Wie haben Sie es so weit gebracht, Jonas Hector?

»Bundesliga kam mir unrealistisch vor«

Vor sechs Jahren spielte Jonas Hector noch beim SV Auersmacher, jetzt bei der EM in Frankreich. Das Erfolgsgeheimnis des Kölners: seine Freunde vom Dorf.

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Jonas Hector, Sie wurden nicht in einem Nachwuchsleistungszentrum ausgebildet und haben noch mit 20 Jahren Amateurfußball gespielt. Ist Ihnen klar, dass so einer in der Nationalmannschaft eigentlich nicht mehr vorgesehen ist. 

Miroslav Klose hat doch einen ähnlichen Weg hingelegt.

Ja, aber das war noch eine andere Zeit. 

Philipp Wollscheid ist auch spät aus dem Saarland weggegangen und noch Nationalspieler geworden.

Sie kommen ebenfalls aus dem Saarland, sind die Menschen da besonders heimatverbunden? 

Das kann gut sein, zumindest ist es bei mir so.

Haben Sie Ihr ganzes Leben vor dem 1. FC Köln beim SV Auersmacher gespielt und immer dort in der Stadt gelebt? 

»Stadt« ist ein bisschen übertrieben. Mit 2800 Einwohnern ist es dann doch eher angebracht, von einem Dorf zu sprechen. Ja, dort habe ich gewohnt und gespielt, bis ich nach Köln ging. Der erste Spielerpass wurde 1993 ausgestellt.

Wie bitte, da waren Sie drei Jahre alt? 

Ja, und laut meiner Mutter habe ich auf dem Rasen auch eher Gänseblümchen gepflückt und nebenan Sandburgen gebaut. 

Waren Ihre Eltern im Verein engagiert? 

Mutter und Vater haben dort beide Fußball gespielt. Mein Vater war auch Trainer diverser Mannschaften, deswegen war’s vorprogrammiert, dass mein Bruder und ich in seine Fußstapfen treten.

War er auch Ihr Trainer? 

Erstaunlicherweise nie, aber gerade in der Pubertät war es vielleicht auch besser so.

Hat er Ihnen irgendeine Spezialausbildung zukommen lassen, die erklären würde, warum Sie es zumindest mit Verspätung in den Profifußball geschafft haben? 

Nein, die gab es nicht. Fußball war einfach immer das Hobby Nummer eins der kompletten Dorfjugend. Wenn wir Zeit hatten, haben wir einen Ball genommen und rumgebolzt.

Sind Sie beim SV Auersmacher übersehen worden? 

Das würde ich nicht sagen. Ich wurde immer mal wieder in die Saarlandauswahl eingeladen, ab der D-Jugend habe ich auch das DFB-Stützpunkttraining gemacht. Allerdings war ich zwischendurch ein paar Jahre nicht mehr in der Auswahl, weil ich erst relativ klein war und dann plötzlich einen Schuss gemacht habe. Hinten raus, in der U21, habe ich dann wieder gespielt.

Wollte Sie nie ein größerer Klub aus der Nachbarschaft, der 1. FC Saarbrücken oder der 1. FC Kaiserslautern, ins Nachwuchsleistungszentrum holen? 

Doch, der 1. FC Saarbrücken kam ein oder zwei Mal auf mich zu, aber ich hatte irgendwie kein Interesse daran, an meiner Situation irgendetwas zu ändern. 

Warum nicht? 

Ich hab mich einfach wohl gefühlt in Auersmacher, ich wollte weiter mit meinen Freunden spielen.

Wie haben Sie sich mit 17 Jahren Ihre berufliche Zukunft vorgestellt? 

Das weiß ich nicht mehr. Aber ich hätte nach meinem Abitur auf jeden Fall studiert, wahrscheinlich irgendwas mit Sport. Vielleicht wäre ich Sportlehrer geworden.