Wolfgang Niedecken über den 1. FC Köln

»Ich kann Jörg Schmadtke total nachvollziehen«

Der 1. FC Köln steckt in der Krise. Keine einfache Zeit für BAP-Sänger und Geißbock-Fan Wolfgang Niedecken. Doch der FC gehört zur Familie. Im Interview spricht er über die »Wilde Horde«, antizipierte Laufwege und Nasenringe.

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Herr Niedecken, der 1. FC Köln erlebt turbulente Zeiten. Was denken Sie über das Ende von Jörg Schmadtke?

Ich kann den Schritt von Jörg Schmadtke total nachvollziehen. Man sollte langsam wissen, dass er sich nicht zum Spielball machen lässt. Ein konsequenter Schritt, der meinen Respekt verdient, auch wenn ich ihn sehr vermissen werde.

Dabei haben Sie schon viele Höhen und Tiefen miterlebt. Wann wurde Ihre Liebe zum FC entflammt?

Da war ich noch ein kleiner Junge. Während die Spiele im Radio liefen, habe ich mit meinen Matchbox-Autos gespielt. Wichtigster Name schon damals: Hans Schäfer. Umso schöner war es dann ihn selbst kennenzulernen.

Wie kamen Sie zu der Ehre?

Ich habe dieses Stück »FC Jeff Jas« geschrieben. Dafür haben wir ein Musikvideo gedreht. Hans Schäfer hat ebenfalls mitgespielt. Bei einer Szene sitzen wir gemeinsam auf der Tribüne. Das war unglaublich. Er hat mir erklärt was die da unten machen und wie das geht. Das wäre so, als ob Chuck Berry mir bei einem Stones-Konzert erklärt, was der Keith da auf der Gitarre macht.

Warum haben Sie „FC Jeff Jas“ geschrieben?

Das war nach unserem ersten Abstieg. Der hat verdammt weh getan. Ich hatte Angst, dass die Fans den Verein verlassen. Das Lied sollte zum Zusammenhalten motivieren. Nicht dass die Leute auf einmal nach Leverkusen wechseln.

Hat Köln aus all den Ab- und Aufstiegen gelernt?

Ja, vor allem seit dem letzten Aufstieg geht es bergauf. Dabei war ich nach diesem Abstieg wirklich sauer. Am letzten Spieltag haben wir gegen Bayern gespielt und die »Wilde Horde« hat mehrere Rauchbomben gezündet. Schlechte Verlierer halte ich nicht aus. Es geht ja nicht nur um sentimentale Gefühle für seinen Verein. Es geht ja auch um Sport. Und wenn man verdienter Weise absteigt, dann nimmt man das hin. Ende.

Dabei sind Sie immer wieder gerne im Stadion. Was bedeutet der Stadionbesuch für Sie?

Das ist ein ästhetisches Gefühl. Ich fühle mich wohl, wenn ich schöne Spielzüge und antizipierte Laufwege sehe. Manche Leute gehen für die Kunst ins Ballett. Ich gehe ins Stadion.

Derzeit wird allerdings über einen Stadionneubau diskutiert. Sind die finanziellen Aussichten zu verlockend?

Die werden noch ein paarmal geistig um den Block gehen, ehe eine Entscheidung getroffen wird. Doch sich den Mechanismen komplett zu entziehen ist schwer. Das schaffen nur wenige Vereine. Ob das in Köln klappt, wenn viel Geld im Spiel ist, halte ich für schwierig. Der Kölner selbst sagt: »Lasst den Scheiß und spielt weiter in Müngersdorf«. Daher ist es vielleicht gar nicht so schlecht, dass wir derzeit ein paar Dämpfer abkriegen. Wir sollten mit den Füßen auf dem Boden bleiben und uns mehr an Freiburg als an Real Madrid orientieren. 

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