Wie Patrick Ebert es mit Dresden zurück in die Bundesliga schaffen will

»Nur wenn du Geld in der Tasche hast, schwirren sie um dich herum«

Sie waren U21-Europameister und haben mit vielen späteren Weltmeistern zusammengespielt. Zwei Ihrer besten Freunde, die Boateng-Brüder, sind über den Fußball zu internationalen Stars geworden. Sie dagegen starten jetzt den zweiten Versuch in der zweiten Liga. Kommen Sie sich manchmal vor wie im falschen Film?
Markus Babbel hat vor ein paar Jahren zu mir gesagt: »Hör auf mit dem ständigen Hadern. Es nützt dir nichts.« Diesen Rat habe ich mir zu Herzen genommen. Ich bin genau da, wo ich sein soll – und ich bin selbst dafür verantwortlich, wie meine Karriere verlaufen ist. Den Jungs, die ich von früher kenne, gönne ich ihre Erfolge. Als Jerome 2014 Weltmeister geworden ist, habe ich mich extrem für ihn gefreut. Er hatte zuvor ja sogar noch versucht, ein gutes Wort für mich beim DFB einzulegen.

Was hat er gesagt?
2012 habe ich Hertha nach 14 Jahren verlassen und bin zu Real Valladolid gewechselt. Dort spielte ich ein wirklich überzeugendes Jahr, sammelte Erfahrung auf höchstem Niveau gegen Klubs wie Real Madrid. Danach haben Jerome Boateng und Mesut Özil mit Oliver Bierhoff geredet und versucht, ihn zu überreden, mich wieder in die Nationalmannschaft zu holen. Aber wenn du bei Joachim Löw einmal in der falschen Schublade steckst, ist es schwer.

In der Schublade sind Sie nicht zufällig gelandet. Dieter Hoeneß behauptete mal, als junger Spieler hätten Sie nicht »Nein« sagen können. Wodurch Sie sich immer wieder Ärger einbrockten. Unter anderem gerieten Sie wegen der »Autospiegel-Affäre« in die Schlagzeilen.
Ich war jung, ich war in Berlin, ich habe plötzlich viel Geld verdient. Ich dachte damals, wenn ich abends nicht rausginge, würde ich etwas verpassen. Das Problem war nur, dass die anderen noch zur Schule gingen, ich aber schon Fußballprofi war. Hinzu kamen viele falsche Freunde, denen mein Wohlergehen in Wirklichkeit komplett egal war.

Wie gerät man an solche Leute?
Du lernst sie über Ecken kennen, freundest dich an. Aber du merkst gar nicht, dass sich die Freundschaft auf das Nachtleben beschränkt. Tagsüber hast du dir nichts zu erzählen. Nur wenn du abends unterwegs bist mit Geld in der Tasche, schwirren sie um dich herum.

Umso wichtiger sind wahre Freunde. Haben Sie zu den alten Mitspielern von Hertha noch Kontakt?
Klar. Das wird sich auch nie ändern. Ob es Ashkan Dejagah ist, Jerome Boateng, Änis Ben-Hatira oder Sejad Salihovic. Zu Kevin-Prince ist der Kontakt sogar noch etwas spezieller. Wir kennen uns seit 21 Jahren.

Erinnern Sie sich an Ihre erste Begegnung?
Es war bei meinem ersten Hertha-Training. Wir trafen uns auf einem Kunstrasenplatz im Wedding, und mir blieb zunächst die Spucke weg: Denn Kevin spielte technisch in seiner eigenen Liga. Dafür war ich lange der Einzige, der hoch schießen konnte. Aus irgendeinem Grund haben es die anderen nicht auf die Reihe bekommen. (Lacht.) Vielleicht habe ich mich deshalb auf Anhieb mit Kevin so gut verstanden. Er konnte den Okocha-Trick in Gummistiefeln, ich konnte Bälle in den Winkel schießen.

Hat er Sie auch manchmal mitgenommen in den berüchtigten Panke-Käfig?
Klar, ich zockte dort meistens mit ihm und seinem großen Bruder George. Einmal habe ich als kleiner Scheißer einem 18-Jährigen einen Beinschuss verpasst. Und wurde dann sofort auf der Steinplatte umgehauen. Da meinte Kevin: »Hör auf, Junge. Wenn wir die hier verarschen, kloppen die uns kaputt. Du spielst ab jetzt ganz normal. Ball annehmen. Ball weiter passen. George darf tricksen. Du nicht.« Und so waren wir jeden Tag in der Stadt unterwegs. Entweder bei ihm im Wedding oder bei mir in Kreuzberg. Ständig Fußball, der Rest war mir egal. In die Schule ging ich ohne Rucksack, nur mit Stift hinters Ohr geklemmt.

Umso besser lief es mit Hertha. Ihre Generation galt als die goldene der Stadt.
Das Ziel von uns allen war nur eines: Irgendwann in dieser gigantischen Schüssel zu spielen. Mit der Zeit wurde dieser Traum immer realistischer. Ashkan spielte schon als 16-Jähriger in der deutschen U21 mit der Zehn auf dem Rücken. Und Leute wie Trochowski und Gomez saßen auf der Bank.

Das allgemeine Gefühl bei Herthas Profis war damals: Obacht, jetzt kommt die Jugendgang.
Die hatten Schiss vor uns. Die wussten genau, wir würden ihre Plätze einnehmen.

Stattdessen haute ein Talent nach dem anderen ab.
Weil wir Jungen zwar spielten, die Alten, die auf der Bank saßen, aber das Zigfache verdienten. Deswegen sind irgendwann alle gegangen.

Haben Sie nicht versucht, Ihre Freunde zum Bleiben zu überreden?
Natürlich habe ich das. Aber damals haben die Berater eine große Rolle gespielt. Was meinen Sie, was die uns erzählt haben? »Du könntest längst dort und dort spielen und so und so viel verdienen!«

Wo hätten Sie damals längst spielen können?
Bayern, Dortmund, Schalke, Leverkusen. Ich habe aber erst später davon erfahren, mein damaliger Berater hat mir die Angebote lange vorenthalten. Er sah die Chance, dass ich in Berlin zum Idol werden könnte.