönchengladbach hilft am letzten Spieltag. Wenn Wolfsburg gegen die bereits abgestiegenen Kölner verliert. Ausgangslagen wie auf der Reling kurz vor dem Abgang.

90.

Nein. Doch. TOOOOOOOOOOOOORRRR!!!! 3:0 Eintracht Frankfurt. Und natürlich ist es Alex Meier, Fußballgott. Genau wegen solcher Momente ist Fußball immer noch ein geiles Spiel.

90.+3.

Ein Fußballgott gegen den HSV. Für die Hamburger kommt es in dieser Saison knüppeldicke.

Abpfiff

Frankfurt gewinnt 3:0. Hamburg wollte das Wunder und hat sich den Hintern versohlen lassen wie ein ungezogenes Kind. Klaus-Michael Kühne sucht auf dem Dachboden seinen alten Rohrstock. Die Eintracht will nach Europa, gewinnt das letzte Heimspiel mit 3:0 und lässt dabei auch noch Alex Meier ein Tor machen, hessische Gottheit, die ein Jahr lang nicht spielte und sich mit einem Traumtor in der Nachspielzeit gegen seinen alten Verein von der SGE verabschiedet. 90 Minuten Hardcore, echte Gefühle und so. Und jetzt ab in die Sonne mit euch. Grüße nach Abentheuer und anderswo!