Belgien

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Tunesien

Belgien - Tunesien im Liveticker

Romelu und Julia

Endlich Fußball! Belgien vermöbelt Tunesien, Romelu Lukaku schießt schon wieder zwei Tore und sogar ein Dortmunder trifft. Trifft meistens die falsche Entscheidung: der Liveticker. 

13:50 Uhr

Tachchen. Heute also WM-Tag 10. Und weil die 10 im Fußball ja eine ganz besondere Zahl ist - reserviert für die elegantesten Akteure - tickern wir heute mit herunterhezogenen Stutzen und schneeweißen Schuhen und in freudiger Erwartung darauf, den entscheidenen Freistoß in den Giebel zu setzen. Führen für euch Regie: Nicklas »Klaus Gjasula« Levinson, Max »Zafer Yelen« Dinkelaker und Tobias »Thomas Meggle« Ahrens. 

13:53 Uhr

Das belgische Team heute wie der Schulleiter der kleinsten Sonderschule der Welt: Besticht durch seine individuelle Klasse. 

13:55 Uhr

Belgien hier heute ganz in gelb. Eine junge, aufstrebende Mannschaft, die ausgezogen ist, um die etablierten Kräfte das fürchten zu lehren. Und BVB-Fans wischen sich eine Träne aus dem Augenwinkel und streicheln zärtlich ihr Mannschaftsfoto der Saison 2012/13. Schnief.

13:56 Uhr

Außerdem natürlich auch heute wieder mit dabei: Petra Pau.

13:58 Uhr

Wenn Kevin De Bruyne und Tunesiens Fakhreddine Ben Youssef nach dem Spiel nicht ihre Trikots tauschen, ist der Zusammenhalt unter den Rotschöpfen dieser Welt auch nicht mehr das, was er mal war.

1.

Anstoß Belgien. Und eine ganze schwarz-rot-goldene Nation fiebert mit.

2.

Die tunesischen Fans bejubeln jeden Drei-Meter-Pass ihrer Mannschaft. Und irgendwo in Sotschi sitzt Joachim Löw, krault sich irgendein Körperteil und denkt nach über das Wort Dankbarkeit. 

3.

Ein erster Freistoß verendet beim tunesischen Keeper. Die Worte »Kevin De Bruyne« und »misslungen« in einem Satz zu hören ist in etwa so irritierend wie die Kombination von »AfD« und »demokratisch«.

5.

Wäre ich ein Tunesier, würde ich den Belgiern jetzt erstmal irgendeinen Paragraphenreiter auf den Hals hetzen, denn: Für den Raketen-Auftritt, den die Belgier hier in den ersten Minuten hinlegen, brauchen sie mindestens einen gültigen Waffenschein. 

6.

Und wäre ich Ben Youssef, wäre ich diesem Zweikampf mit Eden Hazard lieber aus dem Weg gegangen. Statt ihn im Strafraum zu fällen. Aber ich bin nicht Ben Youssef und deswegen gibt es jetzt Elfmeter. Für Belgien. Bitter.

7.

1:0! Eden »Ich hau dat Ding einfach rein« Hazard lässt sich die Chance nicht nehmen und setzt den tunesischen Keeper auf den Hosenboden und den Ball links unten ins Eck.

10.

Wenn eine Wahrsagerin auf die glänzende Glatze von Roberto Martinez schaut, sieht sie dann, wie Belgien Weltmeister wird?

11.

Und da sage noch einer, die Roten Teufel seien am Ende und eine ganze Region würde sterben. Von wegen!

13.

Lukaku über rechts, sucht und findet Hazard in der Mitte. Der verstolpert aber. Aus Mitleid. Einfach ein fairer Sportsmann.  

14.

Und ein dermaßen feiner Fußballer, wäre er unser Hund, wir müssten ihn zur Belohnung dauernd mit Leckerlis vollstopfen.

15.

Gefällt dem inneren Jiri Nemec in uns: Es wird ruppiger. 

16.

Für Belgien ja fast ausschließlich Topstars auf dem Platz. Und: Dedryck Boyota. Der bei Celtic Glasgow spielt und den wir bis vor ein paar Tagen nicht mal kannten. Aber wie heißt es so schön: Nichts ist umöglich, Boyota.

17.

TOOOOOOOOOOOOOOOR für Belgien! Lukaku trifft nach Vorarbeit Mertens ganz locker ins lange Eck. Nach einer guten Viertelstunde führt Belgien hier schon mit 2:0. Wenn das so weitergeht, starten die Tunesier nach dem Spiel ihre eigene #WeToo-Kampagne.

19.

ANSCHLUSS! Tunesien ist wieder da. Kapitän Khazri lässt einen Freistoß in den Strafraum segeln und dort wartet auch schon wer? Bronn! Bzw.: LeBronn. Wie er in Tunesien seit diesem Tor zum 1:2 genannt wird.

20.

Drei Tore in den ersten 20 Minuten. Das letzte Mal als ich so gut unterhalten wurde, haben sich zwei meiner besten Freunde um sechs Uhr morgens auf einer Landstraße sturzbesoffen um die letzte Zigarette geprügelt.

21.

Das ist bitter: Kollege Levinsohn hat sich von all dem Hin-und-Her den Nackenbeuger gezerrt. Fällt wohl gegen Schweden aus...

23.

Ärgerlich für die Cavaliers: LeBronn muss runter. 

25.

Torschütze Bronn muss hier mit der Trage vom Feld gebracht werden und hält sich die Hände vors Gesicht: »Wäre ich doch nur bei Tyrion Lannister geblieben.«

27.

Lukaku wird schon wieder von Eden Hazard freigespielt, könnte alleine aufs Tor zulaufen, legt sich den Ball dann aber stümperhaft und viel zu weit vor. Er sollte weniger Fortuna-Düsseldorf-Spiele gucken. 

29.

Khazri bringt hier beim Stand von 1:2 einfach mal eiskalt eine Rabona-Flanke und schießt sich damit gleich in die Herzen der 11FREUNDE-Redaktion. Alle, die hier mal einen Rabona versucht haben, mussten danach sechs Wochen zur Krankengymnastik.

33.

Wie schön ein Fußballspiel sein kann, wenn zwei Mannschaften wirklich Fußball spielen wollen. 

32.

Sassi verzieht aus aussichtsreicher Position und reißt vor lauter Ärger das Trikot nach oben. Dabei entblößt er ein derart ausdefiniertes Sixpack, dass ich beim Schreiben dieses Worte kurz beschämt innehalten muss. Um mir das Pizzafett von den Fingern zu lecken.

36.

Das Spiel ist so attraktiv, Lothar Matthäus hat uns grade nach der Nummer gefragt. 

38.

Bisschen Kultur: »Endstation Sehnsucht« erzählt die Geschichte einer alternden Schönheit aus den Südstaaten. »Endstation Ben Youssef« erzählt vom Zerschellen eines wuseligen Belgiers namens Eden Hazard am tunesischen Abwehrchef, der schon mit bösem Blick aus dem Mutterleib gegrätscht kam.

39.

Endlich: Trinkpause.

42.

Von wegen! Syam Ben Youssef muss runter und dafür kommt jetzt Yohan Benalouane rein, der sogar noch ein bisschen gefährlicher aussieht als sein Vorgänger. Benalouane würde ich nicht nur freiwillig den Ball überlassen, sondern auch mein Portmonee.

44.

Bisher laufstärkster Tunesier: Der Mannschaftsarzt. 

45.+2

Khazri, der eben noch mit einer Rabona-Flanke zu begeistern wusste, passt das Leder unbedrängt ins Seitenaus. Die Höhen und Tiefen der menschlichen Existenz in eine Halbzeit gepresst. Shakespeare braucht dafür ganze Bücher.

45.+3

Die Belgier kälter als meine Ex-Freundin nach der Trennung. Meunier steckt durch auf Lukaku, der lupft den Ball über den tunesischen Keeper hinweg ins Tor zum 3:1. Lukakus vierter Turniertreffer. Und falls sie es grade irgendwo haben knallen hören: Keine Sorge, das war nur Ronaldos Faust, die mit voller Wucht in irgendeiner russischen Hotelwand landete.

14:52 Uhr

Pause im vielleicht besten Spiel der bisherigen WM. Belgien spielt wie ein Favorit, Tunesien spielt wie ein mutiger Underdog und Lukaku spielt wie ein waschechter Superstar. Spielt wie immer höchstens an sich selbst rum: der Liveticker. 

14:55 Uhr

Lukaku grüßt seine Mutter nach Toren mit einem Handkuss, klärt uns Alexander Bommes gerade auf. Wäre eigentlich auch eine geeignete Ausrede für Jogi Löw, um ganz ungehemmt die Hand zum Gesicht zu führen. Nachdem sie vorher noch .. woanders war.

14:56 Uhr

Wie gesagt, wir haben hier grade die beste Halbzeit der kompletten ersten WM-Woche gesehen, man könnte jetzt analysieren, man könnte sich die wunderschönen Tore anschauen, man könnte himmelhochjauchzen über Lukaku, diesen Sturmtank der Extraklasse. Aber: In fünf Stunden, sechs Minuten und 24 Sekunden spielt ja schon Deutschland, und, angeblich hat sich Mats Hummels den kleinen Zehnagel eingerissen, daher, liebe Zuschauer, gibt die ARD erstmal ab an Gerhard Delling. Logisch.

14:57 Uhr

Hannes Wolf redet von großen Netzen und kleinen Netzen. Über beschissene Netze kann er ja leider nicht reden, das wäre ja Schleichwerbung für E-Plus. 

15:03 Uhr

»Wer genau hinhört, weiß, die Zukunft ist längst da«, haucht mir die BMW-Werbung ins Ohr. Ich höre meinen Magen nach der Pizza grummeln und weiß: Ich muss ganz dringend auf Toilette.

46.

Ob die belgischen Nationalspieler sich in der Halbzeitpause haben konzentrieren können? Wo sie doch die kompletten 15 Minuten über Thierry Henry haben anhimmeln müssen...

48.

Thibaut Courtois holt hier mit einem langen Abschlag eine Ecke raus und hat damit bereits mehr für das Offensivsspiel seiner Mannschaft getan als Julian Draxler in 90 Minuten gegen Mexiko.

49.

Bessere Ideen, als Belgien Räume zum Kontern anzubieten:
- sich die Schuhe mit Messer und Gabel schnüren
- das Kind der neuen Flamme zum ersten Stripclub-Besuch überreden
- Tango tanzen mit Markus Söder

52.

LECK MICH FETT! Belgien macht den Sack zu, den Laden dicht, die Ente fett. Langer Ball auf Hazard, der pflückt den Ball runter wie einen reifen Apfel, hebt ihn über den herauseilenden Keeper und schiebt ihn dann ganz locker ein. 4:1 für Belgien, die sich hier zum absoluten Hyper-Duper-Topfavoriten spielen. Spätestens jetzt nähen wir unsere Fahnen um.

54.

Axel Witsel mit einem Pass ins Seitenaus und hinter ihm fuchtelt Boyata wild mit den Armen und schimpft. Witsel dreht sich überrascht um und fragt: »Eh, kennen wir uns?«

55.

Aber, Respekt: Tunesien macht stoisch und unbeirrbar einfach weiter. Nicht im Bild: Tunesien-Coach Maaloul, der am Seitenrand steht und mit seinen Händen die Merkelraute formt. 

58.

DIe Tunesier müssen einem aber auch leid tun. Im ersten Gruppenspiel gegen Engländer, die frühestens im Elfmeterschießen ausscheiden werden. Dann gegen Belgier, die möglicherweise bis ins Finale durchmarschieren. Und schon ist die Truppe nach zehn WM-Tagen wieder draußen. Als käme man auf die Party des Jahres, würde als erstes K.O-Tropfen gereicht bekommen und stünde dann mitten im Flunkyball-Zimmer. So oder so: Abfahrt.

60.

Bei Tunesien kommt Naim Sliti. Der hat angeblich einen Marktwert von sieben Millionen Euro. Beziehungsweise: 1 tunesischer Sliti = 30.225.000 polnische Zloti.

61.

Eden Hazard ist wie eine sehr, sehr schöne Frau, die einem unverhofft an einem verregneten Montagmorgen über den Weg läuft und kurz so aussieht als würde sie einen anlächeln. Man möchte sie gar nicht ansprechen. Man möchte einfach nur seinen Tag in tiefer Dankbarkeit dafür begehen, diesen magischen Moment sein Eigen nennen zu dürfen.

63.

Carrasco mit einem Schlenzer, der fast so perfekt sitzt wie seine Frisur. Aber eben nur fast. Denn nichts kann so perfekt sein wie die Frisur von Yannick Carrasco.

65.

Sonnenschein, ein Regenschauer und diese belgische Fußballmannschaft. Das Einzige, was diesen Augenblick zerstören könnte, ist eine Bandenwerbung von »Qatar Airways«.

70.

Die Tunesier geben einfach nicht auf. Wollen hier unbedingt noch ein Tor erzielen, sei es fürs eigene Ego, sei es für die Fans. Ein quasi aussichtloser Kampf um einen Teilerfolg. Oder wie es in Deutschland heißt: der Schulz-Effekt.  

69.

Das Spiel der Belgier ist derart schön und einfach zugleich, ich würde am liebsten ein Gemälde davon malen. Nicht abstrakt, sondern fotorealistisch. Mit Paint. Also etwa so:

72.

Tunesien hier nach 70 Minuten mit einem Hauch mehr Ballbesitz. Das »Stets bemüht« der Fußballstatistiken.

74.

Deutscher Talkshow-Dialog:
»Frau Weidel, warum ist das Spiel der Belgier gegen Tunesien nicht 4:4 ausgegangen?«
»Daran waren die Nordafrikaner Schuld!«

80.

Michi Batshuayi lässt hier das zweite dicke Ding liegen und knallt den Ball aus fünf Metern unter die Latte. Freut sich mit Abstand am meisten über diese vergebene Chance: Michael Zorc.

81.

Michy Matshuay mit mehr Chancen als Hugh Heffner zu seinen besten Zeiten. Aber: Michy Batshuay auch wie ein katholischer Priester: vergibt alles. 

83.

Belgien bisher die spielstärkste Mannschaft im Turnier. Wenn mich der Fußball eins gelehrt hat, dann, dass die Roten Teufel wahrscheinlich im Viertelfinale die Segel streichen und Argentinien sich noch irgendwie zum WM-Titel würgt.

85.

Wenn wir die Rufe aus dem Stadion richtig hören, schreien 40.000 Menschen grade »BRA-SI-LIEN, BRA-SI-LIEN«. Wir finden: Ganz so schlecht hat Tunesien nicht gespielt...

87.

Die Belgier mit einem letzten Wechsel. Wer den Spieler nicht erkennt haben sollte, dem sei ein Gang zum Optiker nahegelegt. Brille: Tielemans.

88.

Ich lege mich fest: Das sind die besten Roten Teufel seit Crunchips nicht mehr Kaiserslautern sponsert.

89.

Entweder ist es in Moskau so heiß, dass es im Stadion von der Decke tropft oder wir kapieren das russische Wetter nicht. 

90.

Und jetzt endlich: Batshuayi trifft, weil er quasi in die Flanke fällt, technisch durchaus anspruchsvoll. Und wir halten fest: Es war nicht alles schlecht unter Peter Stöger.

90.+3

KHAZRIIIIIIIIIIIIIIII, Tunesiens Nummer 10 trifft hier zum 5:2. Und das hat er, das haben sich die Tunesier verdient, die heute eindrucksvoll gezeigt haben, dass man auch in Würde hoch verlieren kann.