Wie zwei US-Brüder den erfolgreichsten Fußball-Cartoon der Welt kreierten

»Die Eitelkeit ist einzigartig«

Craig und Adam Malamut gaben ihre Karrieren auf, um Cartoons zu zeichen - und erschufen die vielleicht lustigste Fußball-Zeichentrickserie aller Zeiten. Im Interview erklären sie, wie Amerikaner die Bundesliga sehen und was genau an Thomas Müller eigentlich komisch ist.

Youtube/Bleacher Report

Craig und Adam Malamut, Ihre Serie »The Champions« ist eine Art Cartoon-Reality-TV-Show: Die größten Fußballstars der Welt ziehen zusammen in eine gigantische Villa, werden überall von Kameras begleitet, streiten sich und gehen zusammen saufen. Warum haben Sie sich für dieses Setting entschieden?

Adam: Es war für uns logisch. Fußball hat einfach diesen Vibe. Der Sport ist so fancy...

Craig: ...es gibt so viele große Persönlichkeiten...

Adam: ....und es gibt so unglaublich viele Eitelkeiten. Es fühlt sich einfach wie eine Reality-TV-Show an und wir fanden die Vorstellung sehr lustig, diese Egos alle in ein Haus zu packen. Also haben wir ein großes Chateau an einem mysteriösen Ort in Europa entworfen. Niemand weiß genau wo es ist - und da haben wir einfach 800 Spieler reingesteckt. Und ihre Trainer.

In den Profiligen Ihrer Heimat, beispielsweise in der NBA, gibt es ebenfalls viele große Persönlichkeiten. Heben sich Fußballer-Egos stark von den Egos in den USA ab?

Adam: Das Interessanteste ist, dass der Fußball so international ist. Es gibt so viele unterschiedliche Persönlichkeiten und Kulturen. Jeder kommt aus einem anderen Teil der Welt. Und diese Eitelkeit, die Fußballspieler haben, ist schon etwas komplett Einzigartiges. Alleine, wie Fußballer sich anziehen.

Craig: Und die Frisuren sind so viel besser.

Adam: Ja, es gibt echt viele bescheuerte Frisuren.

Und wenn jemand halbwegs normal aussieht, so wie beispielsweise Luka Modric, dann bekommt er von Ihnen einfach ein komplettes Make-Over verpasst.

Adam: Modric haben wir komplett umgestylt - wie bei der Serie Queer-Eye. Das ist das Schöne an Cartoons. Wir können jeden so aussehen lassen, wie wir Lust haben.

Sie sind in den USA mit Ihren Zeichentrickserien über die NBA (Game of Zones) und die NFL (Gridiron Heights) bekannt geworden. Warum machen Sie jetzt eine Fußball-Show?

Adam: Turner (amerikanisches Medienunternehmen, d. Red.) hat die Rechte für die Champions League bekommen und es hat sich wie das Richtige angefühlt, um Fußball in den USA beliebter zu machen. Wir sind jetzt Teil dieses unendlichen Versuchs, das zu schaffen.

Schauen Sie selbst auch Fußball?

Adam: Bei mir war es die typische amerikanische Geschichte: Ich habe als Kind Fußball gespielt, war ziemlich schlecht und habe das Interesse verloren. Später habe ich mit einem französischen Kumpel viel FIFA gespielt. Während wir gespielt haben, hat er mir alles über die Teams und die Spieler erzählt. Seitdem verfolgte ich Fußball wieder, aber eher sporadisch - aber seitdem wir die Champions-League-Rechte haben, sind wir All-In gegangen, haben geschaut, dass wir auch wirklich nichts verpassen.

Man merkt dem Cartoon nicht an, dass Sie nicht unbedingt die größten Fußball-Nerds sind.

Adam: Wir wollten unbedingt eine Show kreieren, die die Sprache des Fußballs fließend spricht. Wir wollten eine Show für die schlausten Fans. Wir wollten, dass »The Champions« ein Ort für Menschen wird, die sich wirklich mit Fußball auskennen. Wir wollten es nicht runterdummen, sondern sichergehen, dass niemand sagt: »Ich glaube, die Jungs haben keine Ahnung.« 

Wie haben Sie das hinbekommen? Fußballfans merken eigentlich sehr schnell, wenn sich jemand nicht wirklich auskennt.

Adam: Ich werde niemals faken können, dass ich so viel Ahnung habe wie jemand, der mit Fußball aufgewachsen ist. Wir haben bei »Bleacher Report« viele Fußballexperten. Alles, was wir machen, besprechen wir mit ihnen. Du kannst es bei den Meetings richtig fühlen, wenn wir das richtige Thema haben - zum Beispiel José Mourinho. Jeder will über Mourinho sprechen.

Craig: Dann sitzen wir in einem Raum voller Fußballfans und alle fangen plötzlich an zu strahlen und zu lachen. Unser Job ist es, diese Momente zu finden. Die gelbe Wand im Zimmer von Marco Reus war so ein Moment. Das kam sofort in unsere Bundesliga-Episode.

Die Bundesliga-Episode musste natürlich auf dem Oktoberfest spielen.

Craig: Wir wollten es so klischeehaft deutsch wie möglich machen. Außerdem haben wir dieses Video von Thomas Müller gesehen, wie er in Lederhosen tanzt.

Adam: Und es war der ideale Rahmen, um alle Bundesliga Teams zusammenkommen zu lassen.

Und der ideale Rahmen, damit Thomas Müller Christian Pulisic abfüllen kann.

Adam: Ja, wir haben ihn zum Gesicht des FC Bayern gemacht, der bei anderen Vereinen wildert. Er will unbedingt den naiven amerikanischen Jungen Pulisic beeindrucken.

Thomas Müller ist in Ihrer Serie ein arroganter Typ, der überall mit seinem Spitznamen »Raumdeuter« hausieren geht. Wie sehen Sie ihn?

Adam: Als wir gehört haben, dass er der »Räumdeuter« ist - ich entschuldige mich für meine Aussprache, aber es ist einfach das deutscheste Wort überhaupt -

Craig: Rrräumdeuter.

Adam: Räumdeuda. Egal. Jedenfalls ist es nicht nur unmöglich es auszusprechen, sondern auch unmöglich zu verstehen. Am nähesten kommt als Erklärung vielleicht so etwas wie »Rauminterpretierer« oder »Raumermittler«. Klar, wissen wir, dass es eigentlich heißt, dass er auf dem Platz alle möglichen Räumen findet, aber wir fanden die Vorstellung lustig, dass er ein echter Ermittler ist, also ein Detektiv…

Craig: Wir haben einfach den Namen möglichst schlecht übersetzt und den Gag dann komplett ausgeschlachtet.

Gab es wütende Anrufe vom FC Bayern?

Adam: Müller ist ziemlich cool damit umgegangen, er hat uns auf Twitter retweetet. Der FC Bayern an sich war ziemlich cool.

Craig: Ich glaube, sie sind Fans von der Serie. Sie verstehen auf jeden Fall Spaß.

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