Wie Robert Lewandowski zum Weltklassestürmer reifte

»Mein Vater hat mich nie spielen sehen«

Am Sonntag wurde Robert Lewandowski zum siebten Mal in Folge Polens Fußballer des Jahres. Im Interview spricht er über den frühen Tod seines Vaters, den Champions-League-Titel und Zweikämpfe mit Carlos Zambrano.

Foto: Julian Baumann
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Robert Lewandowski, BVB-Manager Michael Zorc sagte mal über Sie, er kenne keinen Profi, der äußere Einflüsse im Spiel so perfekt ausblenden könne wie Sie. Wie kriegen Sie das hin?
Diese Frage lässt sich nicht in einem Satz beantworten. 

Versuchen Sie es trotzdem.
Jeder weiß, dass im Fußball der Kopf der wichtigste Faktor ist. Zu 70 Prozent wird im Kopf entschieden, ob eine Situation vor dem Tor zu einem Erfolg führt oder nicht. Mir ist also bewusst, dass ich Spiele entscheiden kann, wenn ich innerlich ruhig bin und dem Druck von außen standhalte.

Dass Ihnen das bewusst ist, bedeutet aber ja nicht, dass Sie im entscheidenden Moment auch die Nerven behalten.
Wissen Sie, ich lebe seit zehn Jahren mit der Situation, dass es ständig Spekulationen um mich gibt. Wechselgerüchte. Teams, die Interesse an mir anmelden. Anfangs, das gebe ich zu, habe ich mich schwerer damit getan, diese Faktoren vollständig wegzudrücken. Aber mit der Zeit gewöhnt man sich daran. Ich habe gelernt, dass ich daran sowieso nichts ändern kann. Die einzige Frage, die ich mir stellen muss, lautet: (Zeichnet in der Luft die Umrisse eines Tors.) Wie kriege ich das Ding in dieses Viereck aus Aluminium.

Der Tunnelblick des Stürmers. Haben Sie bestimmte Rituale, mit denen Sie sich am Spieltag in die Situation bringen, alles abseits des Rasens zu vergessen?
Das sind Automatismen. Früher hatte ich, wie die meisten Fußballer auch, Rituale, aber wenn Sie alle drei Tage ein Spiel haben, beginnt sich der Kopf irgendwann darauf einzustellen. 

Das heißt, Sie stehen schon in dem Bewusstsein auf, dass es heute nur um eins gehen kann?
Ja, ich spüre: Heute ist Spieltag, heute gibt es nur das Match, auf das ich mich konzentrieren muss. Anders geht es nicht, wenn Sie als Stürmer Erfolg haben wollen. Denn Fußball spielen – sprich: Pässe, Dribblings, lange Bälle – kann ein Profi immer, auch wenn er müde ist oder nicht gut drauf. Aber in 0,1 Sekunden zu reagieren, wenn mich ein Ball im Strafraum erreicht und dann das Optimale herauszuholen, das gelingt nur, wenn man absolut fokussiert ist. 

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