Zum 80. Geburtstag des Kings: Ein Besuch Charly Dörfels Elvis Museum

»Auch Clowns haben mal schlechte Zeiten«

Heute wäre der King 80 Jahre alt geworden. Zur Feier des Tages kämmen wir unser Resthaar zur Tolle und schauen uns noch einmal in Charly Dörfels Elvis-Presley-Museum um.

Berndt Andresen
Heft: #
Spezial Nr. 4

Charly Dörfel: Noch ein Stück Kuchen?

Ja, bitte, Herr Dörfel. Was hören wir eigentlich gerade?
Die Raimondos. Kennen Sie die nicht? Eine Rock’n’Roll-Band aus Hamburg-Bergedorf. Ich war mal deren Sänger, bis es Ärger mit dem HSV gab.

Warum?
Die Proben zogen sich häufig bis tief in die Nacht hinein, und der Verein stellte mich irgendwann vor die Wahl: Musik oder Fußball! Da war die Sache klar, denn die Band war ja nur ein Hobby. (Sich zum Fotografen drehend:) Suchen Sie eine Steckdose? Hier, nehmen Sie diese.

Fotograf: Aber da hängt doch die Jukebox dran.
Sie meinen die Rock-Ola. Gucken Sie hier: Kaputt und gar nicht angeschlossen. Muss ich mal reparieren lassen. Ich liebe das Teil.

Charly Dörfel, wann haben Sie angefangen, Rock’n’Roll- und Beat-Schallplatten zu sammeln?
Ich war von Beginn an dabei, Anfang, Mitte der Fünfziger. Mit Little Richard, Fats Domino oder Bill Haley. Ich weiß noch, wie ich als 14-jähriger Steppke einmal im Kino saß – irgendeine Braut im Arm – und es plötzlich dunkel wurde. Doch nicht der Film fing an, sondern ein Lied: »Rock Around the Clock«. Das war wie eine Erleuchtung! (Überlegt.) Ach, ich wollte Ihnen unbedingt eine Platte von Haley und Elvis zeigen, eine Bild-Schallplatte, ein ganz edles Teil.

Gerne.
Wenn ich sie denn finde. Warten Sie mal ... (sucht im Regal.)

Wen mochten Sie denn lieber: Elvis Presley oder Bill Haley?
Haley war Gott. Er kam in meine Welt und veränderte alles, er war laut und anders. Trotz der verschiedenen Bop-Stile der vierziger und fünfziger Jahre ist er für mich der Erfinder des Rock’n’Roll. Haley war also so was wie der Vater von Elvis. Trotzdem habe ich später mehr und mehr Elvis lieben gelernt. Von dem habe ich über 40 Platten.

Wie viele Platten haben Sie denn insgesamt?
Früher über 20 000 Stück. Jetzt sind es vielleicht noch 14 000. Dazu mehr als 6000 CDs.

Haben Sie all diese Platten gehört?
Zumindest einmal. Manchmal greife ich blind in das Regal und ziehe eine Schallplatte raus. Meistens ist es dann eine von den Beatles, Elvis, Leonard Cohen oder den Walker Brothers. Kennen Sie die? Von denen habe ich alles. Auch die seltenen Sachen.

Bei welcher Platte freuen Sie sich am meisten?
Vor allem bei den raren Schallplatten der unbekannten Rock’n’Roll-Bands aus den fünfziger und frühen sechziger Jahren. Ich bin ja hier nicht die Dudel-Hitparade. 90 Prozent der Songs, die im Regal herumstehen, sind mit Sicherheit in den letzten zehn Jahren nicht einmal im Radio gespielt worden.

Vinyl ist trotz CD und mp3 nie vom Markt verschwunden. Kaufen Sie heute noch Platten?
Wenig. Ich habe ja in meinem Bereich – Country, Rock’n’Roll, Beat, Blues – fast alles. Manchmal gucke ich noch beim Versandhandel »Bear Family« (Marktführer in den genannten Genres; d. Red.), und wenn ich eine Platte entdecke, die ich nicht habe, schlage ich zu. (Überlegt.) Wo ist die denn nur diese Elvis-Bild-Platte? Meine Frau hat die wohl verlegt. Die ist wirklich toll. Elvis, der Weiße mit der schwarzen Stimme. Soll ich Ihnen mal was erzählen?

Ja, bitte!
Ich bin früher auch mit Tolle und Jive rumgelaufen. Ich habe mir sogar mal eine Dauerwelle in die Haare brennen lassen, mein Vater hätte mich beinahe rausgeschmissen. Naja, danach wurde es oben weniger.

Was hat die Musik noch mit Ihnen gemacht?
Viele Leute meinen ja, dass ich immer nur der Clown bin, auch weil ich in der Mannschaft immer meine Scherze gemacht habe. Später war ich ja sogar beim Zirkus. Doch Sie wissen ja: Auch Clowns haben mal schlechte Zeiten. Bei mir half dann die Musik. Wenn ich traurig war, habe ich gerne Elvis aufgelegt. Seine Texte, seine Songs, seine Art – der Mann hat mich wirklich geprägt.

Wie war es bei Ihren Mitspielern? Auch alle Rock’n’Roll-Fans?
Ich erinnere mich noch an mein erstes Training. Damals kam ich mit einer engen Cutaway (sogenannte Stresemannhosen; d. Red.) in die Kabine, und die Jungs haben die Gesichter verzogen. Später hat man mir gesagt, ich solle mich mal vernünftig anziehen. Der HSV ist ja ein nobler Klub. Dennoch gab es in der Mannschaft einige Spieler, die sich auch für Rock’n’Roll interessierten, Uwe Seeler mochte die eine oder andere Elvis-Nummer. Und sonst? Die Studenten – Gerd Krug, Jürgen Werner – fanden es ganz okay. Dennoch hat niemand aus der Mannschaft dieses Hobby mit der gleichen Intensität wie ich verfolgt.