Wie sich Wout Weghorst aus Hollands Amateurfußball in die Bundesliga kämpfte


»Du? Profi? Unmöglich!«


Wout Weghorsts Weg in den Profifußball war steinig. Als Jugendlicher wollte ihn kein großer Klub ausbilden, später galt er wegen seines extremen Ehrgeizes als Wahnsinniger. Ein Gespräch über Mentalität, vereinsamte Senioren und Darts-Spiele gegen Michael van Gerwen.



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Wout Weghorst, Sie sind als zweitjüngster von vier Brüdern aufgewachsen. Mussten Sie schon als Kind die Ellenbogen ausfahren?
Bei vier Jungs geht es natürlich rund, da passiert ständig etwas. Aber meine Brüder und ich, wir waren schon immer sehr eng miteinander verbunden. Und als sich meine Eltern scheiden ließen, hat uns das noch enger zusammengeschweißt. Wir kommen extrem gut miteinander aus.



Wo lebten Sie nach der Scheidung Ihrer Eltern?

Zunächst bei meiner Mutter, für etwa ein Jahr. Danach haben wir wochenweise gewechselt. Eine Woche Mama, eine Woche Papa. Ich glaube, dass diese Zeit viel dazu beigetragen hat, dass sowohl meine Brüder als auch ich einen starken Willen entwickelt haben. 



Warum?

Wir mussten früh darüber entscheiden, was wir im Leben wollen. Und ich wusste zum Beispiel schon mit acht Jahren: Ich werde Fußballer.



Und Ihre Brüder?

Bei denen war es ähnlich. Einer wollte Pilot werden – und heute fliegt er beruflich eine Boeing. Der andere wollte Architekt und der nächste Unternehmer werden. Wir alle üben heute den Beruf aus, von dem wir als Kinder geträumt haben. 



Allgemein könnte man sagen, dass es bei den Weghorsts läuft. Immerhin betreibt das Familienunternehmen mit AVIA-Weghorst gleich 130 eigene Tankstellen in Holland. Kam es für Sie je in Frage, dort einzusteigen?
Nein, nie. Für mich gab es nur den Fußball. Dafür macht den Job heute der Bruder von mir, der Unternehmer werden wollte.



Dürfen Sie in der Heimat wenigstens für lau tanken?

Schön wär’s! (Lacht.) Aber nein, keine Chance, wir müssen alle zahlen. Da ist mein Vater streng.

Sie kommen aus Borne, einer kleinen Stadt bei Enschede, nahe der deutschen Grenze. Waren Sie als Kind oft in Deutschland?

Eigentlich nicht. Wir sind auf dem Weg in den Urlaub höchstens durchgefahren. Aber ich habe in der Schule früh Deutsch gelernt und das auch bis zum Ende durchgezogen – weil die Alternative dazu Französisch gewesen wäre. Das ist für uns Holländer die deutlich komplizierte Sprache.


Haben Sie damals die Bundesliga verfolgt?

Das schon. Immer samstags um 18 Uhr liefen bei uns im Fernsehen die Zusammenfassungen der Spiele. Ich habe dann immer auf einen Spieler ganz besonders geachtet.


Und zwar?

Auf Niels Oude Kamphuis.



Wieso das denn?

Er spielte immerhin für Schalke, kommt auch aus Borne und, das war der Hauptgrund: Er war lange der Nachbar meines Onkels. Wenn ich bei ihm zu Besuch war, guckte ich immer ganz aufgeregt über den Zaun: Ist Oude Kamphuis zu Hause? Einmal war er da – und kickte mit mir ein bisschen im Garten. Seitdem war er für mich der Größte. Deswegen habe ich immer auf Schalke geachtet und mich mehr und mehr mit der Liga beschäftigt. 



Als Niederländer hätten Sie durchaus schillerndere Vorbilder haben können. Immerhin kommen Sie aus einem Land, das Artisten wie Marco van Basten, Robin van Persie oder Arjen Robben hervorgebracht hat.

Aber die niederländischen Stürmer haben mich nie so gepackt. Mein Lieblingsspieler war lange Jari Litmanen. Den fand ich echt geil. Obwohl ich damals noch recht klein war und nicht viel Ahnung von Fußball hatte, wurde ich von seinem Style in den Bann gezogen. Ich habe mir Poster von ihm ins Zimmer gehängt, kurze Zeit fand ich Ajax richtig cool. Obwohl ich eigentlich als Twente-Fan aufgewachsen bin und mit meiner Familie auch immer zu Twente ins Stadion ging.