Zum 50. Geburtstag: Ludwig »Wiggerl« Kögl über Beckenbauer, Bayern und seine Karriere

»Sonst wäre ich nach Gladbach gegangen«

Sie sind Luzern ja immer noch verbunden. Heute haben Sie dort mit einem Anwalt ein Büro als Spielerberater. Wie kam das zustande?
Mein Partner war mein Nachbar in Rothenburg bei Luzern, wo ich eine Doppelhaushälfte hatte. Entstanden ist das, als Luzern in finanzielle Probleme geraten ist und nicht mehr regelmäßig gezahlt hat. Als mein Anwalt hat er sich darum gekümmert, und schließlich kamen auch andere Spieler zu mir und haben gefragt, ob er ihre Interessen denn nicht auch vertreten könne. Am Ende der Saison konnten wir so alle ablösefrei wechseln, und ich bin nach Unterhaching gegangen. Dabei kam die Idee auf, dass wir das nach meiner Karriere professionell machen, weil er auch Spaß daran hatte.

Hatten Sie denn vorher schon darüber nachgedacht, Spielerberater zu werden?
Nein, eigentlich konnte ich mir das anfangs gar nicht vorstellen. Aber weil es so war, dass wir durch diese Geschichte schon sieben oder acht gestandene Spieler hatten, die ich aus Luzern kannte und die Vertrauen zu mir hatten, hat sich das angeboten. Und weil weder mein Partner noch ich finanziell auf große Erlöse angewiesen sind, ist das eine schöne Arbeit.

Zum Abschluss Ihrer Karriere sind Sie 1999 für zwei Jahre zurück nach München gegangen, nach Unterhaching. Heimweh war es wohl nicht?
Nein, ich wollte gar nicht weg, weil es mir so gut gefallen hat, auch, dass ich dort die jungen Spieler führen konnte. Aber Luzern sah sich nicht mehr in der Lage, mein Gehalt zu stemmen, und hat mir einen Wechsel nahe gelegt. Ich bin nur sehr ungern weggegangen.

Warum haben Sie sich für Unterhaching entschieden?
Ich hatte verschiedene Angebote aus der Schweiz, aber innerhalb der Schweiz wollten meine Frau und ich nicht mehr umziehen. Als das Angebot aus Unterhaching kam, hatte ich gerade ein Haus in meinem Heimatort in der Nähe des Starnberger Sees gebaut. Deswegen haben wir uns für Unterhaching und eine Rückkehr in die Bundesliga entschieden

Ihr Engagement dort begann nicht eben glücklich. Im ersten Spiel sahen Sie gelb-rot, den ersten und einzigen Platzverweis Ihrer Karriere.
Ja, das war so. Dort habe ich eine andere Position spielen müssen, viel defensiver und ohne Absicherung hinter mir. Das Spiel hat mir überhaupt nicht gefallen, mein Gegenspieler war ziemlich schnell, und ich dachte mir: »Dem läufst du jetzt mit 33 Jahren nicht mehr so oft hinterher.« Eigentlich war es ein Frustfoul.

Auch in der Folge wurden Sie mit dem Verein nicht so richtig warm.
Unter Trainer Köster lag das Hauptaugenmerk auf der Defensive, das war nicht mein Spiel und ich der falsche Mann für das 3-5-2-System, vor allem in meinem Alter und mit meinen körperlichen Problemen. Vielleicht hätte ich lieber doch noch drei Jahre in der Schweiz spielen sollen, als zwei in der Bundesliga, da hätte ich ein gemütlicheres Dasein gehabt (lacht). Aber im Ernst: bereut habe ich es nie, zum damaligen Zeitpunkt war die Entscheidung schon richtig.

2000/2001 kamen Sie dann kaum noch zum Einsatz. Dennoch schloss sich am Ende ein Kreis, auch wenn Sie nicht mitgespielt haben: An Ihrem letzten Arbeitstag als Profifußballer machte der Underdog Unterhaching Ihren alten Verein FC Bayern zum Deutschen Meister. Schöner Ausstand?
Ach Gott! Sicher habe ich mich gefreut, dass Bayern durch unseren Sieg gegen Leverkusen Deutscher Meister wurde. Aber damit hatte es sich dann auch.

Zum Abschluss: Hand aufs Herz, Herr Kögl, was sind Sie denn nun? Ein 60er oder ein Roter?
Weder noch, im Grunde bin ich gar kein Fan. Ich habe noch Kontakt zu allen Vereinen, bei denen ich war, und verfolge das, aber Rivalitäten gibt es da keine. In meiner Jugend war ich Gladbach-Fan, der einzige in meinem Heimatort Penzberg, das hat keiner verstanden. Die Spielweise der Mannschaft hat mir einfach am meisten Spaß gemacht. Simonsen, Jensen und Heynckes, das waren die Spieler, die ich favorisiert habe. Aber bei den 15 Bundesligisten, die mir 1984 ein Angebot gemacht haben, war Borussia Mönchengladbach nicht dabei.

Sonst wären Sie nach Gladbach gewechselt?
Sonst wäre ich nach Gladbach gegangen, hundertprozentig.