Zorniger über Hertha und Image

»Ich habe der Presse jede Menge Munition geliefert«

Alexander Zorniger trifft mit seinem neuen Verein Bröndby im Europacup auf Hertha BSC. Im Interview spricht der Ex-Stuttgarter über dänische Erwartungen und schwäbische Baustellen

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Herr Zorniger, Sie arbeiten seit Juni als Cheftrainer beim FC Bröndby, dem Gegner von Hertha BSC am Donnerstag in der Qualifikation zur Europa League. Was macht Ihr Dänisch nach gut einem Monat?
Ich habe da noch Nachholbedarf. In der jetzigen Phase der Vorbereitung gibt es einfach andere Dinge, die höhere Priorität haben. Grundsätzlich ist die Sprache allerdings kein großes Problem, hier sprechen alle gut Englisch, das funktioniert auch im Training. Aber ich werde mich damit auf jeden Fall noch intensiver beschäftigen.

Sie haben zuvor viele Jahre in der Bundesliga für RB Leipzig und später für den VfB Stuttgart gearbeitet, Kopenhagen ist nun Ihre erste Auslandsstation als Trainer. Was war die größte Umstellung?
Vom Menschlichen gefällt es mir sehr in Dänemark, weil man nicht so verkrampft versucht, alles am Profifußball festzumachen. In Sachen Trainingsintensität und Trainingsumfänge ist die Bundesliga sicherlich noch ein Stück weiter vorn.

Fehlt Ihnen die Bundesliga manchmal?
(lacht) Es ist ja nicht so, dass ich auf eine 15-jährige Karriere in der Bundesliga zurückblicken kann. Ich weiß natürlich, wo ich herkomme. Ich kenne den Reiz, wenn man im Berliner Olympiastadion, in der Allianz-Arena oder alle zwei Wochen in Stuttgart im Stadion spielt. Aber für das, was mich als Trainer ausmacht, nämlich sich aufs Wesentliche zu konzentrieren, gibt es in Dänemark weniger Ablenkung, und das macht mich gerade wieder richtig stark und lässt mich auch den Glauben in meinen Beruf und an den Profi-Fußball wieder finden.

>>> Lesen Sie hier: Das 11FREUNDE-Interview mit Zorniger vor seinem Start beim VfB

Was heißt das genau?
Wir, also mein Medienberater und ich, haben nach meiner Zeit beim VfB Stuttgart festgestellt, dass es gar nicht so leicht war, den Namen Alexander Zorniger wieder mit der ersten oder zweiten Bundesliga in Verbindung zu bringen. Es gab in Bezug auf die Medienlandschaft unglaublich viele Geschichten über mich, die nicht der Realität entsprochen haben. Das hat sich dann im Laufe der Zeit noch zugespitzt. Es ging kaum mehr darum, das Sportliche zu beurteilen, die fachliche Auseinandersetzung hat fast gar nicht stattgefunden. Andererseits weiß ich heute, dass ich der Presse auch immer jede Menge Munition geliefert habe. Da habe ich meine Erfahrungen gemacht, das würde ich heute anders machen.