Brasilien

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Mexiko

Brasilien-Mexiko im Liveticker

And the Oscar goes to..

Wenn sein Fuß ihn berührt, lacht der Ball. Wenn der Gegner Neymar berührt, lacht die Welt. Niemand vereint Schönheit und Abscheu in sich, wie er. Und Brasilien? Und der Liveticker? Rollen einfach mit.

15.45 Uhr

Wo samma? Samara! Willkommen zum Achtelfinale zwischen Brasilien und Mexiko.

15.46 Uhr

Zu den Aufstellungen, hier die brasilianische: Alisson - Fagner , Thiago Silva , Miranda , Filipe Luis - Casemiro - Paulinho , Coutinho - Willian , Neymar - Gabriel Jesus

15.47 Uhr

Fagner also als Rechtsverteidiger. Der Mann, der in der Saison 12/13 beim VfL Wolfsburg folgende Erinnerungen hinterließ: - Aber gut, alles nur eine Momentaufnahme. Jetzt zählt es. Jetzt kann dieser Fagner der Welt zeigen, dass er besser ist als Christian Träsch. Ich sag mal so: Wird schon.

15.48 Uhr

Und hier die mexikanische Startelf: Ochoa - Ayala , Salcedo , Marquez - Alvarez , Gallardo - Herrera , Guardado - Vela , Lozano - Chicharito

15.49 Uhr

Oder wie man in Deutschland sagt: Autsch, Autsch, Autsch, Autsch, Autsch, Autsch, Autsch, Autsch, Autsch, Autsch, Autsch. Trainer: Autsch

15.51 Uhr

Die nächste Minute ist eine des Schweigens. Denn: Bela Rethy kommentiert.

15.53 Uhr

+++BREAKING: Neymar hat eine neue Frisur. Nach dem ausgekotzen Pudel und dem Vogelnest nun ein modisches Geflecht frisch gewichster Schnürsenkel. Toll. Bzw.: Würg.

15.54 Uhr

Uh. Die brasilianische Hymne. Und was für eine Hymne das ist! Hört man sie, möchte man sich den Lebenslieben an den Hals werfen mit aller Verve, möchte Pamphlete verfassen und Kriege beenden. Brüh im Glanze, schönes Brasilien.

15.55 Uhr

Und jetzt die mexikanische Hymne. Auch das ein perfekter Konter. Schnell, zielstrebig, schnörkellos. Werft die Sombreros in die Luft, es ist angerichtet!

15.57 Uhr

Schön, dass auch Rafael Marquez die Zeit gefunden hat. Bei all den anstrengenden Dreharbeiten zur neuen Narcos-Staffel.

15.59 Uhr

Neymar noch ohne Schwalbe. Also von seiner Frisur mal abgesehen.

1.

Anstoss Mexiko. Und irgendwo in der Heimat rücken 30 Damen zusammen und raunen sich zu: »Unsere Jungs!«

3.

Die erste Chance gleich mal für Mexiko. Aber dann bleiben sie hängen im dichten, brasilianischen Abwehr-Urwald. Wie eine Fiesta ohne Mexicana. Ohne Grill, ohne Gäste. Und irgendwie auch dann: ohne Fiesta.

4.

+++BREAKING II: Neymar wird gefoult. Und bleibt - S T E H E N ! Das Spiel schon jetzt überraschender als eine Pressekonferenz mit Horst Seehofer.

6.

Neymar mit der ersten Chance für Brasilien. Kommt zentral zum Abschluss. Schwächelt ihn dann Richtung Ochoa, der klatschen lässt. Was ziemlich genau meinen gesammelten Flirtversuchen der letzten 25 Jahre gleicht.

8.

Fagner auf rechts bisher ziemlich überfordert und insgesamt so wie einst in der Wolfsburger Fußgängerzone: Ziemlich allein.

9.

Eckball Mexiko, und nach Ablage kommt Chicharito zum Stelldichein mit Brasiliens Torhüter Allison. Sie rangeln, sie balgen. Insgesamt sieht das Ganze aus wie eine x-beliebige Szene aus einer x-beliebigen Telenovela. Wie ein Rosenkrieg zweier blinder Gräfinnen. Dann die Erlösung: Abseits. Das 9Live des Fußballs.

12.

»Guter Beginn von Mexiko«, urteilt Bela Rethy. Und so sehr es schmerzt: Er hat Recht. Spielen hier mit viel Selbstbewußtsein, spielen sogar auf Ballbesitz. Das wäre doch glatt mal eine Mannschaft gewesen, die der deutschen Elf und ihrer Art zu spielen, gelegen hätte. Meine Meinung.

15.

Brasilien bisher wie ein uralter Gangster, der dem versammelten Nachwuchs fortwährend ins Ohr säuselt: »Ich verrate Euch schon noch, wie ich das große Ding drehen würde. Nur Geduld.« Dann bleckt er seine dritten Zähne, klopft gegen das Hörgerät und ruft nach Louise, die seit 22 Jahren verstorben ist.

16.

Mexiko mit dem nächsten Angriff. Wenn sie so weitermachen, ermittelt die Fifa noch wegen Tateinheit von Platzsturm und Pyrotechnik.

18.

Flankenversuch der Brasilianer, doch Mexikos und Frankfurts Salcedo drischt den Ball in die Ewigkeit. Und irgendwo in Russland rennt Ante Rebic einfach los, brabbelnd: »Hat den Ball lang geschlagen.«

19.

Das Spiel Mexikos ähnelt der deutschen Politiklandschaft doch sehr: konsequent über außen.

20.

Mal angenommen, Brasiliens Trainer Tite hätte Neymar wiederum vor dem Spiel gesagt: »Zeig der Welt dass Du so gut bist wie Mario Götze in der abgelaufenen Bundesliga-Saison!« Dann wäre er sehr zufrieden.

23.

Nächste Chance für Mexiko, Brasilien hält die Null dank Vielbeinigkeit. Dank einer Abwehrleistung, die so daherkommt, wie Reiner Calmund beim Wasserball verteidigen würde. Schwimmend und mit schierer Masse. In der Offensive hingegen der konstanteste in gelb: Fehlpass, der.

26.

Und dann zeigt dieser Neymar, was sein könnte, was er ist, wenn er mal nicht durch die Stadien rollt, auf der ewigen Suche nach einem Taschentuch. Fliegt förmlich am Rechtsverteidiger der Mexikaner vorbei, mit einer Bewegung, die man flugs zu einem Standard-Tanz ernennen könnte, fliegt dann einfach weiter in den Strafraum, mit einer Eleganz, die sonst nur animiert zu gelingen schiene. Der Schuss dann ist zu zentral, um Ochoa wirklich zu prüfen. Aber immerhin: ein Lebenszeichen der Schönheit. Das ist doch was, in diesen Zeiten.

28.

Und irgendwo in Freiburg im Breisgau, so stelle ich mir das zumindest vor, sitzt Joachim Löw vor dem Fernseher und schaut »Nashorn, Zebra und Co.«

30.

#BRAMEX, so der offizielle Hashtag zum Spiel. Klingt wie ein Büstier, gemacht für Schwertransporter der Weiblichkeit. Ein gutes Zeichen? Bisher muss die Antwort wohl lauten: Doppel-Ja.

31.

»Eine Denkmaschine« so Bela Rethy nun. Danke, Bela, wäre doch aber gar nicht nötig gewesen.

34.

»Gibt Angebote rechts und links«, schwört Bela Rethy. Die große Koalition des Fußballs. Aber er hat ja Recht, da die Brasilianer besser werden, zielstrebiger. Wenig klein-klein nun, mehr direktes Spiel. Ab auf die Außenbahnen und Abschluss. Diesmal ist es Gabriel Jesus, der nach Drehung und aus kurzer Distanz schiesst. Doch Ochoa, Mexikos Torhüter, macht seinem Namen alle Ehre. Sofern der bedeutet: »Einfach alles mit den Fäusten nach vorn abklatschen und hoffen, dass ein Kollege dann per Bolzenschuss in die Entspannung klärt.« Was ziemlich wahrscheinlich ist.

37.

Das Spiel jetzt etwas ruhiger, beide Teams nehmen sich eine Pause. Und da sage noch einer, es geben keinen Grund mehr für Fans der deutschen Nationalmannschaft, sich mit dieser WM zu identifizieren.

38.

Alvarez fällt Neymar, der fällt und fällt und fällt. Alvarez bekommt die gelbe Karte. Neymar einen Freistoß. Ungerechte Welt.

40.

Brasilien jetzt wieder wie eine heillos überlegende Armee, die alles an die Front bringt, was sie in petto hat. Außer ihre Munition.

42.

Filipe Luis unterbindet einen mexikanischen Konterversuch mit einer Grätsche, die schon bald im Baumarkt auch eurer Nähe reüssieren könnte. Als Allzweck-Waffe. Und irgendwo auf dieser schönen Welt durchfährt es seinen Klub-Trainer Diego Simeone, schwillt ihm der Stolz-Nippel in den roten Bereich. Verrückt: Wenn Fußball so hässlich ist, ist er fast schon wieder schön.

44.

»Mexiko mit Giftspritzen«, so Bela Rethy nun. Was weiß er, was wir nicht wissen?

45.

Die Bandenwerbung richtet sich nun direkt an Neymar: »Wanda«?

16.45 Uhr

Halbzeit! Flottes Spiel hier in Samara. Ein 0:0 der Sorte 1:1. Ein Neymar der Sorte Götze. Und ein Bela Rethy der Sorte Bela Rethy. Was das bedeutet? Schau'n mer mal, dann sehen wir schon. Bis gleich.

46.

Anpfiff. Oder wie man beim ZDF sagt: Ein Fall für zwei.

48.

Brasiliens Pass-Spiel zu Beginn dieser zweiten Halbzeit mit der Präzision eines blinden Kanoniers, der Säbel geladen hat.

49.

Aber wozu passen, wenn man Coutinho hat?! Der wackelt die halbe Choreographie eines Shakira-Songs in den Abend, sucht dann das Glück. Findet aber nur die Hände von Ochoa. Bitter. Obgleich ich mir ziemlich sicher bin, dass es genau darum geht in »Waka-Waka«.

51.

Tor. Willian pflügt durch die mexikanische Abwehr, legt dann quer zu Neymar, der nur noch einzuschieben braucht mit dem langen Bein. Nicht schön, zählt aber trotzdem. Oder wie man in Brasilien sagen wird: Neymar mit.

53.

Wütende Angriffe von Mexiko. Der Ball fliegt von links und rechts durch den Strafraum, doch niemand da, die Brandfackeln zu verwerten. So muss sich ein Populist ohne Sprachrohr fühlen.

56.

Mexiko nun allerdings mit der denkbar schlechtesten Abwandlung des alten Gassenhauers »Mit dem Mute der Verzweiflung«: »Verzweiflung«.

59.

Paulinho präsentiert die isländische Komponente dieser Partie: Huh! Kommt aus elf Metern und vollkommen freistehend zum Abschluss. Doch auch er findet nur, wonach kein Brasilianer je gesucht hat: die Fäuste Ochoas. Sollte diese Partie noch kippen, können sie dieses Spiel in Brasilien genau unter diesem Titel als Horror-Schocker vertreiben.

62.

Konter Mexiko. Carlos Vela am Ende mit einer schönen, gezwirbelten Bogenlampe, die man zuletzt so von Bryan Roy gesehen hat. Und leider genau so erfolglos, wie es klingt.

63.

Willian mit dem Distanz-Schuss, findet, na? Genau: Die Hände Ochoas. Mehr Handarbeit hier jetzt als in einem chinesischen Sweatshop.

64.

Geht hin und her jetzt. Womit das Spiel an einen der größten Momente der großartigen Spielshow »Familienduell« erinnert. Nennen Sie einen Ort mit viel Beinfreiheit? Das Mittelfeld bei Brasilien-Mexiko!

66.

Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen: Mexiko spielt jetzt auf Ergebnis halten.

67.

Und noch ein Klassiker dieser Partie: Willian pflügt. Diesmal über links und wieder unaufhaltsam. Legt dann, bewährt ist bewährt, nach innen zu Neymar, dessen linker Fuß aber offenkundig nur dafür gebaut wurde, sich abzurollen. Der folgende Gewaltroller jedenfalls bringt gerade so eine Mitleids-Ecke ein. In Berlin nennt man das: Spandau.

70.

Neymar im Mini-Gerangel an der Seitenlinie, direkt vor der mexikanischen Bank. Legt sich dann auf den Boden, bekommt von Layun einen Tritt auf den Fuss. Und reagiert dann wie? Ungefähr so:

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73.

Brasilien jetzt mit der Souveränität eines Symphonie-Orchesters auf Weltklasse-Niveau, das immer und immer nur die ersten zwei Takte von Beethovens Fünfter anklingen lassen muss, um die Zeit bis zum Applaus über die Bühne zu bringen.

76.

Özil weiterhin nicht zu sehen.

79.

Schlechte Nachrichten für Brasiliens Fagner. Hat sich so weit gefangen und stabilisiert, dass der VfL Wolfsburg überlegt, ihm ein erneutes Angebot zu machen. Da muss ihn sein Trainer aber auch schützen und mal wechseln! Meine Meinung.

82.

Mexikos Angriffsbemühungen im Video:

85.

Brasilien beherzigt nun die Grundlagen des deutschen Kranfahrerwesens: Führungen müssen verdichtet werden. Riegelt sich hinten ein, baut Ketten auf, die zu Mauern werden. Doch dann: ist das ein Hoffnungsschimmer der Spielkultur? Oder nur die Zahnreihe von Roberto Firmino, der da zur Einwechslung bereit steht? Und wo ist da der Unterschied? Antworten bitte an UnsLäuftDochDieZeitDavon@mexiko.bäh

88.

Ein Spiel nun wie ein Sitzungsmarathon. Alle heiklen Tagesordnungspunkte sind verhandelt, die Beschlüsse sind gefallen. Doch der Saal darf sich noch nicht leeren, es stehen noch an: TOP 403 (»Ehrung des Ältestenrats«) und TOP 404 (»Grußwort des Präsidenten«).

89.

Ha. Bums mich! Tor durch Roberto Firmino, da strahlt er, der mexikanische GAU. Nach Solo von Neymar, der von links in den Strafraum eindringt und per Schussversuch sanft hinüberlegt, muss Dr. Best's schönstes Monster nur noch einen Atemhauch gegen den Ball stellen, um die schweren Weichen Richtung Viertelfinale endgültig zu Gunsten Brasiliens zu verschieben.

90.

Sechs Minuten Nachspielzeit. Oder aus mexikanischer Sicht: Sechs Stunden zu wenig.

90. +3

Deutschland gegen die bisherigen Viertelfinal-Teilnahmer noch ungeschlagen bei dieser WM.

17.52 Uhr

Finito. Brasilien schlägt Mexiko mit 2:0. Was ungefähr so überraschend ist wie ein erneuter Sonntag diese Woche. Und am Ende ebenso verdient. Was also haben wir heute gelernt? Eben. Und das wird demnächst genau so abgefragt. Geht jetzt ins Lehrerzimmer, eine rauchen: der Liveticker. Tschöseppe, liebe Freunde.