Zum Geburtstag: Giovane Elber im großen Karriere-Interview

»Also habe ich gefeiert. Und zwar richtig«

Vor allem mit Fredi Bobic verstanden Sie sich blind.
Wir kamen im gleichen Sommer zum VfB und waren beide kleine Nummern im Geschäft. Also teilten wir uns direkt ein Zimmer im Trainingslager. Dort redeten wir über alles. Über unsere Familien, über unsere Herkunft. So lernte ich schnell, wie er tickt. Als seine Frau zum ersten Mal schwanger wurde, rief er nicht seine Familie an, sondern mich. Als drei Monate später meine Frau schwanger wurde, erfuhr es nicht meine Mama als Erstes, sondern er. Ich brüllte ins Telefon: »Fredi: Jetzt hat es auch bei mir geklingelt.«

Ihr gemeinsamer Trainer in Stuttgart war der junge Joachim Löw.
Ein super Coach, vor allem, weil er mit sich reden ließ. Vor dem Pokalfinale 1997 gegen Cottbus stand mein Wechsel zu den Bayern schon fest, es war mein letztes Spiel. Eigentlich war ich unumstrittener Stammspieler, doch manche meiner Mitspieler fürchteten, ich wäre mit den Gedanken schon in München und würde nicht mehr alles geben. Deswegen wollte Löw mich auf die Bank setzen. Also flehte ich ihn an: »Bitte mach das nicht. Wenn ich scheiße spiele, kannst du mich in der Pause rausnehmen. Aber gib mir zumindest die Chance, es den Leuten zu beweisen.« Gott sei Dank hat er auf mich gehört.

Sie schossen beide Tore zum 2:0 und wurden DFB-Pokalsieger.
Nach dem zweiten Treffer rief ich Jogi zu: »Wenn du willst, kannst du mich jetzt auswechseln.«

Warum wollten Sie danach trotzdem nicht feiern?
Weil ich sauer auf die Jungs war. Sie hatten gedacht, ich würde sie hängenlassen. Also blieb ich nach dem Spiel zunächst alleine auf dem Hotelzimmer. Bis Fredi, die Bratwurst, klopfte und meinte: »Nein, Brasilianer, so nicht. Wir haben hier drei Jahre zusammen gezaubert, jetzt lass uns endlich feiern.« Also habe ich gefeiert. Und zwar richtig.

Ihre beste Fete als Fußballer?
Vielleicht. Wobei die Nacht nach dem Champions-League-Sieg 2001 auch großartig war. Dabei sah es gegen den FC Valencia anfangs nicht so aus, als würde es einen Grund zum Feiern geben. Nach drei Minuten lagen wir mit 0:1 hinten, nach sieben Minuten verschoss Mehmet Scholl einen Elfmeter. Danach stand Valencia nur noch hinten drin. Als Stürmer muss ich sagen: ein richtiges Scheißspiel. (Lacht.) Am Ende sicherte uns Kahn den Titel.

Und die Party.
Genau. Allerdings habe ich nur noch zwei Bilder davon im Kopf: Um halb vier stand ich plötzlich alleine mit meiner Frau in Mailand auf der Straße und wartete auf ein Taxi. In der Hand hielt ich den Pokal. Zum Glück fuhr zufällig ein Italiener vorbei, den ich aus meiner Zeit in Mailand kannte. Der konnte nicht fassen, dass ich um diese Uhrzeit betrunken mit dem Cup auf der Straße stand. Ich gab ihm meinen Zimmerschlüssel, und er fuhr uns ins Hotel.

Und das zweite Bild?
Das hat mit Jens Jeremies zu tun. Im Hotel angekommen, feierten wir an der Bar weiter. Dort verlor ich den Pokal aus den Augen. Irgendwann kam die Frau von Jens zu uns und sagte: »Leute, das müsst ihr euch anschauen.« Wir gingen mit ihr aufs Zimmer. Da lag Jens – mit dem Pokal im Bett. Ich bin mir sicher: So liebevoll hat der seine Frau nie umarmt.

2003 flüchteten Sie aus München, obwohl Sie gerade Torschützenkönig geworden waren.
Ottmar Hitzfeld kam zu mir und sagte: »Wir werden Roy Makaay für sehr viel Geld verpflichten, den muss ich spielen lassen. Mein Rat an dich: Geh weg.« Also nahm ich Hals über Kopf ein Angebot aus Lyon an.

Ein Fehler?
Gleich am ersten Tag wurde meiner Frau in Lyon die Handtasche geklaut. Später verletzte ich mich schwer und wurde falsch operiert, dazu kam Neid innerhalb der Mannschaft. Insgesamt also zwei verschenkte Jahre.

Trotzdem blieb ihr größter Karrierefehler das Nacktfoto auf dem Motorrad, richtig?
Ach du Scheiße. Das glaubt mir zwar keiner, aber das Foto war nicht zur Veröffentlichung gedacht. Wir machten für die »Bravo Sport« ganz normale Fotos und am Ende sagte der Fotograf: »Ich habe eine Idee – willst du für deine Frau nicht ein Bild im Stil von Dennis Rodman machen? Du kannst es ihr zu Weihnachten schenken.« Also setzte ich mich nackt auf das Motorrad. Später zeigte der Fotograf das Foto seinem Chef – und der veröffentlichte es einfach. Und ich bekam Schimpfe von meiner Frau.

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