Wie haben Sie es so weit gebracht, Jonas Hector?

»Ich versuche, so zu bleiben, wie ich bin«

Ist es für Sie immer noch einschüchternd, neben Jerome Boateng, Manuel Neuer oder Bastian Schweinsteiger auf dem Trainingsplatz zu stehen? 

Nein, aber anfangs war es das wirklich. Das sind Spieler, die so viel geleistet haben und Weltmeister geworden sind. Und ich bin nach zehn Bundesligaspielen eingeladen worden, da war ich anfangs schon nervös. 

Sie betonen gerne, ein sehr bodenständiger Mensch zu sein. Was ist für Sie gut an Bodenständigkeit? 

Ich versuche einfach, weiter so zu leben, wie ich es in Auersmacher getan habe. Ich versuche, mein Geld zusammenzuhalten und es nicht zu verprassen. Und ich versuche, so zu bleiben, wie ich bin, für meine Freunde und Familie.

Haben Sie Angst davor, dass Ihnen jemand sagt, dass der Fußball Sie verändert hat? 

Angst nicht, die Leute um mich herum würden mir klipp und klar sagen, wenn es in die falsche Richtung gehen sollte. 

Aber Ihr Leben hat eine andere Richtung genommen. Sie sind Star eines Bundesligisten, hängen mit der Nationalmannschaft in Luxushotels rum und verdienen einen Haufen mehr Geld als alle Ihre Freunde zusammen. 

Sie wissen nicht, was meine Freunde machen.

Gut gegeben, aber machen Sie sich vielleicht etwas vor?
Man gewöhnt sich natürlich an das, was man hat. Ich habe inzwischen einen anderen Lebensstandard als in Auersmacher, das steht außer Frage. Ich kann mir Sachen leisten, die ich mir vorher nicht habe leisten können.

Was denn zum Beispiel?

Einen größeren Fernseher, ein bequemeres, größeres Bett. Sachen, für die man damals kein Geld hatte. Und wenn es da ist, gönnt man sich auch mal was.

Und was ist mit einem getunten Sportwagen? 

Ich bin froh, dass ich an so was kein Interesse habe und dafür kein Geld ausgebe. 

Ihre Lebenswelt und die Ihrer Freunden gehen aber trotzdem auseinander. Haben Sie Angst davor, dass es schwierig werden könnte, befreundet zu bleiben? 

Natürlich wissen meine Freunde, dass ich jetzt mehr verdiene. Das heißt aber nicht, dass ich als Pascha in unserem Ort gelte. Ich versuche, einfach so weiterzuleben, wie ich es 

bisher getan habe. 

Sind Sie schon mit Neid konfrontiert worden?
Nicht direkt, und von meinen Freunden sowieso nicht. Die reisen herum, um mich zu sehen, um mich 

zu unterstützen. Und keiner sagt: »Bezahl mal das Hotel!«

Sind das Freunde oder Fans?
Ich hoffe doch beides. Sie sind mir bis nach Vigo oder Dublin zu Länderspielen nachgereist, und sie kommen zu den meisten Heimspielen nach Köln die 280 Kilometer angefahren. Außer der SV Auersmacher spielt, dann müssen viele von ihnen selber ran.