Wie haben Sie es so weit gebracht, Jonas Hector?

»Ach du meine Güte, jetzt hast du Verantwortung«

Irgendwie scheinen Sie mit dem Fußballgeschäft zu fremdeln. Können Sie sich denn noch daran erinnern, als Sie Ihr erstes Autogramm gegeben haben? 

Nein.

Und an Ihr erstes Interview? 

An eines der ersten zumindest, und dass ich deutlich nervöser war als heute. Wenn man vom Dorf kommt, ist alles ruhig. Da gibt man ein Interview in zwei Jahren, wenn die »Saarbrücker Zeitung« mal auf unsere Mannschaft aufmerksam geworden ist. Das war in Köln schon eine Umstellung, zumal ich eher ein ruhiger, zurückhaltender Typ bin, der nicht gerne im Fokus steht. Deshalb gebe ich nur hin und wieder ein Interview, in geregelten Dosen.

Stimmt es wirklich, dass Sie in Köln »Harry Hector« genannt werden, nachdem Sie anfangs »Harry Hektik« hießen? 

Das kommt schon mal vor. Vor allem »Harry« habe ich bei einigen noch behalten.

Aber Sie wirken nicht annähernd hektisch, zu diesem Interview sind Sie sogar zu früh da gewesen. 

Ich bin eher das Gegenteil von hektisch. 

Und wahnsinnig vernünftig? 

Komplett. Das kann ich nur unterschreiben.

Sie lachen, wo gönnen Sie sich denn Ihre fünf Minuten Unvernunft im Monat? 

Auf dem Platz bin ich schon recht emotional, das ist mein Ventil. Ansonsten versuche ich, mich nicht aufzuregen. 

Wenn, würde es kaum jemand mitbekommen, weil Sie Social-Media-Ver­weigerer sind. Warum sind Sie weder bei Facebook, Twitter oder sonstwo aktiv? 

Ich habe es lieber ein bisschen gedeckter. Mich reizt es nicht, mich als öffentliche Person im Netz darzustellen. Das ist irgendwie nicht meins. 

Verfolgen Sie denn, was ihre Mannschaftskameraden posten? 

Sie müssen nicht glauben, dass diese Welt komplett an mir vorbeigeht. Ich bin da schon aktiv, aber eben privat, beim Rest muss ich mich leider entschuldigen. 

Nun haben Sie ein kleines Problem: Sie sind als Nationalspieler ein herausragender Spieler der Kölner Mannschaft. Wollen Sie eine Leitfigur sein oder einfach unhektisch Ihren Job erledigen? 

Am liebsten das.

Das habe ich befürchtet. 

Ich bin einer, der am längsten in der Mannschaft ist, also sage ich auch mal was in der Kabine oder auf dem Platz. Und plötzlich hören Leute dann auf das, was man sagt.

Das klingt so, als sei das eine erschütternde Erkenntnis für Sie gewesen. 

Eher überraschend, und da dachte ich: »Ach du meine Güte, jetzt hast du auch ein bisschen Verantwortung«. (Lacht.) Dann wurde ich auch noch in den Mannschaftsrat gewählt. Da war mir klar, dass ich wohl hier und da auch mal den Mund aufmachen muss.

Sprechen Sie in der Nationalmannschaft auch schon? 

Auf dem Platz auf jeden Fall. (Lacht.)