Deutschland

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Saudi-Arabien

Deutschland - Saudi-Arabien im Liveticker

Danke, Merkel!

Der letzte Test vor der Weltmeisterschaft! Deutschland gegen Saudi-Arabien oder auch: »Wehe, jemand fasst den Marco an!« Holt die Luftpolster raus: der Ticker.

19:23 Uhr

Hallo, herzlich Willkommen, auch an alle saudi-arabischen Frauen vor dem Ticker. Sechs Tage noch bis zur Weltmeisterschaft und der DFB will sich bestens vorbereiten, spielt zum Abschluss des Trainingslager noch gegen einen Unrechtsstaat. Viel Spaß. 

19:25 Uhr

Im Kader der Saudis hat kein einziger Spieler WM-Erfahrung. Aber gut, die hat Marco Reus ja auch nicht. 

19:26 Uhr

Oh apropos. Da kommt er gerade aus der Umkleidekabine... 

19:28 Uhr

Bester Gag übrigens gerade von TV-Experte und 11FREUNDE-Ex-Praktikant Thomas Hitzlsperger. Angesprochen darauf, dass Oli Kahn die saudischen Torhüter trainiere, sagt er: »Kennt man ja, die Saudis übernehmen wieder unsere Abwehrsysteme.« Tränen der Rührung in der Redaktion. Junge, haste ja doch was bei uns gelernt (außer Spülmaschine ausräumen). 

19:31 Uhr

An die Anhänger der AfD: Ihr könnt abschalten. Die Hymnen wurden gespielt. 

19:32 Uhr

Hier noch schnell die Aufstellung der deutschen Mannschaft: 1 Neuer - 3 Hector, 5 Hummels, 6 Khedira, 7 Draxler, 8 Kroos, 9 Werner, 11 Reus, 13 Müller, 17 Boateng, 18 Kimmich.

1.

Anstoß. Das hat schonmal geklappt.

2.

Saudi-Arabien hält 49 Sekunden den Ball. Was nach tollem Passspiel aussieht, ist allein die Gewissheit: Wer als erstes den Ball verliert, muss sich beim Scheich verantworten. 

4.

Vier Minuten noch gespielt, Deutschland noch immer Weltmeister. Stark. 

6.

Nach fünf Minuten stehen Boateng und Hummels schon im gegnerischen Sechzehner, drängen auf das Führungstor. Ich finde, man kann es mit dem Favoritensein auch übertreiben. Auch wenn's eine Ecke ist. 

8.

Und TOOOOOR! Ein Diagonalpass, der jedes Vier-gewinnt per Sofortentscheid gewinnen würde, kurze Ablage von Reus auf Werner, der den Ball unter die Latte ballert. Deutschland schon in der Anfangsphase wie ein unbarmherziger Frontex-Mitarbeiter: Zeigt die Grenzen auf. 

10.

Reus mit dem nächsten Schuss, Saudi-Arabiens Torwart reagiert überhaupt nicht. Die schlechte Nachricht: Reus trifft nur den Pfosten. Die gute Nachricht: Verletzt hat er sich dabei nicht. 

12.

Eins ist auch klar: Saudi-Arabien, komplett in Rasenfarbe gekleidet, setzt auf Gegner mit Rot-Grün-Schwäche. Und damit zeigt sich mal wieder: Die Arbeit der Bundeswehr trägt Früchte. Toll.

14.

Ohh, heikle Aufnahme gerade, als Joachim Löw ins Bild kommt. Die Kamera hält voll drauf, der Bundestrainer überlegt, hat mal wieder seine Hände nicht unter Kontrolle. Aber keine Angst: er klatscht nur. 

15.

Super Idee auch, Manuel Neuer in einem Länderspiel zu testen, wenn der Gegner Angriffsstrategien auch nur vom Annektieren der Nachbarländer kennt. 

17.

Aber kurz ohne Pointe: Dass Kroos und Khedira im defensiven Mittelfeld auflaufen, war ja klar. Dass Marco Reus aber als Zehner spielt, wäre wahrscheinlich nicht jedem Bundestrainer (und davon haben wir ja glücklicherweise 80 Millionen) eingefallen. Ich leg mich fest: Der beste, späte Zehner seit Barry van Galen.

21.

Bisher eher unnauffällig: Julian Draxler. Aber gut, der muss seinem Gegenspieler auch erst verklickern, warum Hugo Boss Bottled nicht das Trendparfüm 2018 ist: »Hier riech' doch mal! Sind nur zwei-drei Spritzer, aber schon jetzt zu dick auftragend, oder?« 

22.

Die ARD muss jetzt schon die Wiederholung des ersten Tors zeigen. Bezeichnend. 

25.

Vor 16 Jahren stand es jetzt übrigens schon 2:0. Soll mir nochmal einer erzählen, dass Marko Rehmer keine Option mehr für die Nationalmannschaft wäre. 

27.

Natürlich, das deutsche Spiel gleicht zurzeit einer Symphonie. Kroos, der Dirigent. Müller, der wie ein irrer Paukenschläger auch mal draufhaut. Und auch klar, die Zuschauer hat viel Geld für die Tickets bezaht. Trotzdem kein Grund hier das Operettenpublikum zu geben. 

29.

Oh, haben Sie das gehört? Das war der Rasen, den man gerade über die Außenmikrofone hat wachsen gehört. 

30.

Immerhin ein gelungenes Testspiel für Jonas Hector. Muss ja nach der WM ausschließlich gegen zweitklassige Teams ran. 

33.

Bartels jetzt zu den Saudis wie ein Panzerverkäufer: »Die sind technisch auf allerhöchstem Niveau!« Gekauft.

36.

Saudi-Arabien mit der zweiten Chance. Kimmich lässt ganz viel Platz im Rücken, Hummels wird getunnelt, Hector kann den Ball im Zentrum in letzter Sekunde abwehren. Erschrockene Blicke beim DFB-Team. Kann man schon vor der Gruppenphase ausscheiden? Oder: Was meinte der Löw mit endgültiger Kader?

39.

Seit der Torchance kam von der Nationalmannschaft fast nichts mehr. Was ich unfair finde, gerade auch aus Respekt vor dem Spielort. Als hätte Leverkusen in dieser Saison nicht genug mitgemacht. 

41.

Und jetzt doch noch: TOOR für Deutschland - 2:0! Weil Reus und Werner besser kombinieren als Eric Frenzel. In der Mitte müllert Müller dann vor sich hin, zwingt seinen Gegenspieler zum Eigentor. Deutschland ist eine Turniermannschaft. 

43.

Ich brüll »Deutschland!« in den Innenhof. Erhalte ein »Halt die Fresse« zurück. Wie gesagt: An der Stimmung wird noch zu arbeiten sein. 

45.

Der Schiedsrichter pfeift zur Halbzeit. 15 Minuten Zeit, um in den Hinterzimmern Verteidigungssysteme zu kaufen. Würde auch dem DFB nicht schlecht stehen.

20:20 Uhr

»Es könnte 1:1 stehen, aber auch 5:0«, fasst Bommes zusammen und fragt Hitzlsperger: »Was überwiegt bei dir?« Ich bin nur erleichtert, dass mich das niemand fragt. Es wäre mein Bauch.

20:26 Uhr

Währenddessen übergeben Reinhard Grindel und Philipp Lahm Geschenke an Gesandte eines Unrechtsstaats. Na toll, das werden wieder Überstunden für den Bundespräsidenten. 

20:30 Uhr

Kritische Töne in der Halbzeitpause. Aber die Mannschaft wirkt auch platt. »Wir haben sie ganz schön gefoltert«, entschuldigt Löw. Wissendes Nicken vom saudischen Trainerstab. 

20:33 Uhr

Ziemlich lange Unterbrechung, noch immer kein Spieler zurück auf dem Platz. Dabei sollte es erst gar keine Halbzeitpause geben, wäre es nach dem Sponsor gegangen. Denn: Best never Rest. Bzw: #bstnvrrst. 

46.

Wiederanpfiff. Oder wie sie in Saudi-Arabien sagen: Zweite Chance. 

48.

Bommes fragte gerade: »Warum schießt man die nicht aus dem Stadion?« - Berechtigte Frage, die sich der saudische Prinz auch gerade noch stellte. 

50.

Bartels erklärt jetzt, was sich die Saudis vorgenommen haben. Erinnert mich irgendwie an die Olympischen Spiele, montagsmorgens gegen halb acht. »Skeetschießen kann er, der Mann aus Kirgisistan. Hat jahrelang in freier Wildbahn geübt. Will die Gruppenphase überstehen«. Fehlt nur noch die Erwähnung, dass der Rechtsverteidiger im normalen Leben als Bäcker (hier: Helfer beim Bau eines WM-Stadions) arbeitet. 

52.

Dieses Spiel hier wie das Ende einer ganz miesen Beziehung. Trennt man sich oder bleibt man zusammen. Hoffen auf den nächsten Höhepunkt, der, so sagt sie, schon nächsten Donnerstag folgen soll. 

55.

JAAAA! Beziehungsweise: Entschuldigung. Denn für einen kurzen Moment wurde das Bild schwarz.

55.

Ilkay Gündogan kommt ins Spiel. Im Stadion sind Pfiffe zu hören, werden immer lauter. Und ich bilde mir ein, dass nur einer pfiff. Und alle anderen genau den ausgepfiffen haben. Aber es gibt halt dumme Menschen in diesem Land. Zurzeit sitzen 13 Prozent davon im Bundestag. 

61.

Saudi-Arabien mit einer kleinen Chance, von einem Mann, der aussieht wie Farid Bang. Kann er aber nicht sein. Weil: Er hat Beine trainiert. 

62.

Saudi-Arabien heute ohne den Weltmeister von 1982: Al-Tobelli. 

64.

Aber auch ätzend: Erst Bierhoff, der vor dem Spiel gegen die Medien ätzt, weil sie das Gündogan-Özil-Thema hochkochen würden. Oder Löw, der nach der PK keine Fragen beantwortet. Oder Özil, der beim Medientag plötzlich krank ist. Oder Löw, der dem Publikum klatscht, weil er ein Klatschen will. Alles ein ätzendes Zerren am Narrativ. Fast so ätzend wie Menschen, die das Wort »Narrativ« freiwillig verwenden. 

67.

EXKLUSIV: Das Interview mit Bierhoff nach Abpfiff. 

73.

Wechsel bei der deutschen Mannschaft. Neu im Spiel, der Mann, bei dem nervöse BER-Manager die Krise bekommen: Brandt. 

75.

Aber die Pfiffe gegen Gündogan haben ja auch ihr Gutes. So kann man auf der Fanmeile genau erkennen, mit wem man wirklich, auf gar keinen Fall, niemals ein Bier trinken möchte. Sofern die Person nicht vorher schon ihre Badesachen verloren hat. 

79.

Jetzt muss Mario Gomez schon an der eigenen Eckfahne aushelfen. Wenn das ein taktisches Mittel von Löw ist, dann bin ich froh, dass er bis zum ersten Gruppenspiel noch ein paar Tage Zeit hat 

80.

Gut möglich, dass es Matthias Ginter mit Körperpflege nicht so hat. Anders kann ich mir nicht vorstellen, warum ihn Joachim Löw zehn Minuten vor Schluss gegen Saudi-Arabien noch einwechselt. »Komm Matthias, hast ja heute Sport gemacht. Kannste auch mal duschen gehen.« 

83.

Elfmeter für Saudi-Arabien. Al-Sahlawi wartet lange, läuft an, und scheitert an Ter Stegen. Aber der Ball prallt von dort zurück ins Feld und Al-Jassim trifft doch noch - 2:1! Tor! Jassim rettet Sahlawi. Wovor, das wissen nur die Menschen in Riad. 

85.

»Schon peinlich«, sagt Bartels. Toll, dass auch er sich klar zum pfeifenden Publikum positioniert. 

87.

Immerhin, Saudi-Arabien würde seine Ansprüche bei der WM mit diesem Testspiel untermauern, sagt Bartels. Ich - Jahrgang 92 und nach sehr schlechten Zeiten mit der DFB später dann mit triumphalen Finaleinzügen aufgewachsen - bin mir allerdings nicht so sicher, ob das der Sinn dieses Kicks war. So aus Sicht der deutschen Nationalmannschaft. Aber nun gut, wird eh mal wieder Zeit, dass wir gegen Litauen nicht über ein 0:0 hinauskommen und uns vor Fußballgroßnationen wie Rumänien verstecken müssen. 

89.

Ganz ehrlich: Talkshows, die Bild-Zeitung, Angela Merkel. Die sollen ja alle den Rechtspopulisten den Weg geebnet haben. Stimmt aber gar nicht. Es liegt am DFB. Weil die Nationalmannschaft seit 14 Jahren von Ländern wie Albanien, Afghanistan oder Saudi-Arabien nicht mehr gepflegt auf die Fresse bekommen. Weil sich manche Deutsche, angestachelt als Weltmeisterland, einfach zu groß fühlen. Also, liebe Nationalspieler, stoppt diese Entwicklung. Scheidet einfach mal wieder in der Gruppenphase aus. 

90.

Saudi-Arabien mit der Chance zum 2:2. Und jetzt, sechs Tage vor WM-Beginn ist klar: Es gibt keine Kleinen mehr (außer Ikke Häßler).

90.+3

Die gute Nachricht: In wenigen Augenblicken packt diese unwürdige Vorband der DFB-Pokalauslosung ihre Instrumente ein und macht Platz für RW Koblenz und Drochtersen/Assel. 

21:24 Uhr

Abpfiff. Deutschland in der Krise. Danke Merkel. 

21:26 Uhr

»Ich habe mir keine Sorgen gemacht, dass ich mich heute verletzen können«, sagt Marco Reus. Zieht sich dabei langsam die Luftpolsterfolie vom Fußknöchel.

21:27 Uhr

»Es gibt keine Kleinen mehr«, »Die anderen können auch Fußball spielen«, »Deutschland braucht sich keine Sorgen machen«. Sagt alle Reus. Und stünde jetzt ein Phrasenschwein dort, das Bildungsproblem dieses Landes wäre vor zweieinhalb Minuten gelöst worden. 

21:33 Uhr

So Freunde, wir müssen jetzt erstmal 48h feiern gehen, um aus diesem Stimmungstief zu kommen. Wir sehen uns dann zweifelnd und murrend (beim 1. Gruppenspiel). Und mit Fähnchen auf den Wangen (ab dem 2. Gruppenspiel). Bleibt eine Turniermannschaft: der Ticker.