Wie sich Kevin Pannewitz zurück in den Profifußball gekämpft hat

»Ich habe keine Wanne mehr«

Kevin Pannewitz galt einst als großes Talent des deutschen Fußballs, dann folgten Übergewicht und der persönliche Abstieg. Am Samstag gab er sein Comeback für FC Carl Zeiss Jena, und hat Hunger auf mehr.

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Kevin Pannewitz, Sie haben am Samstag nach sechs Jahren Pause wieder ein Profispiel bestritten, was war dabei der schönste Moment?
Als unser Trainer mich gerufen hat und ich wusste, dass ich gleich eingewechselt werde. Aber der ganze Tage war aufregend, weil ich mir schon ein wenig ausgerechnet habe, dass ich spielen würde.

Ist Ihnen in der Rückschau klar, warum es überhaupt sechs Jahre Pause geworden sind?
Letztlich bin ich an mir gescheitert, aber ich habe mich da auch rausgekämpft. Es ist 13 Monate her, dass ich 126 Kilo gewogen habe und gar keinen Sport gemacht habe zu 89 Kilo und meinem ersten Einsatz in der Dritten Liga.

Einige Zeitungen haben Sie »Wannewitz« genannt und Felix Magath hat gesagt: »Pannewitz ist panne«. Können Sie heute über diese Witze lachen?
Das ist mir egal, ich habe ja keine Wanne mehr.

Sind Sie stolz auf sich?
Einerseits schon, aber mir ist auch klar, dass ich mich zurückgekämpft habe, nachdem ich es vorher versaut habe. Ich hätte es auch einfacher haben können.

Sie haben viel Anläufe unternommen, Magath hat sie sogar mal nach Wolfsburg geholt und Sie nicht fit bekommen. Warum hat es jetzt geklappt?
Ich habe viel gearbeitet und hatte wenig Zeit für meinen Sohn gehabt. Das hat mir Antrieb gegeben. Jetzt kann ich nämlich mittags zuhause sein, habe die Wohnung schon aufgeräumt und kann mich um den Jungen kümmern. Wir haben als Fußballspieler so viel Freizeit, den normale Leute nicht haben können, das ist ein enormer Luxus.

Was ist Ihnen in den letzten 13 Monaten die höchste Hürde?
Letztendlich hatte ich halt immer ein Hungergefühl, und da ist man leicht gereizt. Ich hatte viel mit Kunden zu tun, denen ich Kühlschränke und Waschmaschinen geliefert habe, wo man sich zusammennehmen muss. Das war teilweise nicht einfach.

Seit wann arbeiten Sie nur noch Fußball?
Seit dem 20. Mai bekomme ich bei Carl-Zeiss Jena eine kleine Aufwandsentschädigung, von der wir auch leben können.

Ist das Essen noch ein Problem?
Ich muss sagen: ich liebe Essen! Es gibt einem Glück, wenn es einem mal schlecht geht. Also muss ich das im Auge behalten, etwa wenn ich für die Woche einkaufen gehe.

Kochen Sie selber?
So viel Geld verdiene ich nicht, dass ich jeden Tag essen gehen könnte. Und wenn man selber kocht, kann man relativ gut günstig essen.

Was gibt es heute?
Ich bin mir noch nicht ganz sicher, aber Lust hätte ich auf Garnelen mit Gemüse.

Dann: Guten Appetit.