Zur Verabschiedung: Schalkes Coke über Fußball und Theater

»Im Sommer dachte ich an einen Wechsel«

Sie scheinen nicht viel zum Leben zu brauchen. Denn auch in Sevilla wohnten Sie in einer kleinen Wohnung mitten in der Stadt.
Na klar. Ich habe Ihnen ja bereits gesagt, dass ich gerne ins Theater oder zu Konzerten gehe. Da ergibt eine Mietwohnung im Zentrum am meisten Sinn. Sevilla ist eine Stadt zum Leben und Genießen. Da braucht man keine große Wohnung oder ein großes Auto. Zumal die Straßen dort sehr eng sind. Da bin ich einfach mit dem Rad gefahren.

Und mussten dauernd Passanten winken?
Ja, ja. Du bist gefahren und von überall rief jemand »Oh, Coke, was machst du hier?« oder »Coke, was war los am Wochenende?« Das war schon lustig. Hier in Deutschland wohne ich in Düsseldorf und fahre auch sehr oft mit dem Fahrrad. Aber hier muss ich nicht so viele Leute auf der Straße grüßen (grinst).

Wie haben Sie sich generell in Deutschland eingewöhnt?
Das Wetter ist natürlich etwas kälter, aber ansonsten fühle ich mich wohl. Franco di Santo hat mir sehr bei der Eingewöhnung geholfen, er ist ein wirklich enger Freund geworden. Gerade nach meinem Kreuzbandriss gleich in den ersten Tagen hat mich der Zuspruch des Vereins und der Fans hochgezogen. Das war sehr wichtig für mich.

In der vergangenen Saison erlitten Sie den Kreuzbandriss, in dieser Saison setzt der Trainer nicht mehr auf Sie. Haben Sie Ihren Wechsel zum S04 bereut?
Nein, die Verletzung kann dir als Profi überall passieren, das Gleiche gilt für die Entscheidung des Trainers. Ich muss einfach daran arbeiten, wieder häufiger auf dem Platz zu stehen. Ich habe aber trotz allem eine gute Beziehung zu meinen Kollegen und auch zum Trainer.

Sein erstes Spiel von Beginn an absolvierte Coke ausgerechnet im Derby gegen Dortmund im Frühjahr 2017. Foto: imago.

Domenico Tedesco sieht Sie nicht in der Dreierkette, sondern im Mittelfeld. Was meinen Sie dazu?
Ich habe mein Leben lang als Rechtsverteidiger gespielt, hauptsächlich in der Viererkette. Nun spielen wir nicht mehr in diesem System, aber ich kann auch in der Dreierkette rechts verteidigen. Die Position im rechten Mittelfeld oder auf der Sechs traue ich mir auch zu, das wäre kein Problem.

Stimmt es, dass Sie im Sommer den Klub wechseln wollten?
Wir haben das zumindest diskutiert, auch mit Christian Heidel. Für mich ist einfach wichtig, nach so einer schweren Verletzung wieder regelmäßig auf dem Platz zu stehen. Ich muss abschätzen, wie mein Körper auf die Belastung der Spiele reagiert. Ich hoffe, dass ich bald wieder die Chance dazu bekomme.

Zum Abschluss: Wo sehen wir Sie nach Ihrer Karriere? Auf der Bühne oder gar in einer Redaktion? Schließlich haben Sie in Madrid auch Journalismus studiert.
Ja, ich bin zwar zur Uni gegangen, aber ganz ehrlich: Das Journalismus-Studium hat mir nicht sehr viel Spaß bereitet. Mir war das Ganze etwas zu theoretisch und zu wenig praxisbezogen. Im zweiten Jahr hatten wir dann auch noch viele Trainingseinheiten am Nachmittag und ich schwänzte deshalb viele Vorlesungen. Also: Ich werde wohl eher im Theater als in einer Redaktion anzutreffen sein. Dann aber nicht auf der Bühne, sondern dahinter.