Wie kommt man beim WM-Finale auf den Rasen, Paul Ripke?

»In die Dusche habe ich mich nicht getraut«

Was hätten Sie gemacht, wenn Deutschland verloren hätte?
Dann hätte ich an dem Abend überhaupt nicht mehr fotografiert. Das war eine 50/50 Chance, und ich hatte Glück.

Und dann standen Sie auf einmal auf dem Platz.
Ab diesem Moment wusste ich nicht mehr was passiert und wo ich überhaupt bin. Verarbeitet habe ich das Ganze bis heute noch nicht.  

Und dann durften Sie alles fotografieren, was Ihnen vor die Linse lief?
Mir war klar, dass ich hautnah am Team sein würde, das war der Sinn der Sache. Dadurch wurden einige Motive überhaupt erst möglich. Diese Worte von Oliver Bierhoff: »Ab jetzt gibt es keine Regeln mehr, was Fotos angeht«, waren vermutlich trotzdem die schönsten, die je zu mir gesagt wurden.  

Sind Sie seinem Rat gefolgt?
In die Dusche habe ich mich nicht getraut. Ich wollte die Freiheit auch nicht komplett ausreizen.

Wie haben die Spieler Sie aufgenommen?
Anfangs war es noch etwas zäh. Das änderte sich dann aber schnell, der Eisbrecher war Marteria (Ripke ist für das Artwork des Rappers verantwortlich, Anm. d. Red.). Mit ihm werde ich häufig in Verbindung gebracht und ihn kannten die Jungs natürlich. Ohne die Begeisterung für das Projekt bei den Spielern wäre das Buch auch nicht so geworden, wie es ist.

Gab es Spieler, die sich vor den Fotos gesträubt haben?
Es hat sich niemand beschwert. Ich habe, glaube ich, den Jungs auch genügend Privatsphäre gewährt, sodass keiner genervt war. Außerdem freuen die sich auch immer über neues Material für ihre Instagram-Accounts (lacht).

Wer hat sich am meisten über Ihre Anwesenheit gefreut?
Lukas Podolski war schon sehr herzlich, mit ihm habe ich mich schnell sehr gut verstanden. Aber auch Mario Götze, den ich auch schon seit sieben Jahren begleite und den ich mit am besten kannte. Auch da hatte ich einfach Glück, dass ausgerechnet er das entscheidende Tor macht.

Ein von Paul Ripke (@paulripke) gepostetes Video am Nov 11, 2014 at 4:55 PST


Sie haben öfters mal Glück, oder?
An diesem Tag griff tatsächlich alles ineinander. Dass ich so nah dabei sein konnte, vor allem bei der Pokalübergabe, erforderte Unmengen an Glück. Durch meine Arbeit mit den Toten Hosen und Marteria lernte ich, an dem ein oder anderen Parkwächter oder Security-Mann vorbeizukommen. Das bedarf einer ausgefeilten nonverbalen Kommunikation und hat mir sicherlich auch dabei geholfen an Sepp Blatter und Konsorten vorbeizuschleichen. Ich wurde allerdings auch zweimal von den Securitys rausgezogen, aber die Spieler holten mich wieder zurück. Ich hatte einfach richtig Schwein an diesem Tag!