Wie Robert Lewandowski zum Weltklassestürmer reifte

»Ist es nicht besser, wenn ich versuche, meine Karriere zu genießen ...?«

Sie brauchen also den Gewinn der Champions League, um Weltfußballer zu werden.
Bei so einer Wahl ist es sicher von Vorteil, sich zumindest mal in einem Champions-League-Finale zu präsentieren. Da reichen die Deutsche Meisterschaft und der DFB-Pokal nicht aus.

Deshalb bekommt man nach fünf Titeln in Folge den Eindruck, dass für den FC Bayern die Saison erst richtig beginnt, wenn die K.o.-Phase in der Champions League anfängt. Wie bereiten Sie sich als Spieler vor, um besonders in der zweiten Saisonhälfte topfit zu sein? 
Auf den Punkt planen lässt sich das nicht. Ich versuche, während der gesamten Saison in einen Rhythmus zu kommen und ständig konzentriert zu sein. Ich darf mich nicht hängenlassen, nie nachlassen. Es ist wie beim Torschießen, ich muss in jedem Augenblick aufmerksam sein. Deshalb versuche ich, auch gegen alle Gegner, in jedem Spiel konstant auf höchstem Level zu spielen und nie nachzulassen. 

Ihr Vertrag in München läuft bis 2021. Sie sind 29 Jahre alt. Ist es nach wie vor Ihr Ziel, noch mal bei einem internationalen Klub zu spielen?
Sie wissen selbst, wie schnelllebig Fußball ist. Es gibt Spieler, die auf so eine Frage antworten: »Ich will hier meine Laufbahn beenden.« Und dann kommt der Klub und sagt: »Danke, aber wir brauchen dich nicht mehr.« Aber für mich gilt: Ich habe Vertrag bis 2021 und wir fühlen uns sehr wohl in München. 

Seit dem Transfer von Neymar zu Paris Saint-Germain wird offen diskutiert, wie viel Kommerz der Profifußball noch erträgt. Wie nehmen Sie als Profi diese tektonischen Verschiebungen wahr?
Das ist nicht mein Thema. Ich bin kein Sportdirektor, kein Vereinsboss. Mich interessieren keine Zahlen oder was mit anderen Spielern passiert. Natürlich bin ich überrascht, wie rasant sich die Transfersummen erhöhen, aber letztlich muss ich auf meine Karriere schauen und abwägen, was ich erreichen kann. 

Also wie auf dem Rasen: Volle Konzentration auf das Wesentliche, um da zu sein, wenn sich die Chance ergibt. 
So können Sie das sehen. Um es kurz zu machen: Es interessiert mich einfach nicht, wer das Geld hat, woher es kommt und wohin es geht. 

Aber darüber müssen Sie sich doch Gedanken machen. Vor sieben Jahren spielten Sie noch in Polen, jetzt sind Sie einer der teuersten Fußballer der Welt. Warum?
Ist es nicht besser, wenn ich versuche, meine Karriere zu genießen und nicht allzu viel nachzudenken, was um mich herum passiert? Nach der Laufbahn habe ich genug Zeit, darüber nachzudenken, was ich gewonnen habe und was ich verpasst habe. 

Und jetzt? 
Jetzt liegt meine volle Konzentration darauf, wie ich auch im nächsten Spiel das Ding wieder in dieses Viereck aus Aluminium bekomme. (Zeichnet in der Luft die Umrisse eines Tors.)