Wie wird man mit 28 Jahren Bundesliga-Trainer, Julian Nagelsmann?

»Mit den Spielern Konsole zu zocken, würde zu weit gehen«


Wie ist der Umgang mit Spielern, die älter als Sie selber sind? Respektieren diese vorbehaltslos Ihre Autorität?
Anfangs gab es ein gegenseitiges Abtasten. Die älteren Spieler hatten in Ihrer Laufbahn schon den ein- oder anderen Trainer und wollten austesten, ob ich überhaupt Ahnung von Fußball habe. Ich denke, ich konnte Sie durch meine individuellen Ratschläge und fachlichen Sachverstand überzeugen.

Wie treten Sie den Spielern gegenüber auf?
Respektvoll, aber bestimmend. Wichtig ist, dass ich mir nichts darauf einbilde, so jung Bundesliga-Trainer zu sein und meine Aufgabe ohne Arroganz erfülle. Ich habe die Weisheit nicht mit Löffeln gefressen, aber ein bisschen Fußballkompetenz habe ich schon. Das akzeptieren auch die älteren Spieler.

Es scheint, dass junge Trainer ohne große Fußballkarriere derzeit schwer im Trend liegen. Um nur einige zu nennen: Jürgen Klopp, Christian Streich und Thomas Tuchel. Haben Sie eine Erklärung dafür?
Es gibt verschiedene Gründe, die für junge Trainer sprechen: Die Jugend von heute spricht eine andere Sprache und wächst mit sozialen Netzwerken auf – die Gesellschaft insgesamt hat sich sehr verändert. Vielleicht fällt es jüngeren Trainern leichter, mit jungen Spielern umzugehen.

Inwiefern stehen Sie den Spielern näher als ein älterer Kollege. Spielen Sie vielleicht sogar mal eine Runde Fußball auf der Konsole mit den Jungs?
(lacht) Unabhängig vom Alter gehört es zu den Aufgaben eines Co-Trainers, nah an der Mannschaft zu sein, aber abends mit den Spielern Konsole zu zocken, würde zu weit gehen. Ich muss aufpassen, dass es nicht zu eng wird. Die Beziehung muss professionell bleiben.

Haben Sie ein persönliches Trainervorbild?
Pep Guardiola ist aufgrund seiner Persönlichkeit und der Spielweise des FC Barcelona in jeder Hinsicht ein Vorbild. Aber auch die Trainingsarbeit von Thomas Tuchel war für mich sehr prägend. Dennoch sind es natürlich noch Welten, die mich von meinen Vorbildern und anderen Bundesligatrainern trennen.

Dafür haben Sie ja auch noch ein bisschen Zeit.
(lacht) Das hoffe ich.