Zum Jahrestag: Wie David Odonkor und Oliver Neuville ihr Tor gegen Polen erlebten

»Ich hatte zwei Trikots an«

Und Oliver Neuville?
Odonkor: Wir sind 2006 Freunde geworden. Ab und zu kicken wir noch zusammen bei Traditionsturnieren. Neulich, bei einem Sponsoren-Cup wurde ich sogar Torschützenkönig.
Neuville: Du? Da war ich nicht dabei!
Odonkor: Da habe ich 13 Tore gemacht!
Neuville: Gegen Leute, die noch nie Fußball gespielt haben. 
Odonkor: Es war ein Erfolg.
Neuville: Für dich vielleicht.

Wie schießt man denn eigentlich das perfekte Tor?
Neuville: Im Einfachen liegt oft das Geniale. Nehmen wir Lionel Messi: Er lässt das Toreschießen leicht aussehen. Ähnlich ist das bei Cristiano Ronaldo. Beide schießen so viele Tore, weil sie das Spiel nicht unnötig kompliziert machen. Ich trainiere die U19 von Borussia Mönchengladbach, und meine Jungs versuchen sich ständig an Kunstschüssen, bei denen sie den Ball mit dem Spann so schießen, dass er aufs Tor flattert. Von zehn Versuchen geht vielleicht einer rein. Wenn sie aber gezielt mit der Innenseite schießen, sind es drei oder vier.


Foto: Paul Konciewicz

Haben Sie ein Lieblingstor?
Neuville: Marco van Basten, EM-Finale 1988 gegen die UdSSR. Da hat alles gepasst. Langer Ball, diagonal, und er jagt ihn direkt volley in den Winkel. Hätte ich das gemacht, würden sie den Ball heute noch suchen.
Odonkor: Ich kann mich an ein Tor von Jay-Jay Okocha erinnern. Als er für Paris gespielt hat. Da hat er den Ball von der Mittellinie in den Winkel gehauen. Anstoß – und bumm. Traumhaft.

Haben Sie selbst schöne Tore geschossen?
Odonkor: So viele habe ich ja nicht gemacht. (Lacht.) Aber eins fällt mir ein: Nationalmannschaft, in Köln gegen Rumänien. Da wollte Poldi den Ball gesteckt bekommen, aber ich laufe weiter und mache ihn selber rein. Das war super. Oder mein erstes Tor für Dortmund, gegen Rostock. Da hatte ich zwei Trikots an.

Wieso?
Odonkor: Weil ich ein gutes Gefühl hatte. Ich wusste, wenn ich reinkomme, mache ich eine Hütte. Dann hat Frings mir den Ball perfekt aufgelegt, ich brauchte nur noch 30 Meter zu laufen, und dann schoss ich das Ding in den Knick – mit der Pike. Danach habe ich das zweite Trikot einem Rollstuhlfahrer geschenkt, dem ich es vorher versprochen hatte.
Neuville: Und von da an hattest du jedes Spiel zwei Trikots an?
Odonkor: Nein.
Neuville: Hättest du mal machen sollen.
Odonkor: Nein, Oli. Das war ein besonderer Moment. Das kann man nicht immer haben.