Zum 50. Geburtstag: Ludwig »Wiggerl« Kögl über Beckenbauer, Bayern und seine Karriere

»Nach den Anfeindungen von Daum war es uns wichtig, dass Heynckes den Titel holt«

Dennoch ging das Spiel danach noch verloren. Wie haben Sie diesen Moment wahrgenommen?
Klar war es sehr bitter, aber richtig realisiert hat man das erst später. Ich war damals 21, und habe gedacht ich würde sicher noch öfter in einem Europa-Cup-Finale stehen (lacht). Und dann war es halt doch das einzige und wir haben erst später gemerkt, welche Chance wir da vergeben haben. Bis zur 70. Minute waren wir die bessere Mannschaft und dachten: »Uns kann nichts mehr passieren.« Dann wurden wir zu passiv und haben den Ausgleich kassiert, und dann ging’s dahin. Wir konnten nicht mehr reagieren.

Können Sie festmachen, woran es lag?
Wir haben einfach zu wenig gemacht, wir waren uns zu sicher, wir waren und schon im Vorfeld zu sicher. Wir hatten im Halbfinale Real Madrid ausgeschaltet und waren der absolute Topfavorit, Porto der klare Außenseiter. Damals hat man die anderen Mannschaften ja auch noch nicht so gut gekannt wie heute. Wir wussten nur, dass eine portugiesische Mannschaft kommt und dachten: »Die kriegen wir schon in den Griff« (lacht). Das war damals allerdings eine Topmannschaft mit Topspielern. Dass es Topspieler waren, haben wir leider zu spät gemerkt.

Zwei Jahre später standen Sie im Halbfinale des Uefa-Cups und scheiterten dort an Neapel mit Maradona auf dem Höhepunkt seines Schaffens. War er der beste Spieler aller Zeiten? Viele, die gegen ihn gespielt haben, sind dieser Meinung.
Zu seiner Zeit war er sicherlich der Beste. Vielleicht war Pelé im Endeffekt ein noch kompletterer Spieler, das ist schwierig zu beurteilen. Zico wurde Mitte der 80er auch hoch gehandelt, aber Maradona war das Nonplusultra. Das hat er in den Spielen gegen uns auch bestätigt. In Neapel war alles auf ihn ausgerichtet, aber er hat das immer wieder gerechtfertigt und den Unterschied ausgemacht. Es kommt ja nicht von ungefähr, dass Neapel den Titel geholt hat.

Ein Jahr später, nach der Saison 1989/90 sind Sie zu Neapels Finalgegner VfB Stuttgart gewechselt. Was war dafür ausschlaggebend? Eigentlich gehörten Sie doch zur Stammelf bei Bayern, oder?
Dafür gab es mehrere Gründe. Zum einen war Dieter Hoeneß Manager beim VfB Stuttgart, der früher mein Sturmkollege war und mit dem ich mich auf dem Spielfeld und privat gut verstanden habe. Er und der Stuttgarter Trainer Willi Entenmann haben sich sehr um mich bemüht. Bei Bayern hatte ich noch einen Vertrag bis 1991, aber durch meine Achillessehnen hatte ich immer wieder Probleme, und natürlich war die Konkurrenzsituation bei Bayern größer als bei Stuttgart. Dann wurde auch noch Brian Laudrup verpflichtet, ein ähnlicher Spielertyp wie ich, und ich saß im Ligacup erst einmal auf der Bank, obwohl ich eigentlich unumstrittener Stammspieler war.

Bei den Bayern ist das aber doch normal, dass man auch mal draußen sitzt.
Ja, schon. Es gab öfter die Konstellation, dass viele neue Spieler dazukamen und die alten erst einmal auf der Bank saßen. Bei mir nicht immer, aber bei meinem Zimmerkollegen Roland Wohlfahrt war es fast jedes Jahr so. Aber spätestens nach dem vierten oder fünften Spieltag war er wieder in der Stammmannschaft. Er hat sich damit angefreundet. Bei mir war das anders. Ich hatte trotz meiner Probleme zwei Jahre lang fast jedes Spiel von Anfang an gemacht und plötzlich saß ich draußen. Ich habe dann aus dem Bauch heraus entschieden, dass ich etwas anderes machen will und innerhalb von fünf Tagen ging der Wechsel über die Bühne.

War das dann ein Abschied im Unfrieden?
Nein, gar nicht. Die Möglichkeit hat sich einfach kurzfristig ergeben und ich habe sie wahrgenommen.

Und wie viel waren Sie inzwischen wert?
Knappe zwei Millionen Mark, glaube ich.

Willi Entenmann wurde wenige Monate nach Ihrem Wechsel beim VfB entlassen. Sein Nachfolger war ausgerechnet Christoph Daum, zur damaligen Zeit der absolute Erzfeind von Uli Hoeneß und Ihres ehemaligen Trainers Jupp Heynckes. War das auch für Sie eine besondere Situation?
Als ich noch bei Bayern war, haben wir das natürlich alle mitbekommen, dass Christoph Daum Jupp Heynckes des Öfteren verbal massiv attackiert hat, vor allem 1989 vor dem entscheidenden Spiel in Köln (vor laufenden Kameras im »Aktuellen Sportstudio«, d. Red.). Aber wir hatten damals schon das Selbstbewusstsein, dass wir darüber eigentlich nur lachen konnten und wussten, dass wir stärker sind als Köln.

Haben Sie danach bewusst für den Trainer gespielt?
In diesem Fall muss ich da klipp und klar ja sagen. Jupp Heynckes ist 1987 zu Bayern gekommen, nach einer sehr erfolgreichen Zeit mit Udo Lattek. 1988 sind wir dann nicht Meister geworden, sondern nur Zweiter, was für den FC Bayern eine mittlere Katastrophe war und weswegen wir sehr in der Kritik standen. Deswegen war es uns in der Saison 1988/89 vor allem nach den Anfeindungen von Daum schon wichtig, dass auch Jupp Heynckes seinen ersten Titel holt.

Wie kann man sich das denn vorstellen? Als Bayernspieler hat man etwas gegen Christoph Daum. Anderthalb Jahre später ist er Ihr Trainer. Ist das nicht eine kuriose Situation?
Kurzeitig schon, aber im Fußball gibt es so viele Unwägbarkeiten, vor allem was Trainer betrifft. Auf so etwas muss man sich einstellen.