Wie ist die Stimmung auf Schalke, Leon Goretzka?

»Ich würde mich kaufen«

Ist das nicht eine schizophrene Situation, wenn Ihre Kumpels gleichzeitig Ihre Konkurrenten sind?
Natürlich will jeder spielen, aber wenn wir wollen, dass eine Dynamik entsteht, dann darf sich keiner schmollend auf dem Fußboden setzen und schlechte Laune verbreiten. Genau dann müssen wir voll hintereinander stehen. Ich bin auf jeden Fall dazu bereit, und ich gehe davon aus, dass es bei den anderen genau so ist.

Die Stimmung ist also prächtig, nun ist mit Franco Di Santo ein weiterer Spaßvogel dazugekommen. Hat er Ihnen auch schon eine Spinne ins Trikot gesteckt, so wie bei Leroy Sané?
Nein. Aber Franco ist immer für einen Spruch oder eine coole Aktion zu haben. Er ist auch im Kopf deutlich jünger als auf dem Papier. Bei Leroy war es übrigens ein Frosch, und Franco hat nur so getan, als würde er ihn Leroy ins Trikot stecken. Aber so etwas geht nach einem 5:0 natürlich auch leichter.

Letztes Jahr war die Stimmung eher negativ. Wie erklären Sie sich den Umschwung?
Als ich letzte Saison nach der Reha wieder zur Mannschaft kam, war die Stimmung ziemlich schlecht. Wir hatten die Fans verloren, weil wir unattraktiven und zum Teil leidenschaftslosen Fußball gespielt haben. Das ist unter André Breitenreiter mittlerweile ganz anders. Er steht für attraktiven Fußball, für Spaß, aber auch für harte Arbeit. Und das transportiert er auch. Wir haben in der Vorbereitung unheimlich geschuftet, und die Fans nehmen natürlich wahr, dass wir bereit sind zu ackern.

Was macht Breitenreiter denn anders als sein Vorgänger?
Jeder Trainer ist anders. André Breitenreiter ist offen und greifbar, auch für die Fans, für die er immer einen lockeren Spruch parat hat. Er vermittelt eine gewisse Nähe. Auf dem Trainingsplatz findet er eine super Mischung aus Spaß und Ernst, so dass alle gut mitziehen. Seine positive Art hat sich auf den ganzen Verein übertragen.

Passt Breitenreiter also viel besser zum Malocherklub Schalke als Di Matteo?
Da ich die größte Zeit unter Di Matteo aufgrund von Verletzungen verpasst habe, kann ich das überhaupt nicht beurteilen. Ich kann nur sagen, dass wir mit André Breitenreiter eine sehr gute Vorbereitung hatten und zusammengewachsen sind. Wir gehen sehr gut vorbereitet und top motiviert in die neue Saison.

Sie sind jetzt seit drei Jahren Profi. 2012 sagten Sie: »Fußball ist mehr Leidenschaft als Beruf.« Hat sich das mittlerweile geändert?
Nein. Fußball ist immer noch eher eine Herzensangelegenheit für mich. Mein Hobby, das ich zum Beruf gemacht habe. Ich freue mich jeden Tag, wenn ich auf den Platz darf, und ärgere mich, wenn wir eine Einheit im Kraftraum machen. Das Gefühl wie jetzt gegen Duisburg, zu gewinnen, ein Tor zu schießen und eine gute Leistung abzuliefern, will ich nach den ganzen Verletzungen wieder öfter haben.

Haben Sie sich dieses Gefühl vergegenwärtigt, um in der Reha nicht den Kopf hängen zu lassen?
Mehr als das. Ich bin während meiner Reha in Donaustauff zu jedem Heimspiel gefahren und habe die Spiele in der Arena verfolgt. So habe ich mir ganz plastisch vor Augen geführt, für was ich in der Reha schufte.

Sie haben die Vorbereitung verletzungsfrei absolviert. Ein Internet-Fußballmanagerspiel hat Sie vor kurzem als einen möglichen »Durchstarter der kommenden Saison« bezeichnet. Wenn ich Sie in diesem Spiel kaufen würde, wären Sie eine lohnende Investition?
Definitiv, klar. Ich spiele ebenfalls ein Online-Managerspiel und würde mich auch kaufen. Aber ich habe kein Geld mehr (lacht).

Spielen Sie mit Ihren Schalker Kollegen?

Nein, mit Kumpels aus der Schulzeit. Luiz Gustavo spielt auf meiner Position. Aber ich bin noch auf dem Markt, vielleicht kaufe ich mich also doch noch irgendwann.

---
Ab sofort immer samstags ab 15 Uhr hier: Die 11FREUNDE-BuLi-Konferenz: Alle Spiele, alle Tore, Live-Statistiken, das Beste aus dem Netz und der Lesertalk auf der Stehtribüne. (Link)