Braunschweig
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Wolfsburg

Braunschweig-Wolfsburg im Liveticker

Wolfsburg feiert (Symbolbild)

Der VfL bleibt erstklassig – und eine ganze Region ist im Ausnahmezustand. Der Ticker macht sich jetzt in seinem Golf-Cabriolet auf den Weg nach Wolfsburg. Wer kommt mit?

imago

17:08 Uhr

Um 20.15 Uhr geht's hier los.

20:15 Uhr

Willkommen zum Pokalfinale des kleinen Mannes. Wir erwarten eine Show der Extraklasse. Tina Turner jonglierend auf einem pinken Elefanten in der Halbzeitpause, während Mike Krüger per Handstand einen Nippel durch die Lasche zieht. Aber keine Sorge, auch Fußballfans sollen auf ihre Kosten kommen: Vor und nach der Show läuft das Relegationsspiel zwischen Braunschweig und Wolfsburg.

20:18 Uhr

»Es wird das heißeste Derby, das wir je erlebt haben!« So empfangen Matthias Opdenhövel und Stefan Effenberg die Rele-Fan-Crowd. Opdenhövel hat deswegen sein weißes Hemd fast bis zum Bauchnabel aufgeknüpft. Effe hingegen trägt Jeans: Jeans-Hose, Jeans-Hemd, Jeans-Haare.

20:20 Uhr

Wenn ihr gleich Pfiffe hören solltet, liegt das nicht daran, dass Helene Fischer singt, sondern dass Mario Gomez den Platz betreten hat.

20:22 Uhr

Werfen wir kurz vor dem Anpfiff noch einen Blick in die Büroräume der VW-Chefetage:

20:23 Uhr

Zur Erinnerung: Vor etwa einem Jahr gewann der VfL Wolfsburg noch gegen Real Madrid. Nicht im Happy-Hippo-Sommercup, sondern im Champions-League-Viertelfinale. Fazit: Der Fußball ist so schnell geworden, dass am Ende dieses Spiels vermutlich eine der beiden Mannschaften direkt in die achte Liga absteigt.

20:25 Uhr

Blitzinterview mit Andries Jonker. Einstiegssatz der ARD-Frau: »Sie saßen vor einiger Zeit als Co-Trainer in einem Champions-League-Finale.« Antwort: »Das war ein anderes Spiel.« Selten haben wir so eine messerscharfe Analyse gehört.

20:26 Uhr

Mal im Ernst: Was passiert eigentlich mit dem VfL Wolfsburg, wenn er absteigt? Schaltet VW dann weiterhin Anzeigen in 11FREUNDE oder geht's direkt zu »Blitz Illu«? Kann ich im nächsten Monat noch meine Spaghetti-Eisbecher und die Miete für meine 150-Quadratmeter-Maisonette-Wohnung in Zehlendorf leisten? Hängen hier und heute wirklich Existenzen dran? Also, nun ja... VfL! VfL! VfL!!!!111!11!

20:28 Uhr

Kleiner Scherz. Eigentlich sind wir total neutral. Guter Fußball interessiert uns. Weswegen wir ganz froh sind, dass der HSV sich dieses Jahr nicht für dieses Spiel qualifizieren konnte.

20:30 Uhr

Wobei: Eben erreicht uns die Information, dass auch Dietmar Beiersdorfer nach Braunschweig gereist ist. »Stand so im Terminkalender«, japst er ins Mikrofon von Opdenhövel. »Aber Sie sind doch gar nicht mehr im Amt«, sagte der ARD-Mann. Beiersdorfer setzt eine erstaunte Miene auf: »Dann hat Klaus-Michael Kühne mir die 700 Millionen Euro also einfach so als Abschiedsgeschenk überreicht?«

1.

Anstoß, Anstoß durch Mario Gomez. Mit dem Fuß sogar und nicht mit der Hand. Lieberknecht trotzdem auf 180.

2.

Jetzt aber doch das erste Handspiel des Spiels. Durch Schiedsrichter Tobias Stieler. Der Fußball ist eben ein schräger Vogel.

3.

Erster Torschuss durch Daniel Didavi, danach Konter Braunschweig. Als Hommage an die heute beginnende Tischtennis-WM geht es also gleich mit Schmackes hin und her. Wer macht den Dimitrij Ovtsharov und klemmt als erstes einen ins Netz?

5.

Gottlob mutmaßt, die Braunschweiger hätten heute was vor. Bridge? Bingo? Pokerraub? Wir sind verwirrt.

7.

Wir würden dieses Spiel ja gerne zu einem gigantischen Duell, ja, zu einer epischen Schlacht hochjazzen. Aber zum letzten Mal so fehl am Platz war das Wort »episch« beim epischen Interview von Fler mit Niko von der Backspin. Was ich nur mit Sicherheit sagen kann, weil ich mir mal die vollen 90 Minuten von diesem epischen Interview reingezogen habe und heimlich finde, dass das Wort eigentlich doch ganz gut passt. Hoffentlich läuft es heute ähnlich. 

10.

Erst Ecke, dann Freistoß Wolfsburg. Dann ein harter Zweikampf an der Seitenlinie. Aber Schieri Stieler mit dem alten Windel-Trick: lässt laufen.

11.

Und kaum sag ich es, senst Maximilian Sauer mit ganz langem Bein Daniel Didavi um und sieht Gelb. Klar, sieht ja jeder. Spannend wäre es dagegen gewesen, hätte er Didavi mit der Hand umgenietet. 

13.

Erste gute Chance für Braunschweig. Aber Nyman vergibt. Beziehungsweise Nee, man.

15.

Kurz danach prüft Wollscheid Casteels per Kopf. Warum, weiß keiner der beiden, schließlich spielen sie ja in der gleichen Mannschaft. Aber gewissermaßen tun das ja Wolfsburg und Braunschweig auch. Insofern alles logisch. 

18.

Das Stadion von Braunschweig heißt bekanntlich Hamburger Straße. Ist das eigentlich diese sogenannte Meta-Ebene, von der immer alle sprechen? Oder schlichtweg ein gutes Omen? Und: Warum hat man die Zufahrt eigentlich nicht in Marcelo-Diaz-Weg umbenannt?

22.

Mario Gomez wird jetzt als Sohn einer herzensguten Frau besungen. Der bedankt sich mit einer missglückten Pirouette, die aussieht, als hätte er zu lange vor diesem Schild gestanden und gegrübelt:

27.

Wolfsburg verzieht sich jetzt in den eigenen Strafraum. Großes Tohuwabohu. Ein gutert Zeitpuntk für unseren 11FREUNDE-Experte, die Hin- und Rückrunde 2016/17 sowie die Relegation des VfL zu analysieren. Hier das Fazit:

29.

Abstieg ist ja nicht gleich Abstieg. Erinnern wir uns an Kaiserslautern, die phänomenal zurückkamen. Auch Gladbach und Köln und sind wieder da. Ja, gut, es gab auch Paderborn, Tasmania Berlin oder den FC Homburg. Und noch circa 27 weitere Klubs, die in der Versenkung verschwanden. Aber man soll ja immer positiv denken. Wenn ich in meinem VW Polo sitze, denke ich auch, ich würde einen Golf GTI fahren.

31.

Wolfsburgs Spiel nach vorne ist momentan in etwa so sinnvoll wie dieser Hinweis:

34.

Close-Up Luiz Gustavo. Ein Mann wie aus einem Quentin-Tarantino-Film, zu dem Wes Anderson das Drehbuch geschrieben hat. Würde uns nicht wundern, wenn er nach dem Spiel eine Ehrenrunde in einem 56er Chevy dreht. Mit Zigarre im Mundwinkel und John Travolta auf dem Beifahrersitz.

35.

Wolfsburg jetzt auch mit der ersten guten Möglichkeit. Aber Gerhardt trifft lediglich Fejzics Schienbein. Also den Teil des Körpers, den unsereins nur dadurch kennt, dass er mit ihm regelmäßig in Tischbeine rasselt. In eckige Tischbeine. Aua.

37.

Gomez sieht Gelb und die Braunschweiger wissen wieder ganz genau, wie dessen Mutti ihr Geld verdient. Sollte der Mann heute noch treffen, könnte sich das für die Braunschweiger Fans in etwa so anfühlen: 

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40.

Da sitzt man also auf der Couch und schaut dieses Spiel. An einem Montagabend. Und muss sich immer wieder einbläuen, dass das hier noch gar nicht 2. Liga ist. 

42.

REICHEL. Beziehungsweise Ken Reichel. Beziehungsweise drüber. Ken Reichel, dieser fleischgewordene Beweis, dass ein Leben ohne Barby möglich, ja vielleicht sogar erstrebenswert ist, wird auf links angepasst, aber vergibt. Und lässt damit endgültig Aquas Comebackpläne platzen. 

44.

Auch nach fast einer Halbzeit noch 0:0. Für die zweite Hälfte würden wir uns ein wenig mehr Risiko wünschen.

45.

Und so geht es also in die Pause. In einem Spiel, in dem Braunschweig will, aber nicht so recht kann und in dem Wolfsburg (eventuell) kann, aber nicht so recht will. Oder andersherum. Egal. Wir gehen jetzt erstmal irgendwas vertuschen. Vielleicht ein bisschen Farbe, vielleicht einen Diesel-Skandal. Bis gleich.

21:23 Uhr

Halbzeit. Und die ARD zeigt die Tagesthemen statt die Cappuccino (Rapper) - Halbzeitshow in Braunschweig. Spätestens zum Pokalfinale 2018 wird das anders sein. 

21:28 Uhr

Sollte Wolfsburg wirklich absteigen, wäre auch das Lebenswerk von Roy Präger (aus Zossen) irgendwie im Arsch. Aber die Tagesthemen berichten lieber von der digitalen Gefahr für kleine Kinder. Typisch Lügenpresse. 

46.

Anpfiff. Spielstand weiterhin: Mario Gomez – Eintracht Braunschweig 1:0.

48.

Ein ganz schlauer Braunschweig-Fans wirft einen Böller in den Innenraum. Für ihn wurde übrigens einst dieses Schild aufgehängt:

50.

Und plötzlich steht es 1:0. Für Wolfsburg. Für die Mannschaft, die bislang hier eine Sportart spielte, die nur entfernt an Fußball erinnerte. Malli übt sich im Scheibenschießen, Vieirinha ballert den Ball ins Netz. Und das Irre daran: Dem Ganzen ging kein Handspiel voraus.

55.

Andries Jonker ist gut drauf. Rennt bis zur Torauslinie, um den Torschützen zu beglückwünschen. Stellt sich dann vor die Kurve. Hier ein exklusiver Mitschnitt:



58.

Die Eintracht muss nun also drei Tore schießen. Stefan Effenberg, der neue Braunschweiger Edelfan, macht sich für seine Auswechslung bereit. Kündigt Opdenhövel an, den ersten Ball vom Mittelkreis in den Winkel zu grätschen. Opdenhövel nickt. Lächelt gequält. Und denkt: Wann kommt Mehmet zurück?

61.

In Wahrheit bringt Lieberknecht zwei andere Spieler, deren Namen wir direkt wieder vergessen haben. »Aber sie machen Action«, jubelt ARD-Mann Gottlob. Und dann feiert er eine Ecke, als hätte Zypern gerade die WM gewonnen.

64.

Über eine Stunde gespielt. Das Spiel ist jetzt recht chaotisch. Männer grätschen, stolpern, hacken, köpfen, rutschen. Sieht eher aus wie Rugby. Könnte gut sein, dass hier gleich jemand den Ball in den Hand nimmt und mit ihm ins Tor rennt. Zum Beispiel Mario Gomez. Uns würde es nicht auffallen.

65.

Nachtrag zum 0:1.

67.

Draußen macht sich Ashkan Dejagah bereit. Geil. Ein Mann, der den physikalischen Gesetzen seit Jahren trotzt, weil er aus mehr Tattoos als Haut besteht. Sein Trick dabei: aufplustern. So wie er es auch auf dem Feld immer macht. Auch jetzt sofort. Herrlich.

69.

Dinge, die häufiger passieren als Zweitligaaufstiege in der Relegation:

- Keine Verdauungsprobleme nach McDonalts
- Rainer Callmund sitzt nicht im Doppelpass
- James Bond verliert ein entscheidendes Duell
- Bayern wird Zweiter
- Ashkan Dejagah wird angerempelt und sagt selber Sorry

72.

Das Spiel längst toter als der Wellensittich, den ich mit acht Jahren so gerne gehabt hätte und nie bekam. Rest in Peace, beide. 

75.

Kurz vor knapp noch ein Service-Tick: Im sogenannten Niedersachsen-Duell steht für Wolfsburg genau ein Niedersachse auf dem Rasen. Und der ist weder klein, noch krumm, noch schief gewachsen. Er heißt Robin Knoche und kommt aus Braunschweig. Wir fühlen uns hinters Licht geführt.

73.

Was wird das für eine rauschende Rückfahrt für die Wolfsburger Mannschaft. 20 Minuten Emotionen pur.

76.

Gottlob verweist jetzt verzweifelt auf das Relegationsspiel zwischen Regensburg und 1860, denn da sei ja noch alles drin. Aber: Noch mal falle ich auf das ganze Bauchgepinsel von der Seite nicht rein!

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79.

Heute waren in Berlin 33 Grad. Alle Menschen, die ich mag und alle Menschen, die ich weniger mag, sind jetzt draußen, an einem See, in einem Biergarten, auf dem Balkon. Draußen zwitschern die Vögel, draußen hört man Kinder schreien, vor Glück, einfach weil es so schön ist. Draußen galoppieren Einhörner durch die Stadt und versprühen ihren leckeren Duft, draußen verlieben sich Menschen, weil sie sich zufällig treffen, weil ja alle draußen sind und dann passieren solche Dinge nunmal. Aber ich sitze drinnen, im fünften Stock, direkt unterm Dach. Hier ist es wärmer als draußen. Aber auf eine stickige, anstrengende, Hose-klebt-am-Innenschenkel Art und Weise. Und ich gucke ein Relegations-Rückspiel. Das Wolfsburg höchstwahrscheinlich gewinnt. Es gibt ein Wort für Typen wie mich: Looser.

83.

Während der VfL noch ein Abseitstor schießt, bereiten die Fans in der Wolfsburger Innenstadt schon die Klassenerhalt-Party vor. Wir kommen vielleicht auch gleich vorbei.

87.

»Einigen wir uns auf ein 3:1?«, fragt Lieberknecht Jonker. Der VfL-Trainer stellt prompt eine Gegenfrage: »Würdest dafür zu meiner Belustigung ein Jahr diese Schuhe tragen?«

90.

Was macht man jetzt mit den verbleibenden minuten? Man könnte diesen Eintrag auf Fehleruzm Beispiel überprüffen. Wie viele findet ihr? Antwortn bitte an unseren Lektor: info@ichliebegrammatik.de

90. +1

Aber dann ist schneller Schluss, als wir Eintracht Braunschweig sagen konnten. WOB gewinnt gegen BS. Wir sagen Tschüss und freuen uns schon aufs nächste Jahr, wenn der HSV hoffentlich wieder mitspielt und es  spannend bis zur letzten Minute wird.

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