Wie Robert Lewandowski zum Weltklassestürmer reifte

»Boah! Fünf Tore in neun Minuten!«

Dennoch sieht man Sie so gut wie nie aus der Haut fahren.
Ich bin froh, dass es Ihnen über die Kameras offenbar noch nie aufgefallen ist. Das ist gut! Aber, glauben Sie mir, wenn es mir zu bunt wird, gehe ich auch mal dazwischen und sage: »Hör mal, ich will Fußball spielen, wenn du dazu keine Lust hast, haben wir ein Problem.« 

Übersprunghandlungen sind von Ihnen aber nicht aktenkundig.
Heute besteht ein Spiel aus viel mehr kleinen Fouls als früher. Deshalb muss gerade ich als Angreifer im Zweikampf gut aufpassen, denn Schiedsrichter neigen dazu, eher das Foul des Stürmers abzupfeifen als das eines Innenverteidigers.

Warum denn?
Weil die Folgen für das Spiel dramatischer sind. Setze ich mich in einer Ein-gegen-Eins-Situation durch ein kleines Foul durch, ist es gleichbedeutend mit einer Torchance. Das Foul eines Innenverteidigers muss da schon härter sein, damit es abgepfiffen wird.

Sie sind auch nicht bekannt dafür, ständig beim Schiri zu lamentieren.
Ich muss mich doch fragen: Wie schlimm ist ein Vergehen, um es minutenlang zu diskutieren? Das Spiel geht ja weiter. Aber es gibt schon Momente, in denen ich richtig sauer bin und zum Schiedsrichter gehe. Das muss nicht zwangsläufig auf dem Platz passieren, ich kann es ja auch auf dem Weg in die Halbzeit machen.

Spätestens mit Ihren fünf Treffern in Rekordzeit gegen den VfL Wolfsburg gingen Sie im September 2015 in die Fußballgeschichte ein. Sind diese neun Minuten auch in Ihrer Wahrnehmung der größte Moment Ihrer Laufbahn? Sie haben 2013 auch mal vier Tore im Champions-League-Halbfinale gegen Real Madrid geschossen.
Ich bewerte diese Dinge nicht. Sie passieren, sind schön, aber ich denke nicht darüber nach, was mehr bedeutet oder ob ich so etwas noch toppen kann. Natürlich weiß ich, dass es vielleicht nie wieder passiert. Ich kann aber nur sagen: Ich bin immer bereit, Tore zu schießen. 

Wie war es, als Sie am Abend nach den fünf Toren gegen den VfL Wolfsburg zu Hause auf dem Sofa saßen?
Natürlich war mir klar, dass da etwas Besonderes passiert ist. Aber drei Tage später war das nächste Match, auf das ich mich konzentrieren musste. Um wirklich zu realisieren, was da abgelaufen ist, hat es bis Weihnachten gebraucht. 

Und als Sie dann unterm Weihnachtsbaum saßen …
… dachte ich: »Boah! Fünf Tore in neun Minuten!«