Wie Marc Schnatterer zum Heidenheimer Helden wurde

»Beim Skifahren gehe ich nur noch in die Hütte«

Das dürfte Ihre bisher größte Kulisse gewesen sein.
Die größte ever. Mit Abstand. Und dann haben wir das Spiel noch gewonnen! Ich habe danach viele Komplimente bekommen. Aus meinem Umfeld, aber auch von Leuten, die beim VfB arbeiten. Ich habe mich unglaublich gefreut, weil es für mich immer ein Traum war, mal in diesem Stadion zu spielen. Was noch interessant wäre, ist Köln. Weil ich einfach das Lied so gut finde, die Torhymne. Man kennt das ja von Après-Ski-Partys und Schlagerfesten. Unabhängig davon herrscht dort auf jeden Fall ein richtig gutes eigenes Flair. Ansonsten wäre Dortmund toll, mit der Gelben Wand. Oder die Kulisse auf Schalke.

Gibt es auch Stadien, die Sie aus Ihrer Regionalligazeit vermissen?
Waldhof Mannheim hat so ein Stadion. Als wir dorthin fuhren, war ich nervös und sehr angespannt. Aber ich habe mich auch total gefreut, weil ich wusste, dass wir jetzt zu einer Mannschaft fahren, die viel Tradition und viele Zuschauer hat. Es ist sehr schade, dass sie den Aufstieg wieder nicht geschafft haben. Mit den Fans und dem Stadion gehören sie mindestens in die Dritte Liga.

Hier in Heidenheim ist zwar alles noch beschaulich, aber mittlerweile auch sehr modern geworden. Was vermissen Sie aus Ihrer Anfangszeit?
An meinem zweiten Tag habe ich den Laktattest im Stadion gemacht. Damals gab es noch eine Tartanbahn. Wo heute die Stehplätze sind, war nur ein grüner Hügel. Das Stadion wurde für Leichtathletik und Schulsport genutzt. Alles war etwas rustikaler, aber auch das hatte was.

Früher konnten Sie mit den Fans ein Bier in der Kneipe trinken. Ist das heute noch möglich?
Ich kenne viele von denen, die auf der Tribüne stehen und uns jedes Wochenende anfeuern. Wenn wir in Heidenheim ausgehen und die Jungs da sind, dann stoßen wir gerne auf einen Sieg an. Die Stadt ist nicht groß. Da ist es ganz normal, dass wir auch Leute treffen.

Das klingt ganz genau so familiär, wie man sich Heidenheim vorstellt.
Wir haben eben kurze Wege hier. Wenn ich mich mit meinen Mannschaftskollegen ganz spontan zum Essen verabrede, dann sind fünf Minuten später alle Mann vor Ort.

Sie kochen angeblich auch regelmäßig für die Mannschaft Spaghetti Bolognese.
Es ist komisch, dass diese Geschichte bei allen hängenbleibt. Ich habe das nur einmal irgendwo erwähnt. Es ist so: Für mich wurde es irgendwann zur Gewohnheit, freitags nach dem Abschlusstraining daheim zu essen. Ich koche Spaghetti, esse gemütlich und schaue dabei vielleicht noch zweite Liga. Manchmal koche ich für mich alleine, manchmal kommen auch zwei oder drei Kollegen dazu. Aber es war noch nie die ganze Mannschaft da.

Klingt aber nicht gerade nach Low-Carb.
Ich bin keiner, der ein Buch studiert und sagt: Als Sportler muss ich mich exakt so ernähren. Gesunde Ernährung ist wichtig, keine Frage, aber man sollte auf seinen Körper hören. Für mich gehört deshalb genauso dazu, dass ich mir auch mal was anderes gönne. An einem freien Tag kann ich mir mal einen Döner reinhauen, kein Problem.

Es scheint Ihnen nicht zu schaden: Sie haben seit März 2013 kein Ligaspiel verpasst.
Ich glaube, ich bin jemand, der öfters mal kleinere Blessuren hat, die aber relativ schnell wegbekommt. Und irgendwie habe ich einfach den Antrieb, dass ich zum Wochenende immer fit sein möchte. Auch wenn ich mittwochs Probleme habe und nicht trainieren kann, probiere ich alles, um am Samstag auf dem Platz zu stehen.

Ein weiterer Grund: Sie haben in mehr als 400 Spielen noch nie eine Rote Karte erhalten. Können Sie überhaupt dazwischenhauen?
Es würde einfach nicht zu mir passen, wenn ich ohne Rücksicht auf Verluste reinhaue. Wenn es drauf ankommt, mache ich auch mal ein Foul. Aber ich habe noch nie einen Gegner so weggewichst, dass ich eine Rote Karte verdient gehabt hätte.

Das hört sich alles so normal an. Gibt es denn irgendwas Verrücktes an Ihnen?
Tatsächlich bin ich eher der Typ Nachbarsjunge. Ich fahre gerne Ski, aber das habe ich die letzten drei Jahre eingestellt. Jetzt mache ich nur noch Après-Ski. (Lacht.) Vielleicht ist es das: Dass ich beim Skifahren nur noch in die Hütte gehe. Aber ich bin spontan und auch bereit, mal was Verrücktes zu machen.