Frankfurt

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Bayern München

Frankfurt gegen Bayern im Liveticker

Pokalsiegerbesieger

Das Bundesliga-Jahr endet mit einer Riesenüberraschung: Es gibt keine Kleinen mehr, Bayern gewinnt souverän gegen Frankfurt. Hat vielleicht das Christkind das Spiel verschoben? Dreht noch eine Ehrenrunde um den animierten Tannenbaum: der Liveticker. 

18:13 Uhr

Na ihr? Auch seit 12:54 Uhr damit beschäftigt, die praktische und lebensbereichernde Sky-Go-App auf eurem alten Murks-Rechner zum Laufen zu bringen? Also seit 12:54 Uhr am vergangenen Mittwoch? Hm. HM???

18:15 Uhr

Bin seit genau gerade eben übrigens fest davon überzeugt, dass H&M nicht H&M heißt wegen Hennes & Mauritz, sondern weil die fantasielosen Hoschis bei der verzweifelten Suche nach einem Namen irgendwann nur noch Hm auf ihre Notizblöcke gekritzelt haben, und irgendwann so verzweifelt und fantasielos waren, dass aus den kleinen hms sehr große und aggressive HMs wurden. HM. Und plötzlich ergibt alles Sinn. Bis auf das &. 

18:17 Uhr

Genug des verkopften Mistes. Jetzt, endlich, Frankfurt gegen die Bayern. Für mich ja sowas wie die Paarung des Jahres. Also nach Cora Schumacher und dem zugehackten Hells-Angels-Macker.  

18:18 Uhr

Da freut man sich auf Fußball und sieht als erstes Brazzo im Kumepltalk mit Loddar und Hellmann. Bevor Brazzo abhaut und die zwei anderen Kollegen von animierten Schneeflocken umweht werden. Bevor die Werbung anfängt. Falls im Duden noch ein Erklärbeispiel für das Wort »Euphoriebremse« fehlt, nehmt doch einfach das. 

18:20 Uhr

Die Bayern versuchen es heute mit folgender Aufstellung: alter Mann mit Reklamierarm – alter, meist etwas zu giftiger Mann aus Brasilien – Süle – sehr alter Mann, der eigentlich Magazine verlegt – noch gar nicht so alter Mann aus Österreich – Kimmich – alter Mann aus Spanien – alter Mann mit vierjähriger Formkrise – Thiago – alter Mann aus Frankreich, der gerne Schellen verteilt – alter Mann, der die Tore macht

18:22 Uhr

Bei Frankfurt sollen es diese furchtlosen Männers richten: Trappic - Faletteic , Salcedoic , Ndickaic - Willemsic , G. Fernandesic - da Costaic , Kostic - Gacinovic - Halleric , Jovic

18:25 Uhr

Immerhin, jetzt überträgt Sky den Originalton aus dem Frankfurter Stadion. »Eintracht vom Main«, schwappt es rüber in mein klickbait-finanziertes 500-Quadratmeter-Loft, und das macht mich sentimental. Ist es doch das Lied, mit dem mich mein Bürokollege Stephan Reich über zwei Jahren quasi täglich quälte. Bevor er kündigte. Falls Du das liest, Stephan: Heimlich, ganz heimlich, mochte ich den Song schon immer. Schnüff!

18:26 Uhr

Hellmann moderiert jetzt live aus dem Kabinentrakt. Im Hintergrund klatscht Ribery einen Journalisten um. Der Frrrrranck, der frrrrrreche Frrrranzose!

18:28 Uhr

Ecki Häuser überzeugt mit überraschenden Facts: Jeder zweite Sky-Mitarbeiter ist unzufrieden mit den neuen Dienstjacken. 

18:29 Uhr

Schockschwerenot: Rebic fehlt. Jetzt hat sich Hummels vollkommen umsonst kurz vor Anpfiff den Rücken gezerrt. 

1.

Anpfiff. Und Bayern stößt an. Hatten wohl noch Sekt von der Weihnachtsfeier übrig.

2.

Ribery über links. Erinnert sich am 100. Geburtstag von Helmut Schmidt an die deutsch-französische Freundschaft und versucht den Ball in die Mitte zu Müller zu schieben. Aber geklärt, Ecke. Und an der Seitenlinie raucht Kovac aus Nervosität direkt ein Malboro-Mentol-Big-Pack am Stück. Durch seine Sorgenfalten.

3.

Schöne Geste: Auf Wunsch von Coca Cola laufen heute alle Bayern-Spieler als Weihnachtsmann auf, die Frankfurter als Schornstein. Hoffen wir, dass hier niemand unnötig Dampf ablässt.

4.

Erster Angriff von Frankfurt wie Vorschläge aus dem österreichischen Parlament: Kommt von rechts, am Ende zu Kurz.

6.

Und die Eintracht weiter wie der besoffene Onkel am Bierfass auf der Weihnachtsfeier: Macht immer weiter Druck. Erster Torschuss Haller, aber Süle dazwischen. Fällt bei der Annahme aber um, was wiederum eine weitere Parallele zu meinem Onkel ist.

7.

Kurzer Schwenk auf die Tribüne, wo Uli Hoeneß gerade Claas Relotius ein paar Zitate für dessen Reportage »Ulis Triumph - die tollste und beste Saison des FC Bayern« in den Block diktiert. Das Factchecking-Team »Taskforce K.H. Rummenigge« schaut kurz in den Vereinsstatuten nach und nickt zufrieden. 

8.

Dahinter: Brazzo, der ganz aufgeregt Rafael Buschmann anruft. »Ich hätte hier was für diese Football-Leaks!« Es raunt aus dem Hörer: »Sorry, Hasan, aber dass du wirklich Sportdirektor bist, glaubt uns bei der Dokumentation doch keiner.«

11.

Zurück zum Spiel: Martinez nach einer Ecke wie ich gestern nach dem dritten Bier in der Disko: völlig blank. Versucht trotzdem, zum Erfolg zu kommen, aber wer schon mal ohne Geld feiern war, weiß: das ist einfach drüber.

13.

Kurzes Zwischenfazit: Puh. Mh. Ja. Man merkt: Es geht auf die Feiertage zu.

15.

Ribery will mal wieder zu viel, kommt über den Flügel, geht aber eindeutig zu weit, befördert sich selbst ins Aus. Noch zwei Mal und er kann für AfD-Sachsen kandidieren.

18.

Wahnsinn, dass der Frankfurter Greenkeeper es wirklich geschafft hat, pünktlich bis kurz vor Anpfiff wirklich alle Kartoffeln zu ernten. Kompliment.  

19.

Jetzt Gacinovic auf Pass von Jovic. Der nämlich mehr ist als bloß ein doller Dorjäger. Zumindest, wenn ich Loddar richtig verstanden habe. 

20.

Fuß behauptet, Kimmich sei ein falscher Zehner. Wo doch jeder weiß, dass man die neuen Dinger nicht mehr fälschen kann. Amateur. 

22.

Lewandowski nach Foul am Boden. Ich kenne mich im Buzkaschi zwar nicht sonderlich gut aus, aber das war schlicht unsportlich.

23.

Wenn Frankfurt weiter so überfallartig angreift, beschäftig sich bald die SOKO-Clankriminalität mit der Truppe. 

25.

Gacinovic klärt eine Ribery-Hereingabe fast ins eigene Tor. Und wisst ihr was: Niemand hätte es ihm übel genommen. Also auch kein Frankfurt-Fan. Denn der Mann kann den Rest seines Lebens den größten Mist zusammenspielen, in Frankfurt bauen sie ihm trotzdem ein Denkmal. Zu Recht.

27.

Immer, wenn Lothar Matthäus »Achtung« sagt, kann man kurz pinkeln gehen. 

29.

Freistoß für die Bayern. Kimmich sucht Boateng. Der allerdings gerade in der BOA-Redaktionskonferenz, sagt was von »Katastrophe für die Glaubwürdigkeit unserer Branche« und »einen Storyteller-Fall mit Storytelling aufzulösen, Wahnsinn«. Guter Mann. 

31.

Die Bayern nach vorne seit ein paar Minuten harmloser als Simba vor der Pubertät. Wann kommt Scar und macht sie wütend?

32.

Wolff Fuss faselt irgendwas von Frankfurts Traumjahr, dann ein Satz wie eine verbrannte Weihnachtsgans: »Da steht man als Hesse breitbeinig im Leben.« Und irgendwo prüft der Schneider von Volker Bouffier einen Satz Anzughosen auf Reisfestigkeit.

35.

Und dann: Ein Ball, so lang unterwegs, dass man auf ihm getrost hätte zu Weihnachten in die Heimat reisen können. Frankfurts Verteidigung wie ein Pornodarsteller, der das Drehbuch nicht gelesen hat: Stellungsfehler. Müller spielt rein auf Lewandowski, der auf Ribery und der riberyiet das Ding so unsexy rein, dass ich jetzt erstmal zehn Minuten warm duschen gehen muss. Egal. 1:0 für die Christkinder aus München.

38.

Niko Kovac weint an der Seitenlinie eine Träne Handkäs' in die Nacht.

39.

Die Bayern jetzt hier sichtlich motiviert, nachzulegen. Immer wieder Ribery, dieses Mal in die Mitte auf Thiago, der aus gut 20 Metern einfach mal draufhält. Fürs Tor fehlt allerdings die Einverständniserklärung des Balls, Gräfe pfeift ab wegen Verstoß gegen die neue Datenschutz-Grundverordnung.

41.

De Guzman kommt bei Frankfurt. Verständlich, der Rasen kann sichtlich ein wenig Wasser vertragen.

43.

Da Costa liegt auf dem Boden, hat sich wehgetan, beim Versuch, per Fallrückzieher zu klären. Dinge, die ich mir ähnlich komfortabel vorstelle:
- ein Bett aus Nägeln
- Eimerrauchen mit Asthma
- Niko Kovac sein

45.

Fuss sagt, da Costa läuft jetzt auch nicht mehr rund. Hm. Ja. Soll ja auch eigentlich geradeaus laufen.

45.+1

Ich kann das leider nicht erkennen, weil ich mal wieder einem Trend hintergelaufen bin und mein neues Zimmer (Kölner Innenstadt, drei Quadratmeter, 990 Euro kalt) so minimalistisch wie möglich eingerichtet habe. Und nun keinen Fernseher mehr besitze. Und das Spiel gerade auf meinem Handy schaue. Melde mich gleich, Mama ruft gerade an.

19:21 Uhr

Pause. Felix Magath ist da. Hat Uwe Boll schon für seinen nächsten Film die Rechte an dieser Halbzeit-Analyse angefragt?

45.+2

Die Bayern, das kann ich noch sehen, haben jetzt ihr Lager vor dem Frankfurter Strafraum aufgeschlagen. Ribery gibt den Zeltplatz-Chef, Alaba trällert die ersten Wonderwall-Akkorde auf der Gitarre. Nur das Feuer will irgendwie nicht angehen.

19:24 Uhr

Aber erstmal: Werbung. Oder wie man bei Sky sagt: »Kernrprogramm«.

19:27 Uhr

»Es gibt Spieler und Helden« sagt eine Stimme, im Klang irgendwo zwischen Bushido und Satan, aus dem Off. Dazu Bilder von Kimmich. Ist das die nächste Fortsetzung der Gremlins?

19:28 Uhr

Sky zeigt nochmal das Tor. Gott, stand Ribery da frei in der Mitte. So einsam ist man sonst nur im Baumarkt, wenn man nach einem Mitarbeiter Ausschau hält. 

19:30 Uhr

Hier eine kurze Zusammenfassung von Lothars Hauptaussagen: »Bayern geilgeilgeil, alles verdient, supersuper, Lewandowski was ein Typ, generell was für Typen, ich liebe sie alle, bitte macht mich zum Trainer, ich bin so alleine, Geltungsdrang-Mimimimi, ganz doll.«

19:31 Uhr

Und hier eine kurze Zusammenfassung von Magaths Hauptaussagen: »Hm.«

46.

Der Ball hoppelt wieder.

47.

Thiago ist ein so fantastisch eleganter Fußballer, ich würde ihm zu Weihnachten am liebsten weiße Opernhandschuhe schenken. Hat jemand die Adresse?

48.

Bekommt bei seiner nächsten Pirouette aber gleich, vielleicht um ihn und mich wieder zu erden, ein Foul gegen sich gepfiffen. Von Manuel Gräfe, diesem lässigsten aller Schiedsrichter. Diesem lässigsten aller Menschen. Warum sitzt der eigentlich nie neben mir im Auto, wenn ich morgens zur Arbeit fahre?

50.

Bayern auf dem besten Weg zum Auswärtssieg. Wann holt der Zeugwart die »Pokalsieger-Besieger«-Shirts raus?

52.

Gute Chance für Bayern, aber Lewandowski verstolpert (!) den Ball. Spätestens jetzt ist klar. Das Jahr 2018 ist ein komisches. 

53.

Falette im Zweikampf gegen Lewandowski, der fällt theatralisch. Ganz ehrlich: Wir sind doch hier nicht beim Falette. 

55.

Einer geht noch: Ob Falette heute wohl seine Falette-Schühchen trägt?

56.

Wann schlägt hier endlich mal irgendein Bruder den Ball lang? 

58.

Lothar lacht. Klingt wie die Forsetzung von Lola rennt. Ist aber eher wie Honig im Kopf. Irks. 

61.

Exklusiv-Meldung von unserem neuen Sensations-Fieldreporter Claus Rhinozeros, der für uns am Spielfeldrand unterwegs ist und ganz genau hinhört: Niko Kovac steht gerade zufrieden in seiner Coaching-Zone und singt, ganz leise und mit Bedacht, »Ich bin wieder hier« von Westernhagen. Wirklich jetzt. 

62.

Ecke Frankfurt, da Costa in der Mitte total blank. Aber tritt nach dem Ball mit einer Art körperlichen Verrenkung, wegen der wir früher aus dem Judo-Unterricht geflogen wären. Neuer pariert. 

63.

Geil: Willems lässt Ribery per Körpertäuschung ganz lässig aussteigen. Und Hütter notiert auf seinen Wunschzettel: Noch einen dritten Fuß für Jetro,

66.

Fuss sagt, das Spiel werde zunehmend: zerupfter. Ich schlage als weitere neue Sportkommentatoren-Adjektive vor: Beflissener, stahlwollartiger, tedescoesk.

67.

Bayern im Strafraum mit Thiago, der irgendwie schießt, gegen einen Frankfurter Verteidiger, danach Handspiel reklamiert. Tausend Leute im Sechzehner, plötzlich erscheint Anastacia aus einem Lametta-Gewitter, alle stimmen zusammen »Do they know it's Christmas« an. Und irgendwo tritt Christian Streich aus der Kirche aus. Tolle Stimmung.

70.

Spiel aktuell so spannend, ich freue mich gerade ernsthaft auf die nächste Tipico-Werbung.

71.

Na immerhin: Jovic mal kurz durch wie Berghain-Gelegenheitsgänger. Zimmert den Ball drauf, aber wie Brandenburger Handybesitzer: knapp am Netz vorbei.

73.

Da Costa kurz am Boden, steht aber schnell wieder sicher auf den Beinen. Gibt nach dem Spiel dazu einen Kurs in der örtlichen Lokalschänke.

77.

Ich lege mich hier fest: Der Weihnachtsmarkt wäre die bessere Alternative gewesen.

79.

Ganz ehrlich: Wer sonst? Ribery natürlich. Rennt mit 48583 km/h in Vollsprint auf die Frankfurter Abwehrreihe zu, doppelpasst sich in den Strafraum und zirkelt das Ding hier so dreckig rein, dass die Eintracht direkt ein Fahrverbot auf dem linken Flügel verhängt. Aber zu spät, Pfosten, und das Ding kullert rein. Und ich glaube nicht mehr an das Christkind. 2:0.

82.

Dinge, die in diesem Universum eben doch Gesetz sind:
- Cola schmeckt besser als Pepsi
- Suppe löffelt man nicht mit der Gabel, sonst müsste man die Suppe ja ausgabeln
- Cola-Suppe wurde zu Recht noch nicht erfunden
- Am Ende gewinnen die Bayern

85.

Die Bayern nehmen also tatsächlich drei Punkte aus Frankfurt mit. Beziehungsweise: Es gibt keine Kleinen mehr. 

86.

Müller plustert sich auf und diskutiert mit Ndicka, oder wie auch immer man das nennt, was Müller mit seinem Mund in solchen Momenten der Aggresive-Ekstase macht. Aber Gräfe regelt das, wie nur Gräfe es regeln kann. Holt beide ganz eng zu sich, reden ihnen gut zu, greift ihre Hände, ganz vorsichtig und zart, vermählt sie dann noch eben. Schön. 

88.

Dadellose Leistung von Gräfe, findet auch Matthäus. Ich für meinen Teil habe allerdings eher eine Dop-Leistung des Unparteiischen gesehen. 

90.

3:0 Bayer, Rafinha, abgerutschte Flanke ins lange Eck. Ein Tor wie ein Rempler in der Bahn, wie ein Tritt auf einen fremden Schuh, wie eine aus dem Ruder gelaufene Weihnachtsfeier der Zentralen Polizeidirektion Hannover: komplett aus Versehen. Spätestens jetzt ist klar: Hütter ist kein Kovac.

90.+2

Jetzt endgültig wieder alles beim Alten. Die Bayern auch wieder aufreizend arrogant. Wechseln dreifach. Einfach, weil sie es können. Fußball, du launische Diva.

20:28 Uhr

Und dann pustet Gräfe in sein Pfeifchen und beendet das Spiel. Beendet das herzergreifend erfolgreiche Jahr für Frankfurt, beendet gleichzeitig das kuriose, teils unfreiliig komische und am Ende doch ganz okaye Jahr der Bayern. Beendet auch diesen Liveticker. Was gut ist, weil wir ohnehin gleich losstapfen müssen in die dunklen Wälder der Uckermark, uns einen prächtigen Nordmann schlagen. Deswegen: Ade! Und, genau, schöne Weihnachten. Bis ganz bald.