Zum Jahrestag: Wie David Odonkor und Oliver Neuville ihr Tor gegen Polen erlebten

»Mir fehlte die Technik von Okocha«

Wie ist es bei Ihnen, Oliver Neuville: Welcher war der schönste Treffer Ihrer Profikarriere?
Neuville: Ich habe das Tor des Jahres 2006 geschossen.
Odonkor: (Applaudiert.)
Neuville: Es war kurz nach der WM 2006. Die anderen waren lange im Training, und ich kam erst an einem Dienstag an, am Mittwoch war schon ein Testspiel gegen Galatasaray. Normalerweise hätte ich das ausgelassen, aber es war die Saisoneröffnung. Also hat mich Jupp Heynckes (2006 Trainer von Borussia Mönchengladbach, d. Red.) gefragt: »Willst du trotzdem kurz spielen? Zehn Minuten, Viertelstunde?« Und ich sagte: »Ja, warum nicht?« Zwei Minuten nach meiner Einwechslung traf ich per Hacke.
Odonkor: Daran kann ich mich gar nicht erinnern. Aber ich war mittlerweile schon in Spanien, und dort hatte ich keinen Fernseher.
Neuville: Ein anderes wichtiges und schönes Tor: Halbfinale Champions League, Leverkusen gegen Manchester United. Gegen Fabien Barthez. Da bekomme ich an der Strafraumgrenze einen Pass. Ich drehe mich blitzschnell, schieße, und der Ball geht unter die Latte. Es war das Tor, das uns ins Finale brachte.

Welche Stürmer haben Sie früher begeistert?
Odonkor: Meine Helden waren Okocha und Ronaldo, also der alte.
Neuville: Marco van Basten. Er war der kompletteste Stürmer. Ich konnte nur mit rechts schießen, er konnte alles.
Odonkor: Ich hatte zwar Ronaldos Schnelligkeit, allerdings habe ich ein paar Tore weniger geschossen. (Lacht.) Vielleicht weil mir die Technik von Okocha fehlte. Letztes Jahr habe ich ihn übrigens getroffen.



Jay-Jay Okocha?
Odonkor: Genau. Bei einem Benefiz-Event haben wir gegeneinander gespielt. Was für ein geiler Zocker. Immer noch. Wir haben später ein gemeinsames Foto gemacht. Ich hätte nie gedacht, dass ich so einen mal treffe.

Sie waren bei der WM 2006 und der Europameisterschaft 2008 dabei und sind dort Legenden wie Francesco Totti, Henrik Larsson oder Carlos Tevez begegnet. Man sollte meinen, dass Sie an Weltstars gewöhnt sind.
Odonkor: Das ist etwas anderes. Okocha war mein Vorbild von klein auf – und auf einmal stand er vor mir. Ich habe mich gefreut wie ein Kind.

David Odonkor, Oliver Neuville, das Tor gegen Polen liegt nun zwölf Jahre zurück. Wie oft müssen Sie davon erzählen?
Odonkor: Manchmal. Ich freue mich dann immer, wenn Leute mir sagen: »Danke, das war toll.« Dann weißt du, dass du etwas richtig gemacht hast in deiner Karriere. Du hast gut gespielt und alles gegeben, und die Leute werden sich auch noch in 20, 30 Jahren an diesen Moment und an uns erinnern. Im Fußballmuseum hängt sogar ein Foto von uns. Es gab so viele Weltmeisterschaften, aber wir sind mit einem Bild dabei. Das macht mich sehr stolz.
Neuville: Ich werde das Tor nie vergessen. So einen Moment wird es für uns nicht noch einmal geben.