Wie übersteht man trotz Alkohol und Hitze ein Fußballspiel, Dr. Zinner?

»Fußball bei Kater? Ich empfehle Konterbier«

Der promovierte Sportwissenschafter Christoph Zinner gibt praktische Tipps, wie ein Amateurfußballer einen harten Turniertag gegen alle Widerstände meistern kann.

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Christoph Zinner, die Promillegrenze beim Autofahren liegt bei 0,5. Welche würden Sie beim Fußballspielen ansetzen?

Wenn Sie mich als Wissenschaftler fragen, würde ich empfehlen, spätestens ab 0,5 Promille nicht mehr zu spielen.

Warum?
Weil Alkohol die sportliche Leistungsfähigkeit und Koordination erheblich senkt. Aber man muss sagen: Im Turmspringen und Sportschießen steht Alkohol auf der Dopingliste, weil es in diesen Sportarten sehr um Nervosität geht – und Alkohol diese reduziert. So können etwa Sportschützen ihre Schusswaffe ruhiger halten.

Raten Sie im Fußball zu Alkohol, wenn man vor einem entscheidenden Spiel steht?
(Lacht.) Eher nicht. Allerdings könnte man bei ein, zwei Bier tatsächlich von einer positiven Wirkung des Alkohols sprechen, weil man ruhiger wird. Mit steigender Promillezahl werden aber Koordination und Konzentration immer schlechter. Und man wird immer risikobereiter und geht härter in Zweikämpfe. So nimmt die Verletzungsgefahr zu.

Angenommen ein Spieler geht mit einem Kater ins Turnier. Wie lässt er sich bekämpfen?
Ich empfehle Cola, weil sie Zucker und damit Energie enthält. Und das Koffein pusht den Kreislauf, so kann der Körper schneller die Giftstoffe abbauen. Das kann für eine halbe Stunde helfen. Langfristig würde ich eher eine Banane empfehlen. Oder – natürlich mit Einschränkungen – ein Konterbier. (Lacht.)

Wie bitte?
Kurzfristig geht es einem besser. Nach dem Alkoholkonsum fehlen dem Körper Mineralien – und er muss die Giftstoffe abbauen. Diese Giftstoffe sind für den Kater verantwortlich. Trinkt man weiter, kommt die berauschende Wirkung zurück. Und der Körper vernachlässigt den Abbau der Giftstoffe.

Wie reagiert der Körper auf das Zusammenspiel von Fußball, Sonne und Alkohol?
Das bedeutet Stress für ihn. Das zentrale Problem ist die Flüssigkeit. Diese wird dem Körper durch Hitze und Sport entzogen: Man schwitzt. Zusätzlich verhindert Alkohol, dass die Flüssigkeit, die sich in der Blase sammelt, teilweise wieder aus dem Urin resynthetisiert werden kann. So geht zusätzliche Flüssigkeit verloren. Durch diesen Vorgang füllt sich die Blase schneller und man muss öfter urinieren..

Mit Verlaub: Das hört sich nicht besonders gefährlich an.
Durch die Hitze und den Sport dehydriert der Körper, die Körperkerntemperatur steigt. Der Alkohol verstärkt diesen Dehydrationseffekt noch. Einfacher gesagt, wenngleich nicht ganz medizinisch korrekt: Man überhitzt. Im extremsten Fall klappt man zusammen. Zwar nicht bei 25 Grad und drei Bier, aber wenn beides zunimmt, besteht diese Gefahr.

Ist es eine Legende, dass Alkohol schneller wirkt, wenn man sich in der Sonne aufhält?
Nein, das ist korrekt. Deswegen sollte man eher im Schatten als in der prallen Sonne trinken.

Haben Sie weitere Ratschläge für Amateurspieler, die vor einem harten Turnier mit Sonne und Alkohol stehen?
Man sollte langsam trinken und regelmäßig Wasser oder Apfelschorle zu sich nehmen. Auch Nahrung hilft natürlich. Rote Bete etwa.

Rote Bete?
Sie ist optimal für Fußballer, weil sie reich an Nitrat ist. Und Nitrat verbessert die Sauerstoffzufuhr zur Muskulatur. So wird die Ausdauer gefördert, weil die Energiebereitstellung verbessert wird. Deswegen sollte man eineinhalb Stunden vor dem Spiel Rote Bete essen oder trinken.

Wie stehen Sie zu fetthaltigem Essen?
Es stimmt nicht, dass es den Alkohol aufsaugt. Durch Nahrung wird der Alkohol aber langsamer vom Körper aufgenommen – und sie beschleunigt den Abbau von Alkohol. Ich würde einen Salat oder eine Banane empfehlen. Sie enthalten Stoffe, die das ausgleichen, was der Alkohol wegnimmt – auch wenn wahrscheinlich keiner bei einem Amateurturnier Salat oder Banane isst. (Lacht.)

Nicht wenige Amateurspieler rauchen. Beeinträchtigt die Kippe danach auch kurzfristig die Leistungsfähigkeit?
Ja. Das in Zigaretten enthaltene Kohlenmonoxid blockiert die Zufuhr von Sauerstoff, dabei braucht der Körper nach dem Sport Sauerstoff, um seine Energiespeicher aufzufüllen. So wird die Regeneration für mindestens eine halbe, dreiviertel Stunde akut verschlechtert.

Und langfristig?
Die Energie wird langsamer bereitgestellt. Oder im Volksmund: Die Luft ist schneller raus. Und man regeneriert langsamer. Auch Alkohol behindert die Erholung, weil die dafür zuständigen Hormone gehemmt werden.

Christoph Zinner, ab wie viel Bier nimmt man trotz der sportlichen Betätigung nicht ab?
Wenn man eine Stunde Fußball spielt, verbrennt man ungefähr 650 Kalorien. Das entspricht etwa eineinhalb Litern Bier. Da der durchschnittliche Spieler im Laufe eines Turniertages vermutlich mehr trinkt, wird er wohl nicht abnehmen. Aber das ist ja auch nicht Ziel des Ganzen. (Lacht.)

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Dr. Christoph Zinner hat an der Deutschen Sporthochschule in Köln studiert und 2013 an dieser promoviert. Im Rahmen seiner Forschung hat er mit diversen Nachwuchsmannschaften von Bundesligisten zusammengearbeitet. Zudem hat mit den Profis von Bayer Leverkusen Leistungstests durchgeführt.