Wie Robert Lewandowski zum Weltklassestürmer reifte

»Ich habe mehr Talent mitbekommen, als ursprünglich gedacht«

Hat es Sie angetrieben, schon so früh Verantwortung für die Familie übernehmen zu müssen?
Keine Ahnung, ob ich durch seinen Tod mehr Durchsetzungskraft entwickelt habe. Denn mit seiner Unterstützung wäre ich doch auch stark gewesen. Wie oft denke ich, dass ich ihn jetzt gerne um Rat fragen würde.

Es heißt: Talent ist wichtig, aber wer sich allein auf sein Talent verlässt, wird sich irgendwann dem Ehrgeizigen beugen müssen. Wie groß schätzen Sie Ihr Talent als Fußballer ein?
Darüber habe ich mir schon oft Gedanken gemacht. 

Zu welchem Ergebnis sind Sie gekommen?
Dass ich wahrscheinlich mehr Talent mitbekommen habe, als ich ursprünglich dachte. 

Das heißt konkret?
Als junger Spieler hatte ich das Pech, dass meine Trainer in Polen nicht alles aus mir rauskitzeln konnten. So bekam ich den Eindruck, viel mehr arbeiten zu müssen, um das Optimale zu erreichen. Erst seit ich in der Bundesliga spiele, merke ich, welche vielseitigen Möglichkeiten ich als Fußballer mitbringe. Ich habe schon öfter gedacht: »Wäre schön gewesen, wenn mir das jemand mit 14, 15 gezeigt hätte.« Aber letztlich spielt es keine Rolle, ob ich ein großes Talent habe oder ein supergroßes Talent bin – ich muss stetig arbeiten, um weiterzukommen.

Sie gelten inzwischen als einer der besten Stürmer der Welt. An welchem Punkt in Ihrer Laufbahn wurde Ihnen bewusst, dass Sie zu Höherem berufen sind?
Als ich mit zwanzig Jahren von Znicz Pruszkow in die erste Liga zu Lech Posen kam. Dieser Wechsel machte mir klar: Wenn ich kontinuierlich an mir arbeite, kann ich alles erreichen. 

Merken Sie Ihren Weltklassestatus auch daran, wie Gegenspieler mit Ihnen umgehen?
Das ist doch logisch. 

Gibt es in der Bundesliga Gegenspieler, die Ihnen richtig auf die Nerven gehen?
Natürlich gibt es Verteidiger, die nicht gerade darauf aus sind, eine Situation spielerisch zu lösen, sondern schlicht Foul spielen. 



Wer fällt Ihnen da ein?
Carlos Zambrano von Eintracht Frankfurt (seit 2017 bei PAOK Thessaloniki, d.Red.) hat sehr hart gespielt. Wenn es einem Spieler wirklich nur darum geht, macht es keinen Spaß. Und wenn der Schiedsrichter in solchen Fällen nicht aufpasst, wird es unangenehm. Bleibt der Pfiff ein-, zweimal aus, fühlen sich solche Gegenspieler noch bestätigt und machen weiter.