Wie Uwe Fuchs zum Publikumsliebling in Middlesbrough wurde

»Who the Fuchs is Jurgen Klinsman«

Die Fans haben ihre Begeisterung für Sie wahrscheinlich ebenfalls humorvoll zum Ausdruck gebracht.
Ja, ihr Gesang auf mich war: »Olé, olé, olé, olé, duvet, duvet!« Ein Duvet ist eine Bettdecke, denn damals war ich der Einzige im Team, der keine kurzgeschorenen Haare hatte. In dem Jahr spielte Jürgen Klinsmann bei Tottenham Hotspur und hat unheimlich viele Tore gemacht. Am Ende der Saison haben sie ein T-Shirt mit meinem Konterfei gemacht, und darunter stand: »Who the Fuchs is Jurgen Klinsman«.  Leider habe ich davon nie eines bekommen.

Warum nicht?
Nach dem Saisonende gab es noch ein Abschiedsspiel für den langjährigen Torhüter Lee Pearce, und als ich danach aus dem Stadion kam, standen viele Fans mit diesem Shirt bereit und wollten meine Unterschrift darauf. Ich wollte unbedingt selber eines haben und habe einem der Fans irgendwann sogar 200 Pfund dafür geboten. Aber er hätte es nicht mal für 1000 Pfund verkauft, unglaublich!

War das Ihr letztes Spiel in Middlesbrough?
Ja, und hinterher gab es eine Ehrenrunde mit der Mannschaft. Ich bin dann in sentimentaler Stimmung in die Kabine gegangen, denn ich wusste: Das war's endgültig. Bryan Robson hatte mir gesagt, dass er nach dem Aufstieg neue Stürmer verpflichten würde und ich dann keine Chance zu spielen mehr hätte. Ich hatte noch keinen neuen Klub, und mir war schon klar, dass ich gerade das Highlight meiner Karriere erlebt hatte. Dann kam der Torhüter rein und sagte: »Uwe, du musst noch mal raus, die Leute wollen dich.« Dann stand ich plötzlich allein im Mittelkreis und bin von 25.000 Leuten gefeiert worden. Mir treten die Tränen in die Augen, wenn ich nur davon erzähle.



Danach haben Sie sich geschüttelt und sind nach Hause gefahren?
Nein, es ging noch weiter. Nach dem Spiel gab es ein Riesendinner mit 300 Leute, und plötzlich sind alle meine Kollegen weg. Und als ich mich frage, was ich verpasst habe, kommen sie auch schon auf die Bühne. Mannschaftskapitän und Trainer haben mich mit ein paar netten Worten verabschiedet, anschließend haben alle gesungen: »We'll meet again.« Das ist ein Lied, das im Zweiten Weltkrieg populär war, als die Männer in den Krieg gefahren sind. Es wurde in sentimentaler Stimmung immer in der Kneipe gesungen, und ich mochte das sehr. Alle im Saal sind eingestimmt, und ich habe geheult wie ein Schlosshund.

Das war aber das volle Programm!
Das ist immer noch nicht alles. Bei unserem letzten Spiel in Tranmere, wir waren längst aufgestiegen, bin ich gesperrt gewesen. Ich bin aber mitgefahren und habe mit den anderen Spielern, die nicht im Kader waren, ein paar Bier getrunken. In der zweiten Halbzeit musste ich zur Toilette. Als ich aufstand, haben mich unsere Fans gesehen und sechstausend Mann haben meinen Namen gerufen. Das ist aber nur der erste Teil der Geschichte.

Ok, was ist der zweite Teil?
In der nächsten Saison, ich war inzwischen bei Millwall unter Vertrag, spielte Middlesbrough unter der Woche in London. Ich bin also in ihr Mannschaftshotel gefahren, um die alten Kollegen zu besuchen. Daraufhin hat mich Bryan Robson mit in die Mannschaftsbesprechung genommen, in Deutschland wäre das unvorstellbar. Einige von den neuen Spielern guckten auch etwas irritiert, aber er hat nur gesagt: »Ohne den wärt ihr gar nicht hier.« Dann machte er seine Besprechung, und ganz am Schluss drehte er sich zu mir und sagte: »Übrigens brauchen wir heute die Unterstüzung unserer Fans, Uwe. Also geh bitte heute nicht während des Spiels aufs Klo.«

Wären Sie unter diesen Umständen nicht viel lieber in Middlesbrough geblieben?
Einerseits schon, aber wenn ich geblieben wäre, hätte ich vermutlich meine Legende zerstört.

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