Zum Jahrestag: Wie David Odonkor und Oliver Neuville ihr Tor gegen Polen erlebten

»Sogar Oliver Kahn hat gelacht«

Gab es nach dem Sieg gegen Polen in Dortmund auch eine kleine Feier?
Neuville: Es ging sofort zurück nach Berlin – und dann direkt ins Bett.

Nicht mal ein Bier?
Neuville: Doch, klar. Ein Bier.
Odonkor: Für dich vielleicht – plus Zigarette! Am nächsten Morgen bin ich früh aufgewacht, obwohl wir eigentlich ausschlafen durften. Dieser Regisseur hat mich geweckt. Wie hieß er gleich?
Neuville: Sönke!
Odonkor: Genau, Sönke (Wortmann, d. Red.) mit der Kamera. Der ist schon früh durchs Hotel geschlichen. Dabei ist die Szene aus dem Sommermärchenfilm mit der Zahnbürste entstanden. Ich war im Tiefschlaf, und auf einmal klopft es an der Tür. Aber ich wollte noch pennen und bin einfach liegen geblieben. Eine Stunde später bin ich aufgestanden, habe Zähne geputzt, da klopfte es wieder. Ich habe aufgemacht, und da lief die Kamera von ihm auch schon.



Hat Sönke Wortmann Sie genervt?
Odonkor: Wir haben die Kamera irgendwann nicht mehr wahrgenommen. Sönke war wie ein Geist.
Neuville: Der gehörte dazu.

Gucken Sie sich die Dokumentation denn manchmal noch an?
Neuville: Wir waren bei der Premiere dabei. Danach habe ich den Film noch einmal gesehen.
Odonkor: Ich habe sieben oder acht DVDs davon zu Hause. Aber die sind alle noch verschweißt.
Neuville: Ich habe öfter den Film von 2002 geguckt.

Es gibt einen Film über die WM in Japan und Südkorea?
Neuville: Einen rein internen. Den hat Sepp Maier mit einem Uralt-Gerät gedreht. Mittlerweile ist der Film verschollen. Aber der war sensationell. Hast du den gesehen?
Odonkor: Nö.
Neuville: Mist. Bei Sepp hast du auch nicht gemerkt, wenn er gefilmt hat. Der war sowieso super. In Japan hatte er immer Schnupftabak in der Tasche. Manchmal ließ er die Einheimischen probieren, die so etwas noch nie gesehen hatten.

Bei der öffentlichen Präsentation der Nominierten für die WM 2006 wurde für jeden Spieler ein Pappaufsteller entworfen. Für Sie gab es keinen, David Odonkor. Was war passiert?
Odonkor: Die Medienabteilung hatte nicht mit meiner Nominierung gerechnet. Ich war ja auch überrascht, denn eigentlich hatte ich längst für die U21-EM geplant.

Auch viele Fans wunderten sich über Ihre Berufung. War sie verdient?
Odonkor: Ich finde: ja. Ich hatte in der Bundesliga 33 von 34 Spielen gemacht und meine beste Saison für Dortmund gespielt.

Sie stießen als 22-Jähriger ohne Länderspiel zur Mannschaft. Wie groß war der Respekt vor Spielern wie Michael Ballack oder Oliver Kahn?
Odonkor: Ich kannte glücklicherweise Christoph Metzelder und Sebastian Kehl. Außerdem gab es noch andere junge Spieler, die mir die Eingewöhnung erleichtert haben, etwa Marcell Jansen oder Lukas Podolski. Und nach zwei, drei Tagen wurde eh alles lockerer. Ich konnte beim Essen auch mal einen Witz machen – und sogar Oliver Kahn hat gelacht.