Willi Koslowski und Aki Schmidt über das Revierderby

»Auf dem Platz gab es Feuer, danach Pilsken«

Was macht Dortmund gegen Schalke aus? Ein Tresengespräch der beiden Ruhrpott­legenden Aki Schmidt und Willi Koslowski.

Henning Ross
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Spezial 08

Am 17. Februar 2017 feiert Schalkes Meisterspieler Willi Koslowski seinen 80. Geburtstag. Wir trafen ihn und BVB-Legende Aki Schmidt im Herbst 2015 für ein großes Interview, das kurz darauf in unserem Spezialheft "Erzrivalen" erschien. Am 11. November 2016 verstarb Aki Schmidt. Wir wollen den beiden großen Persönlichkeiten des Ruhrgebietsfußballs mit der Veröffentlichung ihres Gesprächs an dieser Stelle unseren Respekt zollen.

Ein weißer Kastenwagen fährt auf den Parkplatz vor der Gelsenkirchener Glückaufkampfbahn. Auf das Seitenfenster ist das Schalker Vereinswappen geklebt und der Schriftzug »Post vom Meister«. Normalerweise würde nach fünf Dekaden meisterloser Existenz am Schalker Markt einiges an Chuzpe dazu­gehören, solche Aufkleber durch den Ruhrpott spazieren zu fahren.

Doch es gibt einen einzigen rechtmäßigen und anerkannten Halter für dieses Dienstfahrzeug: Willi Koslowski, 78 Jahre alt, Mitglied der letzten Meistermannschaft und immer noch Mitarbeiter der Poststelle des FC Schalke. Ein Mann, für den so etwas wie die Pensionierung vor etlichen Jahren nur Papierkram bedeutet.

»Echte Liebe«? Schmidt braucht keine Marke

Auch Alfred Schmidt steigt aus seinem Wagen, 80 Jahre alt, gegen den Dauerregen zieht er seine Mütze noch etwas tiefer ins Gesicht, darauf das Wappen von Borussia Dortmund und der Schriftzug »Pöhler«, den Dortmunder Fans dank Jürgen Klopp nicht nur in Deutschland, sondern überall in Europa und Asien tragen. Pöhler, »Echte Liebe« – Schmidt braucht eigentlich keine Marke oder Botschaften, er ist selbst eine BVB-Markenbotschaft.

Er war jahrelang Kapitän, gewann mit Dortmund in den sechziger Jahren Meisterschaften, den DFB-Pokal und den ersten Europapokal. Danach war er Fanbeauftragter und führt heute Besucher durch das Westfalenstadion. Er sagt dann Sätze wie: »Hier kommen die Spieler zum Interview. Die können nicht sagen: ,Blas’ mir am Kopp, ich hab keine Lust.‘ Die haben das im Vertrag.« Spätestens da weiß man: Es gibt keinen Besseren für den Job.

Schmidt und Koslowski sind Legenden des Ruhrgebietsfußballs, auch wenn sie selbst allergisch auf diese Titulierung reagieren. Sie umarmen einander bei der Begrüßung wie alte Schulfreunde. Mensch Willi, Mensch Aki. Im Ruhrpott wird man zweimal getauft, einmal in der Kirche, einmal auf dem Bolzplatz. Alfred Schmidt ist einfach nur Aki, Willi Koslowski ist Willi oder eben »der Schwatte«, wegen seiner pechschwarzen Haare in der Jugend.

»Am Tresen haben immer alle gewonnen«

Der Schwatte fragt dann auch den Aki, ob er sich noch daran erinnern könne, wie sie hier an der Glückaufkampfbahn aufs Spielfeld gelaufen sind. Das sei doch zu lange her, entgegnet Schmidt, setzt sein schelmisches Grinsen auf und sagt: »Ich weiß nur, dass ihr immer auf den Arsch gekriegt habt. Wir haben ja früher kein einziges Spiel verloren.« Und der Schwatte: »Ja, sicher, am Tresen. Am Tresen haben immer alle gewonnen.«

Schmidt und Koslowski setzen sich zusammen, und mit allem, was sie sagen und wie sie miteinander umgehen, wird eines deutlich werden: Und zwar dass ein oft vergessener, aber dennoch klarer Unterschied besteht zwischen Feindschaft und Rivalität.