Willy Sagnol über Rassismusvorwürfe und die EM 2016

»Du bist jeden Tag in einer Waschmaschine«

Beim FC Bayern wurde der Franzose Willy Sagnol zu einem der besten Verteidiger der Welt. Nun wurde er beim Traditionsklub Girondins Bordeaux entlassen. Ein Interview über deutsche Strenge und französische Probleme.

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168

Hinweis: Dieses Interview erschient erstmals in unserer Printausgabe 11FREUNDE #168

Willy Sagnol, in einem Saisonvorschauheft steht über einem Porträt von Ihnen »Rigueur allemande« – »deutsche Strenge«. Wie deutsch ist Ihr Image in Frankreich?

Ich habe neun Jahre für den FC Bayern gespielt, also fast zwei Drittel meiner Karriere, und ich habe dort Disziplin und Seriosität gelernt. Fußball ohne Disziplin geht für mich nicht, dann kann man keinen Erfolg haben.

Sie gelten als Disziplinfanatiker.

In Frankreich ist Disziplin manchmal nur ein Wort. Und ja, Disziplin ist schwierig für einen Spieler, sie nervt ihn. Ich bin mir aber sicher, dass die neue Generation viel Disziplin braucht – und dass sie das auch wollen.

Man hört gerade aus Frankreich viel von Verhaltensauffälligkeiten junger Spieler. Ist das ein französisches Problem?
Es ist ein Problem der neuen Generation, das auch Deutschland betrifft.

Ist es schwierig für Sie als Trainer, mit den jungen Spielern zurechtzukommen?
Manchmal schon. Aber ein Trainer muss sich anpassen können. Die Jungen werden nie wie die Alten sein. Also müssen wir uns auf sie einstellen. Und zwar schnell.

Gibt es einen Trainer, der Sie besonders geprägt hat?
Ottmar Hitzfeld war für mich der absolute Top-Trainer. Er hatte immer 20, 22 Nationalspieler, und dabei hat er einen Oliver Kahn genauso behandelt wie einen Spieler, der nur zwei Spiele pro Saison gemacht hat. Das war genial. Auch von Felix Magath habe ich viel gelernt, etwa dass ein Spieler jeden Tag an sich arbeiten muss. Magath war hart, aber sehr fair.

Sind Mannschaften heute anders gestrickt als früher?
Ich denke schon. Alles hat sich geändert. Die Kommunikation, das Leben, auch die Erwartungen der Spieler. Fußball bedeutet heute für einen Spieler etwas anderes als vor zehn oder fünfzehn Jahren. Für frühere Generationen war Fußball eine Frage des Erfolgs. Und Erfolg hieß, Titel zu gewinnen. Heute geht es viel mehr um Image und Geld. Weil die Welt nun mal so geworden ist. Vor zehn Jahren gab es kein Facebook oder Twitter.

Sind Sie dort aktiv?
Nein. Ich verstehe nicht, warum Leute soziale Netzwerke benutzen. Ich halte sie für gefährlich.

Besonders für einen Trainer?
Für alle. Twitter ist immer eine spontane Reaktion auf eine Nachricht – und eine spontane Reaktion ist immer gefährlich. Weil wir meistens mit dem Herzen reagieren und weniger mit dem Kopf.

Sind Sie auch als Trainer Rationalist?
Ich habe meine Philosophie. Wenn die aber nicht zu meiner Mannschaft passt, funktioniert es nicht. Ein guter Trainer ist jemand, der sich seiner Truppe anpassen kann.

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