Willi Koslowski und Aki Schmidt über das Revierderby

»Stan war ’ne Story für sich«

Andere Spieler sind zwischen den Rivalen hin- und hergewechselt, beispielsweise Stan Libuda.
Schmidt: Der Stan war ’ne Story für sich. Er war immer ein bisschen ein Schisshase und hatte Angst, dass sie ihn nicht mögen. Seine ganze Sensibilität hat ihn gehemmt, aber er war ein prima Kerl.

Koslowski:
Aber auch launisch.

Schmidt:
Auch launisch. Auswärts konnteste ihn nicht aufstellen, weil er zu Hause in Dortmund die Abwehrspieler so verarscht hat. Er war selbst schuld. Da hatte er einen umspielt und wir warteten in der Mitte auf die Flanke. Er hat den Verteidiger aufstehen lassen, die Kurve war am Toben, dann hat er ihm den Ball wieder durch die Beine gespielt und ihn wieder hinfallen lassen. Da waren die natürlich sauer. Ich habe ihm auch gesagt: »Stan, mach nich’ so’n Zirkus, du kriegs’ den Dreck zurück!« Die Verteidiger haben doch alle im Rückspiel auf ihn gewartet, der Höttges in Bremen, Kurbjuhn in Hamburg, Kostrewa in Kaiserslautern. Die haben kurzen Prozess gemacht.


Willi Koslowski, wurde am 17. Februar 1937 geboren. Er gewann mit Schalke 1958 die Deutsche Meisterschaft. Als Rechtsaußen schoss er nicht nur 58 Tore in 182 Oberligaspielen, sondern auch Schalkes erstes Tor der Bundesligageschichte. (Bild: Imago)

Koslowski:
Wenn der Stan gut gelaunt war, dann konnte ihn keiner halten, das war unmöglich, der war so schnell, hat die Haken geschlagen, wie er wollte.

Schmidt: Richtig, Willi, außergewöhnlich. Aber ganz feinfühlig, ich lag mit ihm auf einem Zimmer. Er telefonierte ständig mit seiner Frau und fragte: »Liebst du mich?« Wenn man verheiratet ist, dann ist es doch normal, dass man sich liebt. Doch er hat ständig nachgefragt. Ich sag ihm (imitiert weinerliche Stimme): »Ey Stan, ich kann dat nich’ mehr hören, wenn du die Scheiße hier erzähls’.«

Koslowski: Gut, die Spieler sind damals von Dortmund nach Schalke gegangen, das war an und für sich nicht unüblich. Auch der Ulli Bittcher ...

Schmidt:
Und noch im Mittelfeld einer, ein linker Läufer. Der Erste war doch der Herbert Sandmann.

Koslowski:
Ach richtig, Herbert Sandmann. Und Heini Kwiatkowski ...

Schmidt: Jau, der Heini auch. Von hier in Gelsenkirchen aber rüber nach Dortmund.

Liefen die Wechsel damals also glimpflicher ab als heute?
Schmidt: Das hat sich irgendwann wieder gegeben. Aber mit so einer Vorgeschichte lebs’ du natürlich.

Koslowski: Es war nicht so wild. Die Vereine haben sich schließlich auch gegenseitig geholfen, wenn der andere in finanziellen Schwierigkeiten war. Schalke hat mal ein Spiel gemacht, bei dem alle Einnahmen an den BVB gingen.

Schmidt:
Das gab es natürlich auch. Bei den Zuschauern war immer Theater, das war bei uns nicht unbedingt so.

Wie war das Verhältnis der Spieler untereinander?
Schmidt: Für uns war das auch etwas Besonderes, wir haben alles gegeben, aber es war immer möglich, nach dem Spiel ein Bier zusammen zu trinken, da gab es keinen Hass oder so was. Is das richtig, Willi?

Koslowski:
Das is richtig, Aki. Ich habe auch immer den Dortmundern die Daumen gedrückt und mich gefreut, wenn se einen Titel geholt haben. Im Spiel gab es ers’ Feuer, dann Pilsken zusammen bei Ötte Tibulsky inner Kneipe, wie hieß die bei euch noch mal?

Schmidt:
Weiß ich gar nicht. Da gab es direkt in der Roten Erde eine, die auch heute noch geöffnet hat. Da fällt mir ein: Auch Hans Nowak war oft dabei. Lebt der eigentlich noch?

Koslowski: Ne. Der is ja von uns aus ’65 nach Bayern gegangen, hat dann auch in Bayern gewohnt und ist dort vor einigen Jahren gestorben.

Schmidt:
Ach so. Also noch mal: Wir hatten nie Ärger miteinander.

Koslowski: Die Zuschauer auf den Rängen haben zwar Theater gemacht, aber das heißt nich, dat se sich geschlagen haben. Aber so was wie heute mit dem Feuerlegen und Watweißichalles, dat war früher nich’ der Fall.

Schmidt:
Ich habe die Fans nach meiner Karriere zwölf Jahre als Fanbeauftragter betreut, das war eine schöne Zeit. Aber ich kann diesen Zirkus heute nich’ mehr haben, mit Bengalos und allem. Ich kann das nich’ verstehen: Wenn se sich verarschen, is alles gut. Aber wenn se sich auf die Schnauze hauen, das kann ich nich’ ab.