Deutschland

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Serbien

Deutschland gegen Serbien im Liveticker

Löwt nicht

Der 11FREUNDE-Liveticker deckt auf: Deutschland-Serbien, das war Folter. Warum und für wen das Spiel trotzdem sehr unterhaltsam war.

20:30 Uhr

Hallo Freunde und solche, die es noch werden könnten. Gleich Deutschland gegen Serbien. Der Neustart fürs DFB-Team. Ohne Mats Hummels. Ohne Jerome Boateng. Ohne Thomas Müller. Ohne Lisa Müller. Und Reus und Kroos nur auf der Bank. Puh. Könnte knifflig werden. Andererseits ist heute Weltglückstag. Und sowieso heißt es ja: Serben bringen Glück. Insofern: Bringen wir es hinter uns. 

20:32 Uhr

Und es gibt ja auch superdupertolle Nachrichten. Klinsi seit gerade eben RTL-Experte. Verpasst dem Sender erstmal ein komplettes Makeover. »Und da, wo der blonde Kerle mit Brille steht, wie war sein Name gleich?, Kaiser?, König?, ach, ist ja auch egal, da kommt jedenfalls auch eine Buddha-Statue hin.« 

20:33 Uhr

Eben, als die Werbung kurz von der Übertragung unterbrochen wurde, sagte Klinsi: »Wir sind alle Fans der Nationalmannschaft.« Sofort eine wütende SMS aus der DFB-Marketingabteilung »Jürgen: DAS HEIßT IMMER NOCH FANS POWERED BY COCA COLA!!!«


20:35 Uhr

Aber, und dann sind wir auch durch mit der Experten-Personalie, irgendwie auch schade, dass für Klinsi Jens Lehmann weichen musste. Immerhin war der ja einer, der die Menschen für sich begeistern konnte. Oder etwa nicht?

20:37 Uhr

Falls ich heute nicht meinen besten Tag habe, so verzeiht mir bitte. Ich lebe seit Montag, testhalber, vegan. Habe dafür aber heute ein Gedicht verfasst:

Von Wurst und Schinken und Roulade
Gab es Muckis in der Wade
Mit Hülsenfrucht und Regio-Kohl
Fühl das Bein sich semi-wohl

20:39 Uhr

Ah, sehe gerade, dass Klostermann heute debütiert. Wobei ich ihn von nun an der Einfachheit halber Mönch nennen werde. 

20:42 Uhr

Beim Gegner lauter -ic in der ersten Elf. Geht also doch gegen die Eintracht. 

20:43 Uhr

Jetzt die Hymnen. 1:0 für Serbien. 

20:44 Uhr

Nun die deutsche Hymne. Und ganz Wolfsburg singt mit. Ich finde: Stimmlich echt ein Trio mit Potential. 

1.

Der folgende Tick wird Ihnen präsentiert von den Social-Media und Marketing-Abteilungen der DFB-Delegation zur #WM2018: nstss. D Mnnschft znchst vn lnks nch rchts. Pwrd by Cc-Cl. Jh.

2.

Gleich mal zwei Chancen. Zunächst Klostermann, Verzeihung, Mönch, dann Havertz. Beide nach schönen Doppelpässen, beide mit jeweils kläglichen Abschlüssen. Kurzum: Wie ein Diplomatensohn an einer Eliteuni. Erobert man so den deutschen Fußball-Fan zurück? Vielleicht.

4.

Hummels bisher fehlerlos. Boateng und Müller unsichtbar.

6.

Die Stimmung im Stadion sollten die Jungs kennen. Vom Training unter Ausschluss der Öffentlichkeit. War das eben ein weinender Grashalm?

7.

»Die Serben verdichten«, so Marco Hagemann. Und irgendwo hockt einer, ein Mann namens Claas Relotius, und sagt: Sorry.

9.

Berechtigte Frage:

11.

Wahnsinnsinfo jetzt von Marco Hagemann: »Die Serben suchen meist die fußballerische Lösung.« Womit sie sich wesentlich vom Liveticker unterscheiden. Der sucht meist alkoholische Lösungen.

13.

Umbruch. Verzeihung: Zusammenbruch. Tor für Serbien, Tor durch Luka Jovic. Der nach Ecke und abgefälschtem Klärungsversuch so frei steht wie ein Toyota-Manager in der Wolfsburger Innenstadt. Macht, was Wolfsburger gern machen würden, die einen Toyota-Manager in der Wolfsburger Innenstadt sehen: köpft ihn.

16.

Die DFB-Elf jetzt wie die Marketing-Offensive des Verbandes: verzweifelt. Aber keine Sorge, auch aus dieser Vorstellung lässt sich noch Profit schlagen. Alles nur eine Frage des richtigen Brandings. Und daher vielleicht schon bald im 11FREUNDE-Shop, die DVD zu den ersten 15 Minuten dieser Kracherpartie. Untertitel: 11 Fragezeichen.

18.

Schade, dass sich Spajic nur nach Spahic anhört. Eine Disziplinarstrafe gegen Serbien wäre DIE Chance für das deutsche Team. 

19.

»Jetzt mal ein Saitenwechsel«, fordert Freund. Woher weiß der Mann, dass die Gitarre von Kollege Behnisch schon seit Monaten kaputt ist?

21.

Eine einsame Suffstimme grölt den 2006-Deutschland-Nerv-Song. Wie konnte es mit Matthias Matussek nur so weit kommen?

22.

Gute Chance für Werner, der fast alleine vor dem serbischen Kasten auftaucht. Macht es dann aber wie ein guter Christ: vergibt. 

24.

Sind das in Wolfsburg eigentlich Energiespar-Flutlichter oder warum ist das so komisch duster?

25.

Jovic fast mit seinem zweiten Treffer, nachdem einer seiner Teamkollegen die deutsche Mannschaft mit dem alten Ball-vorlegen-und-schneller-als-alle-anderen-rennen-Trick überrumpelt hatte. Wird aber im letzten Moment vom Mönch weggegrätscht. 

28.

Wäre das deutsche Spiel ein Gemälde, es wäre von Zecke Neuendorf und würde »Krickelkrakel« heißen. 

29.

Andererseits: Für eine Nations-League-B-Truppe macht die deutsche Mannschaft es ja eigentlich recht gut. 

30.

Die einsame Suff-Stimme wieder. Will, dass Deutschland jetzt ein Tor schießt. Ich will nur eines: nicht direkt hinter ihm sitzen. 

32.

Sané in Aktion. Dreht sich, dreht sich nochmal, dreht sich wieder. Kann seinen Gegenspieler aber nicht abschütteln und ballert den Ball dann flach gegen ein serbisches Bein. Noch ein bisschen hilfloser, und er könnte britische Premierministerin werden. 

33.

Schönes Oxymoron jetzt von Marco Hagemann: »Der schottische Unparteiische.«

34.

Wirklich geile Zuschauer in Wolfsburg. Erst keine Stimmung, dann Pfiffe. Dann Standing Ovations wegen: Nichts. So stelle ich mir meine Beerdigung vor.

35.

Steffen Freund, Co-Kommentator von Marco Hagemann: »Wir selbst haben Probleme jetzt, Lösungen zu finden.« Keine Sorge, Freunde. So viel schlechter als, sagen wir mal, Bela Rethy, seid ihr auch nicht.

36.

Fun Fact: Timo Werner klärt zur Ecke. Für Deutschland.

38.

Was wohl Mesut Özil gerade macht? Ob er sich dieses Spiel anschaut, während er unter dem gerahmten Bild von ihm und Erdogan Einladungskarten zu seiner Traumhochzeit verschickt? Ob er sich mit Jerome Boateng fleißig Nachrichten hin und her schreibt? Oder einfach nur bei Fortnite alles platt macht, der linke Fuß streichelt den Controller. Weil er kann. Was auch immer es ist. Er fehlt.

41.

Schöner Konter der Serben. Drei Stationen und schon steht Ljajic so frei vor Manuel Neuer, dass es eine jugendgefährdende Warnung geben sollte für den Fall einer Wiederholung dieser Szene. Schiesst dann aber aus zehn Metern trotzdem einfach drüber. Vermutlich aus Mitleid. Nett.

44.

Und die nächste Chance der Serben. Nach Freistoß und ein bisschen Slapstick der deutschen »Abwehr« hat Milinkovic aus fünf Metern die Chance. Stümpert allerdings gegen die Hacke von Tah. Hat der Mann deutsche Wurzeln?

21.32 Uhr

Halbzeit. Die Zuschauer pfeifen. Vermutlich, weil sie wissen, dass wir, die traurige Masse, jetzt Jürgen Klinsmann zuhören müssen. Ein Abend, der bisher nur Verlierer kennt. Von Thomas Müller, Mats Hummels und Jerome Boateng mal abgesehen.

21:37 Uhr

Wenn das ginge, würde ich gerne statt der zweiten Halbzeit 45 Minuten lang Old-Spice-Werbungen gucken. Dankeschön.

21:40 Uhr

Uns erreichen von Lesern eifrig zusammengeschusterte Bilder. Und, nun ja: Wir hätten es nicht besser auf den Punkt bringen können. 

21:45 Uhr

Alter. Hat Julian Brandt in der Halbzeit geheult? Falls ja: Wegen des Spiels, oder weil ihn das alles zu sehr daran erinnert, dass er ja tatsächlich mal regelmäßig in Wolfsburg spielen musste?

46.

Deutschland geht ohne Neuer in die zweite Halbzeit. 

47.

Würde sich Jogi Löw ein paar Rotorblätter plus Generator auf der Stirn installieren, wäre er übrigens fein raus. Bei all dem Gegenwind, der ihm – Stand jetzt – ab morgen entgegen wehen wird. 

48.

Nächste dicke Chance für Serbien. Deutschland hinten offener als der durchschnittliche Pavian. 

50.

Fast 22:00 Uhr und Gacinovic noch immer auf dem Platz. Was komisch ist. Normalerweise beginnt um die Zeit ja seine Schicht in den Albträumen des FC Bayern. 

53.

Aber apropos Gegenwind und Kritik und Reaktion der Öffentlichkeit: Dass die deutschen Nationalspieler ein dickes Fell haben, hat Sané zum Glück längst bewiesen. 

56.

Früher war es ja so: Spieler wie Klose oder Podolski sahen im Verein monatelang keinen Stich, trafen kein Scheunentor und saßen irgendwann nur noch auf der Bank. Dann rief Jogi an, die Spieler flüchteten in die Wohlfühl-Oase DFB, ballerten sich vor der versammelten Weltöffentlichkeit bei irgendeinem Großturnier den Frust von der Seele, wurden WM-Dritter oder EM-Zweiter oder WM-Erster, und am Ende lag sich vor Glück ein ganzes Land in den Armen. Und wenn man sich das so in Erinnerung ruft, dann muss man sagen: Leroy Sané ist so eine Art Anti-Podolski. 

57.

Kaum sage ich's, macht Sané den besoffenen Engländer: flitzt übers komplette Feld. Am Ende erwischen ihn die serbischen Ordner aber doch.

58.

Marco Reus mit der einzig sinnvollen Idee: einer Einzelaktion. Dribbelt sich durch halb Serbien, schiesst dann aber zu mittig. So ähnlich begann übrigens der 1. Weltkrieg. Just sayin'.

60.

Alles in allem aber weiterhin die schlechteste Folge von »Let's Dance«, die ich je gesehen habe.

62.

Hätte nicht gedacht, dass ich das mal sage, aber: Zurzeit möchte ich wirklich nicht deutscher Nationalspieler sein.

63.

Man muss es mal positiv sehen. Dieses Spiel ist die beste Werbung für den deutschen Handball.

65.

Und plötzlich wünschen sich der DFB und Reinhard Grindel die Fragen zu Katar zurück. Aber Herr Grindel, Herr Grindel..

67.

Oha. Zunächst: Sané aus fünf Metern und völlig frei. Köpft Watte in die Arme des serbischen Torhüters. Ich sag mal so: Den hätte meine Oma noch gemacht. Mit ihrer Felljacke. Und gleich im Anschluss nach schönem Hackentrick von Sané: Gündogan mit der Chance. Umkurvt den Torwart, doch sein Abschluss wird von der Linie gekratzt. Keine Pointe. Weil: alles traurig genug.

69.

Aha! Tor für Deutschland. Reus tänzelt zu Goretzka. Der tänzelt und wemst dann zentral und aus zehn Metern humorlos in die Maschen. Spaß hat in diesem Spiel aber auch wirklich keinen Platz.

72.

Die nächste Chance für Deutschland. Reus auf Sané, der mit einem Wackler gleich zwei Serben zu Boden schickt. Furchtbarer Torschuss dann. Aber es ist wie es ist: Du bekommst Sané aus Schalke, aber Schalke niemals so ganz aus Sané.

75.

Serbien jetzt quasi nicht mehr vorhanden. Kroatien gefällt das.

77.

Sané mit der nächsten Chance. Macht es wie sein Friseur: ansatzlos. Doch wie bei unserem Friseur lautet das Resultat: kein Treffer.

80.

Deutschland kombiniert sich plötzlich mit großer Spielfreude durch die serbische Hälfte. Pässe werden direkt gespielt, alle 120 Sekunden gibt's ne Torchance, Sané wird von Minute zu Minute mehr zum ManCity-Sané. Was vermutlich auch bedeutet. Von Minute zu Minute wird ihm das Financial Fairplay egaler. 

82.

Die schönste Nachricht des Abends: Gündogan, nach all dem 2018er-Mist, dem Erdogan-Foto, der Aufregung ums Erdogan-Foto, dem WM-Aus, dem Mutanten-Schnauzer, nach all dem 2018er-Mist eben, jetzt mit der Kapitänsbinde um den Arm. Ob Grindel noch sitzt?

84.

Das Wolfsburger Publikum peitscht die deutsche Elf lautstark und emotional nach vorne. Würde ich jetzt schreiben, wenn ich ein Lügner wäre. 

87.

Einige Freistöße und Ecken jetzt für Deutschland. Die allerdings verpuffen. Serbien im Umschaltspiel aber langsamer als der Schulz-Zug kurz vorm Wahlsonntag 2017. Was auch heißt: Bald schießt Deutschland das 2:1. Mindestens. 

88.

Goretzka eben mit dem Tor, Goretzka jetzt mit der Hacken-Vorlage für Reus. Der Typ ist vom Auftreten her so dermaßen chefig, ich erwarte fest, dass er mich später noch zu sich ins Büro holt und vollkommen unverhältnismäßig zusammenfaltet. 

90.

Der Mönch muss leider verletzungsbedingt raus. Zu abstinent ist eben auch nicht richtig.

90.+2

Sané wird so lange festgehalten, bis er sich nur noch mit einer Rudelbildung zu helfen weiß. Aber Schiedsrichter Madden genau wie Jovicic: hat alles fest im Griff. 

90.+3

Übrigens: Wäre Schiri Madden ein Xbox-Spiel, es wäre mir zu kompliziert.

90.+4

Ihgitt. Ganz zum Schluss wird es doch noch ekelhaft. Oder hat der Serbe etwa nur versucht, den direkt unter Sanés Sprunggelenk gekullerten Pfennig festzutreten? Madden findet: Nein. Und zeigt vollkommen zurecht Rot. 

90.+5

Und weil Sané trotz dieser gemeingefährlichen Attacke zumindest wieder humpeln kann, pfeift Madden schnell ab. Und so bleibt es beim 1:1. Gegen den 31. der Weltrangliste. Beziehungsweise: Löwt nicht. 

22:47 Uhr

Freund und Hagemann versuchen ein Spiel einzuordnen, das wir in spätestens neun Minuten (hoffentlich) vergessen haben werden. Denn was soll uns dieses Unentschieden gegen Serbien schon groß sagen? Was soll uns ein 1:1 sagen, in einem Testspiel, in dem beide Mannschaften häufiger wechseln durften als Grindel seine Meinung in wichtigen Debatten und in dem es doch eigentlich eh nur darum ging, nicht in aller Öffentlichkeit bei dieser wohltuenden Ruhe im Wolfsburger Stadion mitten auf dem Platz wegzunicken? Genau. Nüscht. Weswegen wir es jetzt machen wie besonders motivierte Gärtner: Wir haken die Sache ab. Gute Nacht.