Wie werden Spielmanipulationen aufgedeckt?

»In Deutschland fehlt es am politischen Willen«

Bei einem Spiel Barcelona gegen Madrid sind die Informationen zu verletzten Spielern oder private Probleme des Torwarts der Heimmannschaft relativ einfach zu recherchieren. Wie kommen Sie an solche Daten bei Partien in Ländern wie beispielsweise Mazedonien oder Albanien?
Dafür pflegen wir ein weltweites Netzwerk von über 150 Journalisten, die uns mit Informationen versorgen und entsprechende Sprachkenntnisse haben. Zudem empfangen wir insgesamt über 4000 Fernsehsender.

Wie kommen Betrüger eigentlich an die Spieler oder Schiedsrichter, die den Spielverlauf für sie beeinflussen sollen?
Die Vielfalt der Manipulationsarten spiegelt sich auch in der Vielzahl der Rekrutierungsformen nieder. Durch die enge Zusammenarbeit mit Strafverfolgungsbehörden haben wir gelernt, dass die Kriminellen zumeist sehr sorgfältig und langsam vorgehen. Oft werden genaue Persönlichkeitsprofile von Spielern und Schiedsrichtern erstellt, Schwachstellen werden gezielt gesucht und dann gnadenlos ausgenutzt. Hat die Person wirtschaftliche oder persönliche Probleme? Spielsucht? Probleme in der Familie? Gängig ist auch, zunächst Freundschaften aufzubauen. So gelangt der Betrüger schließlich ganz nebenbei an Insiderinformationen aus dem Verein – wie werden sie spielen, wer ist verletzt, welche Probleme gibt es in der Mannschaft? Das ist ein schleichender Prozess.

Ihr Unternehmen beobachtet seit über zehn Jahren den Wettmarkt. Wie groß ist der Anteil an Spielmanipulationen nach ihrer Einschätzung?
Das ist regional und von Liga zu Liga unterschiedlich. Wir wissen von einer Fußballliga, in der vergangene Saison mindestens 30 Prozent aller Spiele manipuliert waren. Insgesamt sind hingegen etwas weniger als ein Prozent aller von uns überwachten Spiele betroffen. Bei etwa 65.000 Spielen pro Jahr in elf Sportarten kommt aber dennoch eine stattliche Zahl an Betrugsfällen zusammen.

Das wären dann mehrere Hundert manipulierte Spiele pro Jahr. Wie oft werden Verdachtsfälle, die Sie weitergeben, denn am Ende aufgeklärt?
Leider noch nicht oft genug.

Woran liegt das?
In manchen Ländern schauen Verbände oder Ligen teilweise bewusst weg oder sind gar in die Manipulation involviert. DFB und DFL muss man hier aber explizit ausnehmen.
Hierzulande scheitert es oft an der unklaren Zuständigkeit, aber auch am fehlenden Verständnis der Problematik bei Strafverfolgungsbehörden. Zudem fehlt es in Deutschland am politischen Willen, überhaupt einen Straftatbestand Sportbetrug zu definieren – und das über zehn Jahre nach Robert Hoyzer und einer Vielzahl von Folgefällen.

Haben Sie eine Erklärung für diese Untätigkeit?
Hier kann ich nur kopfschüttelnd spekulieren. Sportbetrug stellt ja auch Doping unter Strafe – wodurch vielleicht bestimmte Medaillenziele gefährdet wären? Ich weiß es wirklich nicht.