Bayern München

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Hamburger SV

Bayern gegen Hamburg im Liveticker

Das dreckige halbe Dutzend

Ein Spiel wie ein gandenloser Kriegsfilm: Das HSV-Tor unter Dauerfeuer, die Hamburger Spielanlage ein einziger Kollateralschäden. Mit Lee Marvin als Riberys Solo und Donald Sutherland als sterbende HSV-Hoffnung. Mittendrin: Der Ticker. 

15:13 Uhr

Freunde, herzlich willkommen zum Liveticker. Aber was sollen wir sagen: Freuen tun wir uns ganz sicher nicht. Eher haben wir ein beklommenes Gefühl im Bauch, als würden wir gleich einer Hinrichtung beiwohnen müssen oder hätten eine 90-minütige Elendstourismus-Tour durch den schlimmsten Slum der Welt gebucht. Spaß machen wird das nicht, so viel ist klar. Wir versuchen es trotzdem.

15:15 Uhr

Aber hey, schlimmer geht immer, versuchen zumindest Hasan Salihamidzic und Lothar Matthäus zu beweisen, die sich im Interview derart ankumpeln, dass der Bildschirm von Innen beschlägt. Kann aber auch sein, dass das daran liegt, dass sich Calli gerade bewegt hat und das ist einfach Schweiß...

15:18 Uhr

Mal ernsthaft: Wie will der HSV hier irgendwas holen, fragen wir uns. Aber da haben wir Bernd Hollerbach und seinen Einfallsreichtum anscheinend unterschätzt. Dieser Fuchs.

15:20 Uhr

Der FC Bayern unterdessen mit dem gegen den HSV in den letzten Jahren erfolgreichen L-O-L-System.

15:22 Uhr

Sitzen übrigens gerade in der Redaktion und Kollege Ahrens guckt auf einem Laptop nebenher noch das Spiel des SV Meppen, der gerade das 1:1 gemacht hat, worüber Ahrens sich rührend freut. Ist das dieser Second Screen, von dem alle reden? Und dabei dachte ich, im Emsland wäre der Second Screen üblicherweise das Display einer Melkmaschine...

15:24 Uhr

Ich frage mich auch ernsthaft, was das für Leute sind, die heute beim FCB ins Stadion gehen. Sind das die gleichen Menschen, die seit neuestem Sanitäter bei der Arbeit behindern und auf der Autobahn extra langsam fahren, um einen Unfall auf der Gegenfahrbahn zu filmen?

15:26 Uhr

Schlechte Laune übrigens im Netz, wo sich alle Welt über die Aufstellung des HSV aufregt. Ich sach mal so: Wenn das Universum gerecht wäre, dann würde Sven Schipplock heute in der 90. Minute den Siegtreffer zum 1:0 schießen.

15:27 Uhr

Spiel verzögert sich übrigens um wenige Minuten, weil sich die Einlaufkinder weigern, mit den HSV-Spielern aufzulaufen.

15:28 Uhr

Zwei Minuten noch. Irgendwo in London rennt Per Mertesacker eilig aufs Klo.

15:29 Uhr

Also so wie Schipplock gerade im Spielertunnel guckt, wundert es mich, dass er sich nicht gleich ein paar Autogramm holt.

15:30 UHr

75.000 Menschen im Stadion. Und Christian Mathenia ist trotzdem ganz alleine.

1.

Anstoß. Hamburg hat die Seitenwahl verloren. Geht ja gut los hier.

2.

Feiner Schachzug vom Hamburger Zeugwart, der seine Mannschaft komplett in Weiß hat auflaufen lassen. Wenn das »weiße Ballett« aus Madrid auftritt, haben die Münchener ja meist die Buchse voll. Bin aber skeptisch, ob der Effekt nicht auf Länge verpuffen wird.

3.

Noch kein Gegentor. Ein erster Teilerfolg.

4.

»Gut mitgemacht von Schipplock«, urteilt Frank Buschmann mit der drittschlimmsten Bewertung, die ein Bundesligastürmer erhalten kann. Nach: Toll angelaufen und gutes Raumgefühl.

4.

Vidal sieht Gelb nach einer Grätsche an Diekmeier. Aber absolut richtig vom Chilenen, dass er das Foul zieht. Wenn man den Diekmeier 60 Meter vorm eigenen Tor nur ein bisschen Raum schenkt, dann klingelt's.

5.

Mache gleich den Ton aus und höre nur noch Kollege Reich zu, der auf den Fernseher starrt, das Münchener Angriffsspiel sieht und Töne von sich lässt, als würde er sich in die Hand schneiden. Dreimal pro Sekunde. »Oha... Tsss. Auauaua. Jetzt aber! Arrgh!«

7.

Und da ist es auch schon passiert. Von Lewandowski gelangt der Ball über ein Hamburger Bein zu Franck Ribery. Der macht's wie ein Bewohner des Reeperbahnviertels: lässt alles und jeden stehen, der sich ihm in den Weg stellt. Und trifft. 1:0 für die Bayern. »Bisschen unglücklich«, sagt Buschmann. Und verteilt damit ungewollt den neuen Hamburger Vereinsclaim: »Hamburger SV - bisschen unglücklich«.

9.

»Ein Schuss. Ein Tor. Die Bayern«, singen die Münchener Fans. Und unten auf dem Platz wollen sie ihnen Recht geben.

12.

2:0 Bayern. Lewandowski. Kein Scheiß.

13.

Buschmann hatte gerade vor dem zweiten Gegentor gewarnt. Jetzt trifft Lewandowski, weil er im Strafraum freier ist als jede Friedenstaube. »Da kann ein Reporter nichts zu«, versichert Buschmann. Nicht zu sehen, wie er seine Hände in Unschuld wäscht.

15.

Fun Fact am Rande: Franck Ribery hat übrigens gerade das 51.000 Tor der Bundesligageschichte gemacht. Ich sach mal so: Der HSV kann sich glücklich schätzen, wenn Ribery hier heute nicht noch das 52.000 macht.

17.

Dass der HSV übrigens trotzdem immer noch eine große Nummer ist, erkennt man daran, dass sie die Bayern für Bernd Hollerbachs Abschiedsspiel gewinnen konnten.

20.

3:0 für die Bayern. Diesmal war es der Medizinkoffer, den die Bayern vorne reingestellt haben, um Spieler zu schonen.

23.

Leute, zwei erstaunliche Dinge sind gerade passiert: Der HSV hatte eine gefährliche Situation im Strafraum der Bayern. Und: Franck Ribery hat ein Laufduell verloren. Zwei Dinge, die ich das letzte Mal gesehen habe, als Christian Lell noch auf dem Sprung in die Nationalelf war und t.a.t.u Nummer eins in den Charts.

25.

Erster Wechsel beim HSV: Diekmeier geht runter, Janjicic kommt. Clever, das ist der einzige, der beim HSV in letzter Zeit Punkte geholt hat.

29.

Kleines Tippspiel, wie das Ding hier heute ausgeht:
9:0
7:0
13:1
3.14159265359:0
2314:Ohgotthörtbitteauf
Lewandwoski:Schipplock
FSK:18
S:O:S
W:T:F

30.

Wir schalten live in eine Hamburger Fan-Kneipe.

via GIPHY

32.

Hollerbachs Blick auf die Videoleinwand der Arena erinnert an meine Schulzeit. »Waaas?! Wieder erst fünf Minuten rum? Das kann doch gar nicht sein, ich hab doch vor einer Stunde draufgeguckt! ... Waaas?! Immer noch 16:02?!«

33.

Der HSV kann jetzt eigentlich nur noch versuchen, den Platzverweis für Vidal zu provozieren. Sonst sieht's hier schlecht aus. Meine Meinung.

34.

Drei Torchancen in nur einer Minute. Wenn das Hamburger Tor weiter so unter Dauerfeuer steht, bauen sie an der Elbe gleich wieder Luftschutzbunker.

36.

Fragen am Nachmittag - Teil 1: Würde der DFB es eigentlich ahnden, wenn sich die Zuschauer im Telekom-T als riesiger Mittelfinger umsetzen würde?

38.

Von Kollege Reich nur noch verächtliches Schnauben zu vernehmen. Dann: »Mein Gott, ist das alles traurig.«

41.

Also so wie ich das sehe, braucht der HSV keinen neuen Trainer, die brauchen einen guten Palliativmediziner.

44.

Das Schlimme an den Bayern ist ja auch, dass sie nie aufhören. Dass sie immer einfach weitermachen, auch wenn der Gegner am Boden liegt. Ich wünschte, Oli Kahn hätte damals nicht »Weiter, immer weiter« gegrölt, sondern »Leute, bitte, jetzt macht mal ruhig und lasst die anderen auch mal.«

45.

Buschmann hat mittlerweile auch so einen mitleidigen Ton drauf. Als würden wir alle hier einer 90-minütigen Beerdigung beiwohnen. Kollege Ahrens und ich holen schnell unsere Notfall-Anzüge aus dem Schrank. Und irgendwo steht Heribert Bruchhagen und spielt »Spiel mir das Lied vom Todt«.

16:17 Uhr

Pause. Für den HSV jetzt die Chance, sich in den Mannschaftsbus zu setzen und einfach wegzufahren. Wer würde es ihnen verdenken?

16:24 Uhr

Ich glaube, die einzig mögliche Weise, das Spiel jetzt in der Halbzeitanalyse einzuordnen, wäre, wenn Reiner Calmund ein Pfund rohes Schweinefleisch auf den Tisch legen und es wortlos verzehren würde, während die Kameras gnadenlos draufhalten. Und nach und nach würden die anderen Experten anfangen zu weinen und zu erbrechen, die Kameras würden auch das einfangen, dann würde auch Calli anfangen zu weinen und zu würgen, mit blutverschmiertem Mund, und dann, nach zehn Minuten würde es weitergehen.

16:27 Uhr

Was die Kameras nicht zeigen: In der Pause bilden die Leute aus dem Telekom-T das Logo von Tena-Men.

16:29 Uhr

Passend, dass gerade Werbung für den neusten Rasierer von Braun läuft. Jetzt wo der HSV die Hälfte seiner Rasur hinter sich hat.

46.

Auch das kann die HSV-Defensive nicht verhindern: Bayern stößt an.

47.

Der Humor des Hamburgers ähnlich wie die Spielweise seiner Mannschaft: vorhersehbar. 



(via twitter.com/dk_hamburg_1887)

48.

Vielleicht sollte sich die Mannschaft künftig als Hobbytruppe ausgeben. Buschmann dann: »Mathenia chancenlos. Wer will es ihm verdenken? Arbeitet unter der Woche ja als Schlosser. Aber tolles Erlebnis hier für ihn.«

49.

»Gott sei Dank«, keucht Reich, als Müllers Hackentrick nur knapp das Hamburger Tor verfehlt. Denn die Bayern jetzt wie auf dem Bolzer, wenn der übermächtige Gegner irgendwann ausruft: »Nur noch schöne Tore zählen!«

51.

Sowieso wäre mein Respekt an den HSV ja sofort wiederhergestellt, wenn sich Hollerbach nach dem Spiel in alter Kreisklassen-Manier aber todernst erklären würde: »Ja, gut, eigentlich waren wir gut im Spiel. Aber dann kriegen wir ein ganz dummes Gegentor. Und sieben Konter obendrein. Da bist du machtlos.«

52.

Buschmann hat gerade »Thor - Tag der Entscheidung« (Jetzt! Im Sky! Store!) auf eine Art und Weise angekündigt, die wir Ihnen ersparen. Ernsthaft, keine Pointe.

54.

4:0 durch Robben. Und wenn der Mann heute Abend seine Hosentaschen entleeren wird... 

56.

Buschmann vergleicht jetzt den Hamburger SV mit Hertha BSC. Bei aller Liebe, Herr Preetz, man muss sich auch nicht alles gefallen lassen.

58.

Der HSV wie ein DDR-Kaufmannsladen während der großen Rezession: hat nichts zu bieten.

60.

Bayern steht jetzt im Halbkreis am Hamburger Strafraum. Passt sich den Ball zu, steckt mal durch, spielt wieder zurück. Noch wenige Minuten und der Deutsche Handball-Bund überreicht die Meisterschale.

63.

»Wir müssen den Bock umstoßen«, sagte Hollerbach ja zuletzt wiederholt. Hier die Livebilder:

via GIPHY

66.

Oha, Tolisso und Janjicic treten sich am Sechzehner gegenseitig derart gegens Schienbein, dass jeder weitere Pressschlag in Zukunft »Papa« zu den beiden sagen wird. Tolisso muss raus, Janjicic bleibt drin. Verstehe ich nicht. Einen besseren Freibrief, um aus dem Spiel genommen zu werden, wird er heute nicht mehr bekommen.

70.

Als ich so 18 Jahre alt war, hatte ich eine Phase, in der ich ganz gerne mal Horrorfilme geguckt habe. Nur dass es mich irgendwann genervt hat, dass die Protagonisten natürlich immer die falschen Entscheidungen treffen. Die Treppe hochgehen, wo der Killer lauert. Den Schrank öffnen, in dem das Monster sitzt. Den Autospiegel so richten, dass der Axtmörder auf der Rückbank ins Bild kommt. Irgendwann hat mich das so genervt, dass die Figuren immer die offensichtlich dümmste Entscheidung treffen, dass ich einfach aufhörte, Horrorfilme zu gucken. Und ich glaube, auf die selbe Art und Weise werde ich aufhören, HSV-Spiele zu gucken.

73,

Neu im Spiel beim HSV: Joshua Vagnoman. Der Bub ist Jahrgang 2000 und guckt bei der Einwechslung, als müsste er im Matheunterricht ohne Hausaufgaben an die Tafel, wo er eine Funktion ausrechnen muss, die er nicht ausrechnen kann. Was der Junge Montag morgen vielleicht ja auch tun muss. Aber wahrscheinlich wird es ihm mehr Spaß machen, als jetzt hier ins Spiel zu kommen.

75.

»Die Amerikaner haben für diese Phase im Spiel einen schönen Ausdruck«, sagt Buschmann. Ich kaufe ein U und möchte lösen: »Abfuck«.

77.

Viele Leute mögen sie, aber keiner will es zugeben. Außerdem seit Jahren keinen Erfolg gehabt, nur diesen einen, der davon handelt, wie es früher war: Man kann es mittlerweile leider nicht mehr anders sagen: Der HSV ist das Nickelback des Fußballs.

82.

5:0 Ribery, der einfach mal drei HSVer umkurvt und lässig einschiebt. Wenn er jetzt noch Zylinder tragen und mit E-Gitarre vor einer Kirche in der Wüste Kaliforniens stehen würde, wäre das das schönste Solo, das ich je gesehen habe.

84.

Sky übertreibt meines Ermessens mit der hauseigenen Werbung. Übertragen jetzt seit einer halben Stunde die Pilotfolge von »The Walking Dead«.

85.

Hierzu ein kurzer Blick in den verzweifelten Auswärtsblock: 

86.

Elfmeter für Bayern. Lehmann läuft an... 

86.

... aber Lewandowski hat keine Ruhe, will nicht warten und verschießt. Bezeichnend. In dieser Form kein Champions-League-Anwärter.

87.

»Mit solch einer Leistung gehört man aber auch nicht in die Bundesliga«, sagt Matthäus. Unklar, ob er damit sich, Buschmann oder den HSV meint. 

88.

Der nächste Elfmeter, wieder Lewandowski und diesmal ist's ein Tor. Das ist nicht mehr witzig. 

90.

Schiedsrichter Dingert pfeift ab, möglicherweise sogar vor Ablauf der regulären Spielzeit, und ist damit heißer Anwärter auf den Ehrenamtspreis 2018. Herzlichen Glückwunsch.

17:20 Uhr

Schön, sagen Bayern-Fans, dass sich die Mannschaft vor der schweren internationalen Woche etwas schonen durften. Aber natürlich, es wird ja auch viel Kraft benötigen den 5:0-Hinspielsieg in Istanbul zu verteidigen.

17:21 Uhr

Kurz wird Christian Mathenia gezeigt, der, auf den Knien gestützt, einen völlig benommen Eindruck macht. Und unweigerlich muss ich an eine brutale Niederlage von Nikolaj Walujew, dem fleischgewordenen Riesenboxer, denken. Der Hamburger SV, das schlechteste Schwergewicht der Bundesliga. Und wir haben noch acht Runden vor uns.