Willi Koslowski und Aki Schmidt über das Revierderby

»Nein, du gehs’ nich’ nach Dortmund«

Aki Schmidt, Willi Koslowski, wann haben Sie erstmals Rivalität beim Fußball gespürt?
Schmidt: Sicher bei den Spielen auf der Straße. Wir haben richtige Turniere ausgespielt, der eine Straßenzug gegen den anderen. Jeden Tag ging das so – und abends ist man dreckig von oben bis unten nach Hause gelaufen.

Koslowski: Bei uns gab es das auch, diese Turniere auf dem Schulhof, wo wir mitunter barfuß gespielt haben. Wir hatten ja keine vernünftigen Klamotten oder Bälle.

Schmidt:
Wir haben selbst im Bombenschutt während des Krieges gespielt. Die Jagdbomber flogen 30 bis 40 Meter über uns, die Sirene ging zu spät los. Dann hörten wir es: Pack, pack, pack, die Einschläge. Wir rannten los und brachten uns hinter einer Mauer in Deckung, was eigentlich auch nichts gebracht hätte. Aber vielleicht haben die Engländer gesehen, dass wir Kinder waren, und uns deswegen verschont.

Koslowski: Wir haben vom Krieg weniger mitbekommen. In Gelsenkirchen gab es ein großes Benzinwerk, das von den Amerikanern angegriffen wurde. Deshalb wurde ich mit meiner Familie nach Ostwestfalen evakuiert.

Schmidt:
Wir haben alles verloren, meine Eltern standen mit nix in der Hand da. Das ist doch das Schlimmste für Kinder: Deine Eltern, deine Beschützer, die waren auch hilflos. Das prägt einen bis heute. Ich wollte doch raus aus der Scheiße. Deswegen war ich beim Fußball auch so ehrgeizig. Ich habe genug Talente eingehen sehen, mit 14, 15 Jahren, grad die erste Kohle von der Lehre. Dann fangen sie das Rauchen und Saufen an, dann kommen die Mädels. Doch ich hatte immer einen Traum: für den BVB zu spielen.

Wie sahen Sie damals Schalke?
Schmidt: Ich habe Schalke immer gemocht. Mein Vater hatte mir in meiner Kindheit eine Art Tipp-Kick mitgebracht, die Figuren waren in rot und blau für Nürnberg und Schalke. Immer wenn ich damit gespielt habe, dann hat Schalke gewonnen. Ich habe doch geschwärmt von Szepan, Kuzorra oder Kalwitzki, die hatte ich alle im Kopf, als wir auf der Straße gepöhlt haben. Als ich 14 Jahre alt war, wollte Schalke mich auch holen. Doch dann hätte ich umziehen müssen. Und ich war körperlich noch nicht weit genug für den Schritt nach oben.


Alfred Schmidt, wurde am 5. September 1935 geboren. Er spielte zwölf Jahre für den BVB und gewann zwei Meisterschaften, den Europacup der Pokalsieger und den DFB-Pokal. Letzteren holte er 1970 auch als Trainer von Kickers Offenbach. (Bild: Imago)

Koslowski: Ich wäre auch beinahe in Dortmund gelandet.

Schmidt:
Das weiß ich sogar auch noch.

Koslowski: Damals gab es ein Spiel in dem Stadion Rote Erde. Ich weiß nicht, wer seinerzeit Schalker Trainer war, auf jeden Fall hat er mich in der Reserve aufgestellt. Ich war Rechtsaußen, und mein Gegenspieler war der Sohn von Max Merkel ...

Schmidt:
Ach du lieber Gott. Das war doch so’n Kleiderschrank, der konnte nix. Der hat keinen Ball gesehen, oder?

Koslowski:
Hömma, der hat nur meine Rückennummer gesehen. Ich war verärgert, weil ich nicht in der Ersten spielen konnte. Und dann haben die Dortmunder angefragt.

Schmidt:
Weil die wussten, dass du verärgert wars’...

Koslowski:
Ja, aber Kuzorra hat gesagt: »Nein, du gehs’ nich’ nach Dortmund.« Er hat entschieden. Punkt. Westfalia Herne hatte mir auch mal ein Angebot unterbreitet, mich mit einem alten, gebrauchten VW-Käfer gelockt. Da hat mich der Kuzorra in den Hof von seinem Tabakladen geführt, eine Plane weggezogen und mir ein nagelneues Mofa geschenkt. Damit war die Sache klar