Chile

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Deutschland

Best of 2017: Das Confed-Cup-Finale im Liveticker

Testsieger

Chile kämpfte, Chile kratzte und Chile biss. Biss sich allerdings auch die Zähne aus an einer deutschen Mannschaft, die sich eiskalt und hochverdient den Confed Cup schnappte. Würde auch gerne mal einen Titel holen: der Ticker. 

19.40 Uhr

Hier geht es gleich los. Das Finale des vielleicht unwichtigen Fußballturniers der Welt. Trotzdem, wenn Deutschland nicht gewinnt, brennt hier der Baum. Es tickern: Max »Fuji-Cup« Dinkelaker und Tobias »Intertoto-Pokal« Ahrens.

19.45 Uhr

Soll noch einer sagen, dieses Turnier würde die Menschen nicht miteinander verbinden. 

19.50 Uhr

Was haben wir uns vorher über den Confed-Cup lustig gemacht. Als würde dort gar kein Fußball gespielt werden, sondern nur Hallen-Halma. Aber jetzt müssen wir sagen: Es war gutes Halma! Und die deutsche Mannschaft war uns sogar ein bisschen sympathisch, ein bisschen saugut, ein bisschen herzergreifend. Und während wir das schreiben, greifen wir geistesabwesend nach der Deutschlandfahne und hören uns selbst ganz leise »'SCHLAND« brüllen. 

19.54 Uhr

Wie wir den Confed Cup gesehen haben (Symbolbild).

19.57 Uhr

Puh, die Chilenen zeigen, dass sie heute Abend gewinnen wollen. Fressen einfach ihre eigene Hymne auf. Auf der Gegenseite liest Julian Draxler vom Zettel ab: »Brüüüüüh im Lichte...«

19.59 Uhr

Für Matthias Ginter (Weltmeister) ist es das dritte Finale innerhalb eines Jahres. Olympia, DFB-Pokal, Confed Cup. Und irgendwo in Dortmund hebt Marco Reus anerkennend das Gipsbein. 

1.

Anstoß. Und, so hart müssen wir das leider formulieren: Bisher kein fußballerischer Leckerbissen.

2.

Chile presst hier stärker als werdende Mütter bei Geburtsstunde neun. Auf der Suche nach einer guten Hebamme: der Ticker.

4.

Ungefähr so stellen wir uns das Passspiel zwischen Vidal (Bayern), Sanchez (Arsenal) und Jara (einst ein Jahr bei Mainz 05) vor.

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5.

Chile mit der ersten Großchance. Aber Aranguiz scheitert an Ter Stegen. Das hat er wohl in Leverkusen gelernt.

7.

Ein Freund sagt, die Chilenen sähen fast alle so aus, als wären sie grade frisch aus dem Knast entlassen worden. Ich finde: Er tut den Häftlingen im Allgemeinen damit Unrecht.

10.

Vidal, Sanchez, Vargas: Chile im Sturm mit mehr Technikern als ein Telekom-Betriebsausflug bei Schlechtwetterwarnung. 

11.

Bisher wird man das Gefühl nicht los, dass die Führung für Chile nur eine Frage der Zeit ist. Dass Jara, wie bereits erwähnt einst Ergänzungsspieler in Mainz, jetzt Deutschlands Shooting-Star Werner fast mühelos im Zweikampf besiegt, lässt dieses Gefühl nicht kleiner werden. Dass Vargas jetzt den nächsten chilenischen Abschluss hat, auch nicht. Naja. Immerhin keine emotionale Achterbahnfahrt.

14.

Jetzt aber mal die Deutschen. Flanke, Ecke, Kopfball Mustafi. Geht jedoch weit rüber. In diesem Fall also: leider keine Maßarbeit.

 

17.

Man muss es zur Beruhigung immer wieder gebetsmühlenartig vor sich hin raunen: Arturo Vidal ist auch nur ein Mensch. Arturo Vidal ist auch nur ein Mensch. Arturo Vidal ist auch nur ein Mensch. Ein Mensch wie du und ich. Ein Mensch mit Gefühlen. Hunger zum Beispiel. Weil er uns alle auffressen will. Verdammt. Wir sind besorgt.

18.

Das Petersburger Stadion reißt hier eine La-Ola-Welle nach der anderen ab. Schade, dass die Briten heut’ nicht spielen:

19.

Ter Stegen, der sich bisher mutstergültig für die Weltmeisterschaft empfohlen hat, lässt einen Ball klatschen, wie Oliver Kahn im Finale 2002. Sanchez verpasst nur knapp. Oben auf der Tribüne verzweifelt Ronaldo. Auch Löw nicht begeistert: »Ich glaub, ich nehm' den Lehmann mit.«

20.

TOOOOR für Deutschland. Diaz erinnert sich an die gute alte HSV-Schule, baut den Megabock gegen Werner. Der schiebt den Ball wie dein bester Feind an der Playstation nur noch quer rüber. Stindl locht lässiger ein als ein Profi-Minigolfer am letzten Loch. 

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23.

Entschuldigung, Dinkelaker drängte mich gerade, ihm Deutschlandfahnen auf die Wange zu malen. Jetzt geht's weiter. Wahrscheinlich mit mir allein, denn Kollege Dinkelaker sucht nach Public-Viewing-Möglichkeiten. 

26.

Immer, wenn ich die eifrigen Chilenen sehe, muss ich an den kleinen König Kallewirsch denken. In siener Paraderolle als Drache Murumesch: Marc Andre ter Stegen.

28.

Ob die Zeugwarte der DFB-Elf wohl Siegertrikots vorbereitet haben? Bestenfalls mit einem »Wir kommen wieder« in Regenbogenflaggenoptik, in denen die gesamte Mannschaft nach Abpfiff an Putin vorbeiläuft und Hände schüttelt. Und falls sie verlieren, gehen die Dinger an ein russisches Kinderheim. Das wäre mein Humor.

31.

Wie Julian Draxlers Tricks bisher funktionieren:

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34.

Die eigene U21 grade Europameister geworden. Die A-Nationalmannschaft amtierender Weltmeister. Und eine bessere B-Elf im Finale vom Confed Cup 1:0 vorne und auf dem Weg, auch diesen Titel zu gewinnen. Zum Glück neigt dieses Land nicht zu weltzerstörerischen Allmachtsfantasien. Wobei…

35.

Auf der anderen Seite muss man sich in Chile wohl eine andere Frage stellen: Sollte man die goldene Generation eigentlich langsam einschmelzen, strecken und zu extrem motivierten Ohrringen verarbeiten?

38.

Deutschland mit Platz zum Kontern. Zunächst verzieht Goretzka, dann vertändelt Werner. Aber: auch egal. Zumindest als Redakteur der »Bravo Sport«. Da muss man sich nur den Kopf darüber zerbrechen, aus wie vielen Teilen die Timo-Werner-Leon-Goretzka-Starschnitte bestehen werden. Knifflig.

40.

Bela Rethy lobt die Qualität der deutschen Chancen. Weil Draxler aus guter Position einen Meter daneben ballert. Auch unsere Kommentatoren waren einst bissiger. 

42.

Apropos bissiger: Wo war eigentlich Arturo Vidal in den letzten 15 Minuten?

43.

Isla flankt. Aber ungefährlich. Wenn es nach uns ginge, würde der Mann sowieso längst was anderes machen. Zum Beispiel auf der Suche nach einem Partner sein. Namens »Mabad«. Für den besten Doppelnamen aller Zeiten.

45.

Mit dem Halbzeitpfiff hat Goretzka die ganz dicke Chance zum 2:0. Aber, und auch das kann man ihm in diesem Moment positiv bis weltoffen auslegen, er lässt die Chilenen am leben. Vorerst. Danach geht es in die Pause. In der die Deutschen sich gegenseitig auf die Schultern klopfen können, taktisch noch ein paar Dinge besprechen werden und vielleicht ein energiehaltiges Getränk zu sich nehmen. Während die Chilenen sich ihre Tattoos nachstechen. Oder so ähnlich. Bis gleich. 

20.54 Uhr

Dem ZDF ist aufgefallen, dass Deutschland mehrere gute Fußballer besitzt. Mensch, irgendwie kommt uns das bekannt vor. Aber wählt selbst. 

20.56 Uhr

Frage mich übrigens seit Minuten, was an dem Doppelnamen »Mabad-Isla« (43.) so witzig wäre. 

21.03 Uhr

Fazit zur Halbzeitsendung: Die FIFA hat kein - wir wiederholen: kein! - Interesse an einem Skandal. 

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46.

Kam für Experten nicht überraschend: der Wiederanpfiff. 

47.

Was wir wissen: Chiles Blitztaktik war in der 1. Halbzeit nicht von Erfolg gekrönt. Dabei hätten sie nur Guido Knopp fragen müssen, um zu wissen, dass das in Russland nicht funktioniert.

49.

Draxler läuft zum Konter an, findet aber nur Stindl, den er eindrucksvoll mit einem Außenristpass anspielen kann. In Paris könnten sie auch mal wieder Flachpass auf die Tagesordnung stellen.

52.

Chile in der Offensive vs. Chile in der Defensive.

54.

Falls Tim Trompete oder irgendein anderer dieser Mallorca-Gesangs»künstler« gerade zusieht. »Er spielt solo« wäre mal ein passendes Stück für Draxler. Dribbelt sich gerade ohne Berührung durch fünf Chilenen wie eine Barkeeperin im Bierkönig in Bedrängnis von drei Jungesellenabschieden.

57.

Kimmich und Vidal geraten nach einem Freistoß aneinander. Der Schiedsrichter gibt beiden Spielern Gelb. »Wir sehen uns in München«, ruft Vidal seinem Mannschaftskollegen zu. Endlich haben die Bayern-Reporter wieder was zu schreiben. 

61.

Chile jetzt wie ein Bergsteiger beim Wechsel der Sauerstoffflasche. Verspürt die zweite Luft.

63.

Die Vorstellung, dass Arturo Vidal und Joshua Kimmich in ein paar Tagen in München zusammen einen Tee trinken gehen, um sich zu vertragen - wie von Bela Rethy grade vermutet - hat ähnlich viel mit der Realität zu tun wie die Action-Szenen bei Stirb Langsam 4.0. 

65.

Auftritt Video-Schiedsrichter: Weil Jara, der Ex-Mainzer, heimlich Timo Werner voll und absichtlich mit dem Ellenbogen im Gesicht gut Kick gewünscht hat, wird minutenlang im stillen Kämmerlein gesichtet. Und dann: Gelb. Statt Rot, was der Chilene zweifellos verdient hatte. Ein Hoch auf die Technik. Endlich geht es gerechter zu.

68.

Frage: Wenn dem Videoschiedsrichter der O-Saft über die Fernbedienung läuft und sich das Gerät aus Versehen und unwiderrufflich eigenmächtig auf Vox stellt: Darf der Mann dann wenigstens die Promi Shopping Queen des Feldes verweisen?

69.

Was hat Chile mit unserem betrunkenen Ich um 2:39 Uhr an einem Freitagabend in der Dorfdisko unseres Vertrauens gemeinsam? Den Versuch, den Gegenüber in Körperlichkeiten zu verwickeln. Natürlich erfolglos. 

72.

Das Spiel mittlerweile relativ unruhig. Man könnte fast sagen: ruckelig.

73.

Vidal mit der großen Chance. Drüber. Danach verprügelt er standesgemäß den Rasen. Der doch auch nichts dafür kann. Aber so ist es nun mal, am Ende trifft es immer die Falschen. 

75.

Und während die Chilenen sich dermaßen aufregen, weil ihnen ein Videobeweis, der ihnen auch nichts gebracht hätte, nicht vergönnt wurde, verstehe ich nicht, warum sich die AFD immer so aufregt. Werner, Rüdiger, Rudy: Deutscher geht es doch gar nicht. 

77.

Und wo wir grade von Rudy reden. Für ihn ja ein ganz besonderes Spiel. Immerhin der letzte Pflichspieleinsatz vor seinem Wechsel. Zu Schalke. Im nächsten Sommer.

80.

Die Chilenen scheinen allesamt ihr Biologiestudium erfolgreich absolviert zu haben; zeigen den Deutschen, wo der Frosch die Locken hat.

82.

Maradona (Symbolgif). 


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83.

Wenn hier noch mehr Videobeweis geschaut wird, heißt dieser Sport schon bald »Netflix&Chill«. 

85.

Und auch wenn der Confed Cup zuletzt in den Himmel gelobt wurde, sowohl was Spannung als auch Qualität anging, fußballerisch darf sich bis zur Weltmeisterschaft gerne noch was tun. Denn das hier ist nicht mehr als Vorrunde, 3. Spieltag, wenn beide Mannschaften schon ausgeschieden sind.

87.

Immerhin, Deutschland jetzt auf dem Weg den Confed-Cup zu gewinnen. Ein Pokal, so unbedeutend, dass ich nicht einmal weiß, ob man ihn mit oder ohne Bindestrich schreibt. Also, der Confed Cup / Confed-Cup in wenigen Minuten vielleicht in deutschen Händen. Zusammen mit der U21-EM. Alle Sommerlochtrophäen beim DFB. Wenn wir jetzt noch den ostdeutschen Fußball annektieren, dürften wir auf Jahre hin unschlagbar sein. 

89.

Emre Can im Infight mit der halben chilenischen Mannschaft. Legt sich auf den Ball, wird von drei Chilenen auseinandergezogen, erhält von Keeper Bravo einen Schwitzkasten aufs Haus. Wir schauen noch einmal nach, ob wir nicht längst im Abendprogramm von Tele5 gelandet sind. Schiedsrichter Mazic winkt gelangweilt ab, alles Scripted Reality.

90.+2

Fünf Minuten Nachspielzeit, weil hier ja mehr Video geschaut werden musste als in einem 90er-Jahre-Haushalt nachdem der Weihnachtsmann einen VHS-Rekorder unter den Baum gelegt hat. Ich freue mich schon auf die Nachspielzeitviertelstunde im Finale der WM 2022.

90.+4

Sanchez tritt zum Freistoß aus 18 Metern an. In der Nachspielzeit. Verzieht. Und auf der chilenischen Bank blickt Marcelo Diaz traurig in den Petersburger Nachthimmel.

90.+5

AUS! ENDE! Deutschland ist wieder Wer! 

22.02 Uhr

Irgendwie dann doch schön zu sehen, wie die Mannschaft auf den Platz stürmt. Sich wirklich, ehrlich, freut. Weil es eben doch drei Wochen Arbeit waren. Weil da vielleicht eine Mannschaft, die nie wieder zusammen spielen wird, zusammengewachsen ist. Weil sie ein Turnier gewonnen haben. Was will man von einem Confed-Cup mehr erwarten?

22.03 Uhr

Und dann, wer hätte das noch für möglich gehalten, wird sogar Julian Draxler im Interview sympathisch. 
Frage: »Was nehmen Sie von diesem Turnier mit?«
Draxler (lacht): »Ja, den Titel.«

Was für ein Schlusswort. 

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