Wird Felix Magath japanischer Nationaltrainer?

»Ich dachte an einen Witz«

Laut japanischen Medien soll Felix Magath ein heißer Kandidat auf Posten den Nationaltrainers sein. Nur ein Gerücht?

imago

Angus MacLeod, Sie betreiben die renommierte Fußballseite japanfooty.com und haben vermutlich recht schnell erfahren, dass Felix Magath ein Kandidat auf den japanischen Trainerstuhl ist. Ihre erste Reaktion?
Um ehrlich zu sein: Ich dachte an einen Witz, den irgendjemand nicht als solchen verstanden hat und der sich schließlich als vermeintliche Wahrheit im Netz verbreitete. Nach seiner Zeit in Fulham wollte ich einfach nicht glauben, dass der Japanische Fußballverband Magath als Trainer in Erwägung zieht. Soll er nicht einem Spieler geraten haben, eine Verletzung mit Käse zu heilen?
 
Die Geschichte ist von englischen Medien falsch oder überspitzt dargestellt worden. Wie berichtet denn die japanische Presse über Magath?
Die meisten Zeitungen haben sehr seriös und ernsthaft über ihn geschrieben, die meisten berichten von seinen Meisterschaften oder Erfolgen als Spieler. Die wenigsten nehmen Bezug auf seine Eigenarten.
 
Wie haben die japanischen Fußballfans die Neuigkeit aufgenommen?
Auch unter den Anhängern wurde viel über die Käse-Geschichte gesprochen oder über seine Zeit beim 1. FC Nürnberg. In der Mehrheit lehnen die Fans Magath ab. Du brauchst nur den Namen zu erwähnen, um ein lautes »Hell No!« zu hören.
 
Was hat den japanischen Verband dazu bewogen, über Magath nachzudenken?
Am Anfang gab es eine sehr lange Liste mit potenziellen Kandidaten. Darauf standen neben Magath auch Trainer wie Leonardo, Dragan Stojkovic oder Oswaldo de Oliveira. Zuletzt blieben drei Kandidaten: Felix Magath, Luciano Spalletti und Michael Laudrup. Magath finden die Verbandsfunktionäre vermutlich interessant, weil er ein ähnlicher Typ ist wie Japans letzter Trainer Javier Aguirre. Ein harter Hund. Und einige sehen ihn immer noch als einen großen Trainer, der zahlreiche Erfolge aufweisen kann.
 
Es heißt häufig, japanische Spieler seien technisch brillant, doch zu freundlich auf dem Platz. Wäre einer wie Magath da nicht der richtige Mann?
Ja und Nein. Fakt ist, dass die Japaner auch selbst wissen, dass es ihnen an einer Grundaggressivität mangelt und daher ein Trainer mit einer harten Hand vielleicht nicht schlecht wäre. Alberto Zaccheroni (Japans Trainer von 2010 bis 2014, d. Red.) sprach häufig davon, dass das japanische Spiel mehr Intensität bräuchte, sein Nachfolger Javier Aguirre verlangte mehr Aggressivität.
 
Wie gesagt: Klingt nach Magath.
Schon. Aber nach dem unrühmlichen Abgang von Aguirre, der angeblich in einer Spielmanipulation verwickelt war, hätte ich mir einen Trainer mit mehr Flair gewünscht.
 
Magath war in den 2000er Jahren immerhin der erfolgreichste Trainer der Bundesliga. Mit Japanern kann er auch gut. Bei einem Bundesligaspiel gegen Hoffenheim schickte er mal Makoto Hasebe ins Tor.
Ich erinnere mich an dieses Spiel. Wolfsburg hatte dreimal gewechselt und der Torwart (Marvin Hitz, d. Red.) sah die Rote Karte.  Allerdings hoffe ich nicht, dass Hasebe bei der Nationalmannschaft im Tor spielt. Wobei: Schlechter als Eiji Kawashima (Keeper bei der WM 2014, d. Red.) wäre er vermutlich auch nicht.
 
Mit Magath wird Japan also auch nicht Weltmeister?
(Lacht.) Vielleicht auf der Videospielkonsole. Die japanischen Fans wären froh, überhaupt mal wieder die K.o.-Phase einer WM zu erreichen. Auch wenn mittlerweile viele Japaner in Europa spielen, ist die Qualität in der Breite nicht hoch genug – gerade in der Defensive gibt es Nachholbedarf.
 
Laudrup, Spalletti, Magath – wer macht denn nun das Rennen?
Ich vermute, der Verband favorisiert Laudrup. Momentan steht er noch beim katarischen Verein Lekhwiya SC unter Vertrag. Allerdings sagte er neulich in den »Kyodo News«, dass er nach dem Saisonende der Qatar Super League über seine Zukunft nachdenken wolle. Er wäre jedenfalls eine gute Wahl. Die Medien lieben ihn, und ich denke, dass ihn auch die Fans akzeptieren würden.
 
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Angus MacLeod stammt eigentlich aus den schottischen Highlands und lebt seit sieben Jahren im japanischen Fujisawa. Seit drei Jahren betreibt er die Seite japanfooty.com.

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