Zé Roberto über die Bundesliga, Brasilien und seinen Körper

»Bei Bayern war ich am liebsten«

Heute wird Zé Roberto 43 Jahre alt. Und er spielt immer noch. Wie er das macht, hat er uns in Ausgabe #161 erklärt.

Bogdan Kramliczek
Heft: #
161

Zé Roberto, was vermissen Sie an Deutschland am meisten?
Bratkartoffeln. Apfelschorle. Ein paar Gerichte. Vor allem die Sicherheit. Rauszugehen, ohne nachzudenken.

Wie leben Sie in Sao Paulo?
Hinter hohen Mauern. In einer bewachten Wohnsiedlung, die man hier Alphaville nennt, etwas außerhalb von Sao Paulo.

Fehlt Ihnen Deutschland?
Natürlich. Wir wollen auch wieder zurück. Wir waren insgesamt zwölf Jahre dort. Ich glaube, ich bin immer noch der Brasilianer mit den meisten Bundesligaeinsätzen, vor Dedé. Wir haben das Leben dort geliebt, und ich will dort wieder etwas aufbauen nach dem Ende meiner Spielerkarriere, vielleicht in zwei Jahren.

In zwei Jahren?
Oder auch in fünf.

Sie wollen spielen, bis Sie 45 Jahre alt sind?
Wer weiß. Solange mein Körper das mitmacht.

Sie sind 40. Und Ihr Körper macht mit?
Ich wurde im Alter immer besser, ab 30. Erst bei Bayern, danach bei Santos, dann wieder in Deutschland beim HSV und ein Jahr in Katar. Es war unglaublich. Normalerweise geht deine Leistung nach unten. Die Schnelligkeit nimmt ab, die Wendigkeit. Aber bei mir blieb sie stabil oder wurde noch besser.

Sie fühlen sich noch wie 20?
Na ja, vielleicht wie 25.

Kein Zwicken, kein Zwacken?
Ich dachte, jetzt musst du es irgendwann spüren, aber ich spüre nichts.

Beim Aufstehen? Im Rücken?
Nein. Höchstens mal nach einem harten Spiel. Dann brauche ich eine etwas längere Regeneration. Ich kümmere mich dann um jeden Muskel, aber nein, nichts schmerzt.

Sie scheinen alle Gesetze des Profifußballs zu widerlegen. Gerade wurden Sie als bester Linksverteidiger der Liga ausgezeichnet. Was ist Ihr Geheimnis?
Gott sei Dank hatte ich keine schwere Verletzung in 21 Profijahren. Damit geht es los. Ich habe gute Gene.

Das reicht ja nicht.
Und meine Disziplin. Das geht weit zurück. Bis in meine Kindheit in Sao Miguel. Ich hatte immer diese Idee: Wie werde ich fitter? Was kann ich noch für meinen Körper machen?

Woher kommt die Disziplin?
Von meinen Eltern. Und von der Fußballschule. Ich träumte davon, Fußballprofi zu werden. Ich wusste: Mein Körper ist mein Kapital. Ich muss ihn pflegen.

Wie machen Sie das?
Ich habe immer anders gelebt. Das beginnt mit dem Frühstück. Nicht zu viel essen. Joghurt. Mittags Pasta. Abends vielleicht Cornflakes mit frischem Saft. Ich esse fast alles, aber nicht viel.

Alkohol?
Nein, oh nein, auf keinen Fall. Auch nicht rauchen. Dafür Schlaf, viel Schlaf. Und Wasser, viel Wasser.